11.05.2018 - Ausgabe Nr. 1485

Viele Wege führen zur Taschendesignerin in Pöchlarn



Die heute 35jährige Sophie Annerl aus Pöchlarn hat schon in der Hauptschule gewusst, dass sie einen Handwerksberuf erlernen möchte. Mit Anfang Zwanzig jedoch studierte sie zunächst in Wien Sinologie, legte die Prüfung zur Leichtmatrosin ab, war ein Jahr auf Großseglern unterwegs, verbrachte ein halbes Jahr in Venedig, lebte einige Monate in einem Kloster in der Toskana und arbeitete auf der Nordseeinsel Föhr in Schleswig-Holstein in einem Kaffeehaus. „Im März 2013 zog es mich wieder in meine Heimat, und ich machte mich als freischaffende Künstlerin selbständig, denn das Gestalten war schon immer meins,“ erklärt sie dem NÖ Wirtschaftspressedienst.

Sophie Annerl sattelte um und absolvierte sechs Monate die Fachschule für Lederdesign in der Ungargasse 69 im 3. Wiener Gemeindebezirk. „Nach dieser Zeit war ich mir sicher, dass ich mich für diesen Beruf entscheide. Ich lernte die Maschinen und Werkzeuge kennen, die man zur Lederverarbeitung braucht. Den Rest habe ich mir selber dadurch beigebracht, dass ich alte Taschen aufgetrennt und wieder zusammengenäht habe.“

Seit fünf Jahren fertigt sie Taschen, Rucksäcke und den festlichen Kopfschmuck Fascinator aus Rindsleder und gewachster Baumwolle in ihrer Werkstatt in Pöchlarn Mankerstraße 26 unter dem Firmennamen „Taschenmanufaktur Elmsfeuer“ an. Das Material für ihre Modelle mit so klingenden Namen, wie Herrin der Lage, Freibeuter, Küstenjäger oder Haifischmäulchen bezieht die Mostviertlerin aus Schottland. „Die Taschen und Rucksäcke sind für mich Gebrauchsgegenstände mit einer klaren Funktion“, sagt sie. Der Fascinator sei ihr kleines Eldorado an Schönheit, „zwar ein nicht notwendiger Luxusgegenstand, aber jeder ein absolutes Einzelstück.“

Inspirationen holt sich Sophie Annerl sowohl in Filmen, als auch beim Vorbeigehen an Frauen mit ihren Taschen. „Ich beobachte da ganz genau, und habe dann immer ein sehr klares Bild vor mir, wenn ich eine Tasche entwerfe. Der Hauptteil meiner Arbeit besteht daraus, dass ich in meiner Werkstatt auf dem Sofa sitze und sehr konzentriert in die Luft starre. In dieser Zeitspanne baue ich im Kopf das Muster der Tasche, die mir vorschwebt. Wenn ich schließlich zum Zuschneidetisch gehe, gibt es kein Überlegen mehr.“

Großen Wert legt Annerl auf eine solide und sorgfältige Handarbeit, hochwertige Materialien und eine stimmige Verbindung von Funktionalität und Schönheit. Nach dem Bauen des Musters im Kopf zeichnet sie die erforderlichen Teile - davon können es immerhin je nach Tasche bis zu 40 sein - auf Backpapier oder Karton und näht einen Prototyp. Im Schnitt benötigt die Taschendesignerin zwischen vier bis acht Stunden, bis ein Modell fertig ist.

Zu den Kunden von Sophie Annerl zählen vor allem Leute, die Schönheit, Funktionalität und solide handwerkliche Fertigung schätzen. „Aber nicht nur Frauen kaufen bei mir, sondern auch Männer, die ihre Damen überraschen wollen“, berichtet sie.

Und wo kann man die Elmsfeuer-Taschen erwerben? „Direkt bei mir in der Werkstatt. Dienstags und donnerstags ist mein Atelier immer von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Oder auch gern per Terminvereinbarung. Man kann sich aber auch online auf meiner Webseite ein Modell aussuchen, worauf ich ein Ledermuster zusende, aus dem man das gewünschte Leder aussuchen kann.“

Für die Zukunft wünscht sich Sophie Annerl, weiterhin allein arbeiten zu können, „damit Entwurf und Fertigung aus einer Hand kommen und Qualität sowie Authentizität gewahrt bleiben. Denn meine persönliche Freiheit und Selbstbestimmung sind mir sehr wichtig.“ (dsh)

www.elmsfeuer.at

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