19.05.2017 - Ausgabe Nr. 1435

Niederösterreichs Kunsthandwerk wird immer mehr EPU-lastig



Die Zahl der Ein-Personen-Unternehmen (EPU) steigt auch in der Branche der Kunsthandwerker. Lag in Niederösterreich die Zahl der EPU in dieser Fachgruppe im Jahr 2015 bei 935, waren es im Vorjahr schon 1.048. Damit erhöhte sich der EPU-Anteil am Gesamtbestand von 83,6 Prozent auf 84,8 Prozent von insgesamt 1.235 Betrieben. Inzwischen ist ihre Gesamtzahl auf 1.270 weiter gestiegen. Dieser Trend wird sich laut Landesinnungsmeister Johann Figl fortsetzen.

„Es gibt immer mehr Leute“, sagt er, „die sich selbst verwirklichen möchten und in die Selbständigkeit gehen. Hier verzeichnen wir vor allem bei den Erzeugern von kunsthandwerklichen Gegenständen eine starke Zunahme.“ Aber auch bei den Goldschmieden, Uhrmachern, Buchbindern sowie Musikinstrumentenerzeugern seien viele EPU aktiv. „Ich sehe diese Entwicklung positiv. Denn man sieht, dass Leute selbstbestimmt leben wollen und ihre Kreativität sowie auch ihre Ideen umsetzen können“, erklärt Innungsmeister Figl dem NÖ Wirtschaftspressedienst.

Als Wermutstropfen der Branche bezeichnet er die Probleme, die manche EPU mit der Vermarktung haben. „Kreativ sein und Ideen haben, ist eine Sache, sich damit erfolgreich präsentieren, eine andere“, betont er. Daher seien Innung und Wirtschaftskammer bemüht, ihren Mitgliedern die Wichtigkeit des eigenen Webauftritts mit speziellen Schulungen näher zu bringen. Der Großteil der Kunden erkundige sich zunächst im Internet, bevor er sich zu einem Kauf entschließe. Deshalb sei es in dieser Branche auch für einen Kleinstbetrieb unerlässlich, eine Webseite zu haben und damit auf sich aufmerksam zu machen.

Ein breites Publikum sprechen die heuer bereits zum vierten Mal stattfindenden KUNST WERK TAGE auf der Schallaburg an. Am 5. und 6. August kann man von 9 bis 18 Uhr mehr als 90 Ausstellern bei der Arbeit über die Schulter schauen, deren Erzeugnisse bewundern und auch erwerben. „Im vergangenen Jahr haben wir einen Rekord gebrochen“, berichtet Johann Figl. „Da haben wir zum ersten Mal Zählkarten ausgegeben, um die genaue Besucherzahl zu erheben. 2016 sind wir auf mehr als 80 Aussteller und 9.000 Besucher gekommen. Beim Start im Jahr 2013 sind es knapp 70 Aussteller und 6.000 geschätzte Besucher gewesen.“

Überzeugt ist der Innungsmeister davon, dass das Kunsthandwerk auf eine offene Kundeninformation angewiesen ist. „Man bekommt einen Einblick in die Arbeit des jeweiligen Betriebes“, sagt er, „sieht, wie ein Produkt entsteht, wie viele Arbeitsschritte von nöten sind, so dass man dann auch eher den Preis nachvollziehen kann. Mit unseren KUNST WERK TAGEN konnten wir dazu beitragen, das Interesse an heimischem Kunsthandwerk zu steigern“. Nicht zu vergessen ist das Reparaturservice. Viele Uhrmacher, Goldschmiede, Buchbinder und Musikinstrumentenerzeuger bieten auch Reparaturdienste an. „Damit werden gleichzeitig Nachhaltigkeit und generationsübergreifende Werte geschaffen“, sagt Innungsmeister Johann Figl.

Für März 2018 plant die Landesinnung für interessierte Kunsthandwerker eine Studienreise zur Internationalen Messe Handwerk & Design in München. Wenn genügend Interesse besteht, will man auch einen Gemeinschaftstand organisieren, um neue Geschäftsfelder zu eröffnen. „Mir ist es wichtig aufzuzeigen“, so Figl, „dass wir Niederösterreichischen Kunsthandwerker mit unseren qualitätsvollen Erzeugnissen gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten auch auf dem internationalen Markt mithalten können.“

Zurzeit gibt es in Niederösterreich 1.270 Kunsthandwerker, die 411 Mitarbeiter beschäftigen. 17 davon werden als Lehrlinge ausgebildet. (dsh)

http://wko.at/noe/kunsthandwerke

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