11.08.2017 - Ausgabe Nr. 1446

Seitenstettnerin macht Objekte in Glasschmelztechnik zum Kunstwerk



Seit 2001 arbeitet Eva Lobmayr als freischaffende Glaskünstlerin. In ihrem Atelier in Seitenstetten im Bezirk Amstetten fertigt sie individuell gestaltete Türfüllungen, Glasfenster, Leuchtobjekte, Schalen, Schmuck und liebevolle Geschenksideen aus buntem Glas. Erst im Frühjahr hat sie eine Urnengrabanlage am Friedhof in Ernsthofen fertiggestellt.

Nach der Absolvierung der HBLA für wirtschaftliche Berufe in Haag sowie zwei Jahren als Bankangestellte und Exportsachbearbeiterin wurde ihr klar, dass sie beruflich umsatteln möchte. Schon in der Grundschulzeit hatten die Lehrer ihre kreative und künstlerische Ader entdeckt und ihr nahegelegt, sich weiterzubilden. So entschloss sich die heute 43jährige Mostviertlerin zum Besuch des Kolleg KunstHandWerkDesign an der Glasfachschule Kramsach in Tirol, das sie dann mit ausgezeichnetem Diplom absolviert hat.

Gleich anschließend fand Eva Lobmayr eine Anstellung im nahen Rosenheim in einer Glaserei, wo sie eine Fusingschmelzabteilung mit aufbauen konnte. „Zwei Jahre später ging ich für zwölf Monate nach Großbritannien an das International Glasscentre Dudley College in Brierley Hill und erlernte die Arbeit mit der Glasmacherpfeife“, berichtet sie dem NÖ Wirtschaftspressedienst. „Nach einigen Jahren der Wanderschaft wollte ich mich wieder im Mostviertel niederlassen. Im Jahr 2000 habe ich mein eigenes Glasatelier in einer ehemaligen Wagnerei im Zentrum von Seitenstetten aufgebaut“.

Für größere Projekte benötigt Eva Lobmayr vom Entwurf bis zur Fertigstellung und Montage einige Monate. „Oft werden nämlich mehrere Brände im Schmelzglasofen benötigt. Ich arbeite überwiegend mit Bullseye Glass, das ich vom Glasgroßhändler in Form von Glasplatten, Glaspulver und Glasfritten in unterschiedlichen Körnungen beziehe. Nach dem Entwurf schneide oder säge ich die verschiedenen Gläser, die auf einer Basisglasplatte zusammengefügt, mit Glaspulver und Fritten in mehreren Lagen bestreut und bei 780 bis 840 Grad Celsius miteinander im Brennofen verschmolzen werden. Je nach Bedarf wird das Glas nochmals überarbeitet, wieder geschnitten und verschmolzen, gesägt, gebohrt, sandgestrahlt, geschliffen oder in einer Keramikform bei niedriger Temperatur abgesenkt.“

Lobmayr fertigt nicht nur für Endkunden, sondern arbeitet auch in Kooperation mit Tischlern, Architekten und Metallbauern. Sie hält Basis- und Wochenendkurse ab und gibt Workshops für Fortgeschrittene. Besonders gefragt sei derzeit das Kursformat GlasUpCycling, wo aus alten nicht mehr benötigten Flaschen, Spiegeln und Bilderrahmengläsern durch Schneiden, Schleifen, Polieren, Sandstrahlen, Kleben oder Schmelzen neue Lieblingsstücke kreiert werden.

Glas ist für Lobmayr ein wunderbares Material. „Durch seine Transparenz“, sagt sie, „können Räume erzeugt oder geteilt werden, ohne einzuengen. Es zählt nicht nur der Raum vor und hinter Glas, das Glas selbst wird zu spürbarem und gestaltbarem Raum. Aus jedem Blickwinkel erzählt Glas eine neue Geschichte. Farben überlagern sich. Glas lebt durch Licht, Raum und Bewegung. Ich bin fasziniert vom Licht und Schattenspiel, das sich durch ofengeschmolzenes Glas an einer weißen Wand darstellt. Wasser- oder Spiegelreflektionen an der Decke oder am Boden und oft nur die kleinen einfachen und unscheinbaren Dinge sind das, was mich berührt und letztlich zu meiner künstlerischen Arbeit auch inspiriert.“ (dsh)

www.krahglas.at

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