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15.06.2018 - Ausgabe Nr. 1490

Borkenkäfer bedrohen die Wälder auch in Niederösterreich



Weil der Klimawandel und Schädlinge wie der Borkenkäfer derzeit dem Wald besonders arg zusetzen, hat das Land Niederösterreich in Allianz mit der Landwirtschaftskammer ein Waldschutzprogramm in Angriff genommen. „Derzeit ist das Waldviertel am stärksten vom Borkenkäfer betroffen“, stellte Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner fest. „Wir haben Sorge, dass sich das auf das Alpenvorland, den Wienerwald und auch das südliche Niederösterreich ausbreitet. Daher ist rasches Handeln erforderlich.“ Das Schutzprogramm ist mit einer Million Euro für technische Schutzmaßnahmen dotiert.

Betroffen sind in erster Linie Fichten, die durch die Trockenheit im April besonders geschwächt worden sind. „Dadurch kann sich der Baum nicht mehr wehren. Wir befürchten, dass heuer drei Generationen von Borkenkäfern auf uns zukommen“, erklärte Hermann Schultes, Präsident der NÖ Landwirtschaftskammer. Er und Umweltlandesrat Stephan Pernkopf haben schon vor einiger Zeit ein erstes Maßnahmenpaket geschnürt. Damit wurden die Lkw-Kapazitäten für Holztransporte aus dem Wald durch die Erhöhung der zulässigen Tonnage von 45 auf 50 Tonnen erweitert. Auch die Aufforstung mit Mischwald ist ein Bestandteil des Programms.

Der rasche Abtransport aus dem Wald ist jetzt vordringlich. „Wir sind dabei, auch die entsprechenden Lager-Kapazitäten zu erweitern,“ betonte Mikl-Leitner mit Verweis auf Gespräche mit der EVN und dem Straßendienst des Landes. Sie habe auch schon erste Fühler in Richtung Katastrophenschutz ausgestreckt - „und für den schlimmsten Fall hat auch das Bundesheer bereits seine Unterstützung zugesagt.“

Rund 35.000 der etwa 40.000 bäuerlichen Betriebe in Niederösterreich sind auch Waldbesitzer, die bereits im Vorjahr einen Schaden von 35 Millionen Euro verkraften mussten. Laut Pernkopf machte das Schadholz 2017 1,5 Millionen Festmeter aus, heuer müsse man mit 1,8 bis 2,2 Millionen Festmeter rechnen. Das ist mehr als die Hälfte des Jahreseinschlages. Den Ernst der Lage zeigen die aktuell zu erwartenden Erlöse: Holz bester Qualität erzielt einen Preis von 90 bis 100 Euro pro Festmeter, geschädigtes Holz rund 65 Euro und befallenes Faserholz 30 Euro.

Um die Infektionsherde einzudämmen, fordert Landwirtschaftskammer-Präsident Schultes eine Öffnung des Arbeitsmarktes. Nur damit könne man den Arbeitskräftemangel in der Landwirtschaft ausgleichen. (rz)

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