1.12.2017 - Ausgabe Nr. 1462

Büro für ethisches Banking will zurück zur Realwirtschaft



Die „Genossenschaft für Gemeinwohl“ will jetzt auch in Niederösterreich verstärkt in Erscheinung treten und „das Geld- und Finanzwesen in Richtung Gemeinwohl verändern“, so Genossenschafts-Vorstand Fritz Fessler bei der Präsentation des Regionalbüros für ethisches Banking in St. Pölten.

Der Zeitgeist habe sich verändert, immer mehr Menschen wünschen sich einen Wandel des Finanzsystems. „Wir wollen alle Interessenten mit den Werten unserer Genossenschaft vertraut machen, wir bieten ethische Finanzdienstleistungen im Rahmen einer spannenden Community an“, betont Fessler. Das neue Regionalbüro im Zentrum „Agartha“ am Mühlweg 16 in St. Pölten wird die Anlaufstelle dafür sein.

Büroleiterin Anna Erber: „Das Büro wird ab Jänner 2018 an jedem 1. und 3. Mittwoch im Monat von 17.30 bis 20 Uhr geöffnet sein.“ Zu den derzeit vier blau-gelben Regionalgruppen in Krems, Zwettl, Tulln und St. Pölten soll im Frühjahr eine weitere im Raum Baden/Mödling entstehen. Dort seien überall ehrenamtliche Mitglieder im Einsatz, um der Idee des ethischen Banking zum Durchbruch zu verhelfen.

Die Genossenschaft www.mitgruenden.at sammelt derzeit Startkapital für die Gründung der ersten ethischen Alternativbank Österreichs. Dafür wurde auch eine Crowdfunding-Plattform nach den Standards von Nachhaltigkeit und Gemeinwohl unter der Web-Adresse www.gemeinwohlprojekte.at initiiert. Genossenschaftsvorstand Fessler rechnet damit, dass ab dem kommenden Jahr nach der Lizenzvergabe durch die Finanzmarktaufsicht FMA das erste Gemeinwohl-Konto Österreich für den täglichen Zahlungsverkehr etabliert werden kann. Dafür hat man auch die GLS-Gemeinschaftsbank aus Bochum, Deutschlands größte sozial-ökologische Bank, mit 20% Beteiligung an Bord geholt.

Das Gemeinwohl-Konto soll neben den üblichen Funktionen des Online-Bankings die Möglichkeit bieten, mit einem Gemeinwohl-Beitrag nach eigenem Ermessen Projekte zu unterstützen, die unter Begriffe wie soziale und ökologische Unternehmen, biologische Landwirtschaft, nachhaltiges Bauen, erneuerbare Energien und grüne Mobilität fallen. Aber auch Bildungs-, Kultur-, Gesundheits- und Sozialprojekte sollen im Katalog enthalten sein.

Das Online-Konto, auf Wunsch auch mit Bankomat- und Kreditkarte, bietet allerdings keine Verzinsung der Guthaben an. Es wird voraussichtlich 9 Euro monatlich kosten. „Unsere Kundinnen und Kunden können sicher sein, dass mit dem anvertrauten Geld nicht spekuliert wird und dass ausschließlich nachhaltige Ziele verfolgt werden“, heißt es aus der Genossenschaft, zu deren Mitgliedern der ersten Stunde unter anderen Sonnentor-Gründer Johannes Gutmann gehört. Aber auch der St. Pöltner Steuerberater Werner Frühwirt ist überzeugt: „Diese Form der Finanzwirtschaft wird wachsen, Transparenz ist zunehmend gefragt. Die Genossenschafter sind beispielsweise in die Kreditvergabe eingebunden.“

Derzeit gibt es bereits rund 5.800 Genossenschafter, die bisher über vier Millionen Euro an Startkapital eingebracht haben. Aus Niederösterreich sind rund 900 Genossenschafter registriert, mit einem Anteil von 515.000 Euro.

Während die Gründung der Bank noch aussteht, ist die Crowdfunding-Plattform seit August 2017 aktiv. Auf www.gemeinwohlprojekte.at werden Projekte vorgestellt, die nach einer entsprechenden Prüfung das „Gemeinwohl-Siegel“ erhalten haben. Beispielsweise wurde damit bereits eine Bürgerstrom-Anlage in der Steiermark finanziert. (rz)

www.mitgruenden.at

www.gemeinwohlprojekte.at

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