17.02.2017 - Ausgabe Nr. 1422

Niederösterreichs Hotellerie sucht geeignetes Personal



Die heimische Hotellerie hat es nicht leicht, ausgebildete Fachkräfte und auch Anlernkräfte zu finden, berichtet Doris Reinisch, Obfrau der Fachgruppe der Hotellerie der NÖ Wirtschaftskammer dem NÖ Wirtschaftspressedienst. „Für viele Bewerber ist die Arbeit am Wochenende der Grund, die angebotene Stelle abzulehnen“, sagt sie. Hier müsse die Politik Anreize schaffen, etwa mit speziellen Steuervorteilen oder Freibeträgen.

Schwer getroffen hat die Branche, dass sie immer wieder zusammen mit der Gastronomie als Inflationstreiber hingestellt wurde. „Wenn der Staat die Mehrwertsteuer auf Nächtigung von zehn auf 13 Prozent erhöht und die Abschreibung von Gebäuden massiv verlängert, braucht sich niemand zu wundern, dass das nicht nur die Kalkulation der Betriebe verschlechtert, sondern sich auch in den Preisen widerspiegelt“, so Doris Reinisch. Dazu komme das Problem der Betriebsübergaben, die immer schwieriger geworden seien oder nicht mehr stattfänden. „Viele der potentiellen Übernehmer sind von den sich ständig verschlechternden Rahmenbedingungen entmutigt und wollen sich das nicht mehr antun“, betont sie.

Die Fachgruppenobfrau fordert daher, den Mehrwertsteuersatz zumindest wieder auf zehn Prozent zu senken, um speziell gegenüber dem deutschen Markt, wo der Steuersatz sieben Prozent ausmacht, wieder konkurrenzfähig zu werden. Auch bei der Abschreibdauer sollten die Fehler revidiert und die Fristen an die Praxis angepasst werden. „Das wichtigste wären aber“, sagt Reinisch, „neue Modelle einer flexibleren Gestaltung der Arbeitszeit. Deren Gegner und Verhinderer scheinen die Wünsche der Arbeitnehmer völlig zu übersehen. Damit könnten wir allen Beteiligten einen riesigen Sprung nach vorn ermöglichen.“

Als positiv am Geschäftsjahr 2016 wertet sie, dass sich die Auslastung gebessert habe. Nach wie vor schwierig sei es hingegen, angemessene Preise durchzusetzen. „Deshalb haben sich die durchschnittlich erzielten Presie auch nicht erhöht“, erklärt Doris Reinisch. „Da die Abgaben gestiegen sind, ist am Ende weniger übrig. Allen, die ob der guten Nächtigungszahlen eine Goldgräberstimmung in der Branche vermuten, sei gesagt: Auslastung ist kein Selbstzweck – wichtig ist es, was am Ende unterm Strich übrig bleibt!“

Für das heurige Jahr erwartet die NÖ Hotellerie eine stabil positive Entwicklung im Business- bzw. Seminargeschäft. „Im Ferien - bzw. Freizeitgeschäft muss man aber auch die politischen Entwicklungen im Auge behalten. Urlaub in Österreich ist zwar wieder modern, aber das Potential für Niederösterreich ist hier sicher noch nicht optimal ausgeschöpft“, so Reinisch.

Die Fachgruppe Hotellerie Niederösterreich besteht derzeit aus 1.292 aktiven Mitgliedern, die 1.386 aktive Betriebe führen, Hotels, Hotels Garni, Gasthöfe mit Beherbergung ab neun Betten, Pensionen, Frühstückspensionen, Schutzhütten, Jugendherbergen, Ferienwohnungen und freie Beherbergungsgewerbe bis zehn Betten. Davon sind 386 Betriebe als 1- bis 5-Sterne-Betriebe klassifiziert. Insgesamt beschäftigt die Branche 10.223 Mitarbeiter, davon 437 Lehrlinge in Ausbildung. (dsh)

www.hotelnoe.at

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