14.04.2017 - Ausgabe Nr. 1430

Textilhandel setzt auf Qualität der Ware und des Kundenservice



„Wir müssen ein Bewusstsein dafür schaffen, dass der stationäre Fachhandel insgesamt - und nicht nur der von mir vertretene Textilhandel - dafür sorgt, dass Dörfer, aber auch Innenstädte funktionieren“, erklärt Catharina Stift, Obfrau im Landesgremium Handel mit Mode und Freizeitartikeln in der NÖ Wirtschaftskammer, dem NÖ Wirtschaftspressedienst. In diesem Sinn hat Stift einen öffentlichen „Danke-Folder“ konzipiert, worin in wenigen Worten die Vorteile hervorgehoben werden, wenn man im Fachhandel einkauft. „Bei uns menschelt es“, sei dort die zentrale Aussage im Bemühen um persönliche Kundenberatung. Dieses Projekt, das vom Landesgremium Mode ausgegangen ist, hat inzwischen auch schon in anderen Bundesländern, aber auch in anderen Branchen, Nachahmer gefunden, wie etwa bei den Floristen und Juwelieren.

Mittlerweile werden laut Stift rund 25 bis 28 Prozent der Textilien über das Internet gekauft. „Während es dort niemanden gibt, der einem hilft, bei offenen Fragen den richtigen Weg zu den Antworten zu finden, bekommt man im stationären Fachhandel nicht nur umfassende Beratung, sondern vielleicht auch einen Kaffee, jedenfalls ein Service, das verwöhnt“, sagt sie. Darüber hinaus sorge der stationäre Handel für Beschäftigung auch in anderen Branchen in der Region. „Auch ein Textilhändler braucht schließlich einen Elektriker oder einen Rauchfangkehrer“, so Catharina Stift.

Keine Freude hat sie mit internationalen Billigkonzernen, die T-Shirts um 3,99 Euro verkaufen. „Die unmenschlichen Produktionsbedingungen in den Produktionsländern sind allgemein bekannt. Dazu kommt, dass hierzulande Filialisten häufig kein qualifiziertes Personal haben, während Fachhändler durchwegs Lehrlinge ausbilden“, betont die Obfrau. Nicht zuletzt bleibe auch die Wertschöpfung im Lande, wenn man in heimischen Betrieben einkaufe. „Wir müssen 20 Prozent Steuern zahlen, während Konzerne mit Sitz in einem Steuerparadies keine Steuern zu leisten haben“, thematisiert die Wirtschaftskammer-Funktionärin.

Das Argument der günstigeren Preise im Internet relativiert die Obfrau. Im Schlussverkauf bekomme man beste Ware zu günstigen Preisen. Und: „Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft. Wenn ich statt 3,99 Euro 12,99 Euro für ein T-Shirt zahle, kann ich davon ausgehen, dass es in der Regel höherwertig und damit öfter verwendbar ist“, so Stift. Dazu komme, dass Markenware oft nur im stationären Fachhandel erhältlich sei.

Obwohl die Situation kritisch sei, gibt sich Stift „durchaus hoffnungsvoll“. So habe sich die Zahl der Mitglieder im letzten Jahr kaum verändert. Ins neue Jahr ist die Modebranche in Niederösterreich mit 1.574 aktiven Betrieben gestartet. „Meine Empfehlung ist Spezialisierung. Das Trachtengeschäft zum Beispiel läuft überaus erfolgreich, und für besondere Textilien sind die Kunden auch bereit, mehr Geld auszugeben“, stellt die Obfrau fest. Dass die Branche bemüht sei, mit den aktuellen Veränderungen gut umzugehen, könne man daran ablesen, dass die entsprechenden Fachseminare der Wirtschaftskammer regelmäßig gut gebucht seien. „Modetrend-Events sind in der Regel schon kurzfristig ausgebucht“, so Catharina Stift. (jm)

http://wko.at/noe/mode-freizeit

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