//
15.06.2018 - Ausgabe Nr. 1490

„Lehre mit Matura“ wird ab September noch attraktiver



Das Ausbildungsmodell „Lehre mit Matura“, das seit 2008 in ganz Niederösterreich angeboten wird, bekommt dank der Initiative einiger St. Pöltner Betriebe und Organisationen zusätzlichen Schub. XXXLutz-Geschäftsführer Martin Lackner und Josef Krückl von EMC in Böheimkirchen gehören zu den treibenden Kräften eines Firmenmodells, das gemeinsam mit dem WIFI nun umgesetzt wird. Während die Lehrlinge bisher nach der Arbeit in ihrer Freizeit die notwendigen Kurse in der Abendschule besuchen mussten, sieht das neue Firmenmodell vor, dass die Lehrlinge dieser Betriebe den Unterricht jeden Freitag von 14 bis 18 Uhr im WIFI bekommen.

„Damit ist unser Angebot „Lehre mit Matura“ noch attraktiver geworden“ stellt sich WIFI-Institutsleiter Andreas Hartl mit Freude fest. Die Entscheidung, eine Lehre zu absolvieren, sei jetzt „keine Einbahnstraße mehr“. Denn die zusätzliche zeitliche Belastung außerhalb der Arbeitszeit fällt bei diesem Modell weg. Getragen wird es neben XXXLutz und EMC auch von NÖGKK, die GW, NXP, kika/Leiner sowie dormakaba in Herzogenburg.

Freilich ist das Engagement der Betriebe nicht ganz selbstlos. „Schließlich wollen wir top Lehrlinge haben und sehen in diesem Modell die Möglichkeit, als Ausbildungsbetrieb noch attraktiver zu werden“, sagt einer der Manager. Und für Martina Amler (NÖGKK) ist insbesondere auch das Angebot im WIFI ein großer Pluspunkt.

Für Betriebe aus dem Raum St. Pölten ist das Firmenmodell durchaus noch „offen“. „Es funktioniert jedenfalls branchen-übergreifend“, betont Andreas Satzinger, Ansprechpartner im WIFI für Betriebe, die in dieses Modell einsteigen wollen. (Tel. 02742/8902240 bzw. Mail: HYPERLINK "mailto:Andreas.Satzinger@noe.wifi.at"Andreas.Satzinger@noe.wifi.at).

Satzinger und WIFI-Kurator Gottfried Wieland heben hervor, dass die Drop-out-Quote bei dieser Art von „Lehre mit Matura“ sehr gering ist. Erfahrungen aus Wien hätten gezeigt, dass acht von zehn Lehrlingen auf Anhieb bestehen, der Rest in der nächsten Runde. Auch Befürchtungen, wonach Betriebe gute Leute an ein Studium verlieren, seien unbegründet. Die jungen Leute zeigen nämlich durchaus hohe Firmentreue, wenn sie entsprechende Aufstiegsmöglichkeiten erkennen.

Das neue Firmenmodell bringt manchen Betrieben zwar einige Herausforderungen, insbesondere dort, wo auch die Einteilung der Lehrlinge auf Baustellen zu berücksichtigen ist, aber alle beteiligten Manager sehen das Modell als „wichtigen Schritt für unsere weitere Entwicklung“.

Die Berufsmatura besteht aus vier Teilprüfungen: Deutsch, Mathematik, einer lebenden Fremdsprache und einem Fachbereich, wie etwa Betriebswirtschaft oder IT. Das WIFI bietet die entsprechenden Vorbereitungskurse an, die berufsbegleitend absolviert werden können und mindestens zwei Semester dauern. Nach Kursende legt man eine Teilbereichsprüfung (Matura) in diesem Gegenstand ab - in Form einer schriftlichen oder/und mündlichen Prüfung. Mit den vier Teilprüfungszeugnissen hat man dann die Vollmatura geschafft. „Für Lehrlinge mit einem aufrechten Lehrvertrag ist die Berufsreifeprüfung de facto kostenlos“, unterstreicht WIFI-Kurator Gottfried Wieland. Der Bund übernimmt die gesamten Kosten.

Der Start für das neue Firmenmodell erfolgt im September 2018 im WIFI. Satzinger rechnet mit etwa 15 Lehrlingen, die diese Möglichkeit nutzen werden. (rz)

www.noe.wifi.at

Artikel teilen:

© 2019 - www.wirtschaftspressedienst.at
Donau Media Wirtschaftsverlag 1984 GmbH | Bahnstraße 6 | 2104 Spillern