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18.05.2018 - Ausgabe Nr. 1486

Sehbehinderte Tester für modernste High-Tech-Schuhe gesucht



Die Entwicklung einer elektronischen Gehhilfe für Blinde und sehbehinderte Menschen, die gegen Jahresende in Serienproduktion gehen soll, befindet sich derzeit in der Testphase. „Die erste Serie von 20 Paar Schuhen wird jetzt fertig und wartet auf sehbehinderte Testpersonen. Wer Interesse hat, kann sich unverbindlich bei uns unter www.tec-innovation.com/beta anmelden“, teilt Markus Raffer, der selbst blind ist, dem NÖ Wirtschaftspressedienst mit. Er ist Kärntner aus dem Lavanttal und Geschäftsführer der Tec-Innovation GmbH, die er gemeinsam mit Ko-Geschäftsführer Kevin Pajesta gegründet hat und mit ihm jetzt am Standort Hautzendorf im Weinviertler Kreuttal im Bezirk Mistelbach auch gemeinsam führt.

Begleitet wird der Schuh-Test mit professioneller Einschulung und laufendem Support. Dabei haben die Testpersonen die Möglichkeit, mit ihrem Feedback Einfluss auf den Feinschliff des Produkts zu nehmen und beim Marktstart, voraussichtlich Ende des Jahres, den finalen Schuh günstig zu erwerben. Erste Teilnehmer, darunter auch ein siebenjähriges Mädchen, haben sich bereits gemeldet.

Der mit Sensoren und integrierter Elektronik ausgestattete neue Schuh, von seinen Erfindern „Innomake“ genannt, soll als sinnvolle Ergänzung zum Blindenstock und Blindenhund für mehr Sicherheit und leichtere Fortbewegung bei Sehbehinderung sorgen. Die Erkennungsweite von Hindernissen reicht derzeit bis cirka vier Meter. „Diese Distanz kann in Halbmeter-Schritten ganz einfach reduziert werden, um sich der jeweiligen Situation rasch anzupassen“, erklärt Kevin Pajesta. Die Rückmeldung, ob ein Hindernis da ist, erfolgt mittels Vibration und akustischen Warnsignalen.

Für die Fertigung der Schuhe konnten die beiden Erfinder Heinrich Staudinger von der Waldviertler Schuhfabrik gewinnen. Die elektronischen Bauteile werden in einem niederösterreichischen Fachbetrieb zusammengebaut und vom Team der Tec-Innovation in der Waldviertler Schuhfabrik eingebaut.

Derzeit wird das junge Unternehmen, mit seinen zwei Geschäftsführern und sechs Mitarbeitern, noch von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) unterstützt, was aber mit der Serienfertigung wegfällt. „An der Serien-Finanzierung wird noch gearbeitet. Die Hinzuziehung externer Investoren ist keineswegs ausgeschlossen“, so Markus Raffer. Aus dem arabischen Raum ist bereits im Vorjahr das erste Interesse daran angemeldet worden, die vielversprechende Technologie zu transferieren und den Vertrieb zu übernehmen.

Ein wichtiges Aufgabenfeld der beiden Unternehmer besteht darin, an Krankenkassen und öffentliche Institutionen wegen einer Kostenübernahme der hochwertigen teuren Schuhe heranzutreten. In Deutschland werden, nach Aussage der Firmenchefs, derartige Anträge bereits geschrieben. In Österreich dauert es, auf Grund der Zuständigkeiten verschiedener öffentlicher Stellen etwas länger. „Unser Ziel ist es jedenfalls zu erreichen, dass bald möglichst viele Menschen mit Handicap weltweit von unseren Technologien in ihrem Alltag profitieren können“, merken Markus Raffer und Kevin Pajestka an. (km)

www.tec-innovation.com

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