19.05.2017 - Ausgabe Nr. 1435

Mechatroniker: „Gut ausgebildetes Personal wächst nicht auf den Bäumen



Obwohl sich die Zahl der aktiven Mechatroniker-Betriebe in Niederösterreich von 1.376 im Vorjahr inzwischen auf 1.423 erhöht hat, die Zahl der Mitarbeiter von 4.865 auf 5.109 und die Zahl der davon in Ausbildung stehenden Lehrlinge von 165 auf 184, zeigt sich Andreas Kandioler, der Innungsmeister der Mechatroniker in der NÖ Wirtschaftskammer, in einem Lagebericht für den NÖ Wirtschaftspressedienst keineswegs euphorisch: „Es stimmt, wir haben zwar gegenüber dem Vorjahr mehr Betriebe, mehr Mitarbeiter und auch mehr Lehrlinge, das ist gut. Aber trotzdem sind wir mit der derzeitigen Lehrlingssituation nicht zufrieden. Es werden von Innungsseite seit zwei Jahren Lehrlingsaktionen durchgeführt, die hoffentlich dazu führen, auch auf lange Sicht mehr Lehrlinge zu bekommen. Das gesellschaftspolitische Problem, dass die Jugend lieber in Schulen geht, als eine Lehre zu beginnen, kann nur mit leistungsbezogenen Anreizen gelöst werden. Davon ist unsere Gesellschaft allerdings noch sehr weit entfernt.“

Als schwer verständlich empfindet Kandioler, dass es in einer zukunftsweisenden Branche wie der Mechatronik ein nachhaltiges Nachwuchsproblem überhaupt gibt. „Fakt ist natürlich, man braucht zur Lehrlingsausbildung auch Betriebe“, sagt er. Hier versuche die Innung, mit Förderaktionen die Unternehmen zu bewegen, mehr Lehrlinge auszubilden. Die Ausbildung des eigenen Personals sei unerlässlich. Schließlich profitiere davon nicht nur jeder Betrieb, sondern auch die Wirtschaft und die Gesellschaft insgesamt. „In diesem Punkt“, so Kandioler, „dürfen wir nicht länger wegschauen. Denn wenn in wenigen Jahren die Babyboomer-Generation in Pension geht, werden wir ein gravierendes Problem bekommen. Gut ausgebildetes Personal wächst nicht auf den Bäumen.“

Als weiteres Problem nennt der Mechatroniker die Bürokratie. „Zwar sprechen alle vom Bürokratieabbau, nur tut man nichts dagegen. Das ist nach wie vor der größte Hemmschuh für Unternehmen“, so Andreas Kandioler. „Sich wirklich aufs Arbeiten zu konzentrieren, ist extrem schwer, oft schier unmöglich geworden. Das hat eine enorme Gefährdung des Standortes zur Folge, weil die Nebenkosten nicht mehr auf das Produkt umgelegt werden können.“ In der zunehmenden Digitalisierung sieht der Innungsmeister eine Herausforderung, die auch vor Kleinbetrieben nicht halt mache.

Um auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben, fordert Andreas Kandioler dringend Reformen ein. „Es müssten Lohnnebenkosten der Nachbarländer verträglich und ausgewogen angepasst werden oder“, so Kandioler, „unsere Arbeitsleistung durch sinnvolle Maßnahmen besser vergleichbar gemacht werden. Es hat keinen Sinn, hier noch länger zuzusehen und nicht zu handeln. Gerade Niederösterreich ist vom Lohndumping aus dem Osten extrem betroffen.“ (dsh)

http://wko.at/noe/mechatroniker

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