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22.06.2018 - Ausgabe Nr. 1491

NÖ Tierfriseurin verspinnt Hundehaare auch aus Frankreich und Amerika



Dass man Hundehaare weiterverarbeiten und daraus ein Geschäft machen kann, hat die 29jährige gelernte Eventdekorateurin, Bühnenbauerin und Tierfriseurin Julia Hollaus schon vor sieben Jahren mit ihrem Tiersalon Pfotenoase in Petzenkirchen (Bezirk Melk) entdeckt. „Bereits bei der Gründung der Firma ist mir klar gewesen, dass die Pfotenoase sich von allen anderen Hundesalons unterscheiden muss“, erklärt sie dem NÖ Wirtschaftspressedienst.

Von allem Anfang war ihr wichtig, ohne Galgen, Gestell und Käfig auszukommen und sowohl Kunden, als auch Tieren bei der Arbeit mit Respekt, Geduld und Einfühlungsvermögen zu begegnen. Die Pfotenoase sollte ein Ort werden, wo sich Mensch und Tier wohl fühlen. „Ich habe mich in den sieben Jahren sehr weiter entwickelt, alle meine Entscheidungen sind für mich eine sehr große Herzensangelegenheit,“ sagt sie. So absolvierte sie die Ausbildung zur Hundeernährungsberaterin und baute einen Getreide- und chemiefreien Futtershop speziell für Hunde auf, die empfindlich sind und an Unverträglichkeiten leiden. Vor vier Jahren hat sie dafür auch den Großhandel übernommen. Dazu kommen mittlerweile spezielle Hundeleckerlis, natürliche Reinigungsprodukte für Tierbesitzer sowie Hundebetten, die auch über den Onlineshop erhältlich sind.

Doch dem nicht genug. Allmählich begann Julia Hollaus, sich Gedanken über die im Salon anfallenden großen Mengen von Tierhaaren zu machen, die beim Bürsten von Hunden, Katzen und Kaninchen anfallen. „Es sind jeden Tagen wahre Berge“, berichtet sie. Der Wunsch, die gute Unterwolle irgendwie weiter zu verarbeiten, wurde immer größer. Der Versuch, die Haare zu verspinnen, klappte aber nicht gleich. „So einfach, wie ich mir das vorgestellt habe, war es nicht. Denn Hunde- oder Katzenhaare lassen sich nicht mal ansatzweise mit Schaf- oder Alpakahaaren vergleichen. Das Verfahren war unglaublich aufwendig und sehr schwer zu erlernen“, gesteht sie. „Als ich es dann geschafft hatte, war mir zunächst nicht klar, dass ich eine Marktlücke gefunden habe. Das war vor fünf Jahren. Sehr überrascht war ich, als sich zeigte, dass viele Hundebesitzer offenbar nur auf die Gelegenheit gewartet haben, die gesammelten Haare ihrer vierbeinigen Lieblinge endlich zu etwas Sinnvollem und Bleibendem verarbeiten lassen zu können.

Und so funktioniert es: Der Hund oder die Katze werden gebürstet. Die angefallenen Haare werden gewaschen und mit Kardierbürsten bearbeitet, bis alle Haare in eine Richtung stehen. Danach geht es ans Spinnen. Es werden immer zwei Fäden gesponnen, die mit einander verzwirnt werden. Dabei beträgt die reine Spinnzeit für zirka 50 Gramm Wolle zwischen zehn und vierzehn Stunden. Aus der Wolle können dann Pullover, Westen, Hauben, Schals und Socken gestrickt werden. Auf Kundenwunsch übernimmt Julia Hollaus auch diese Arbeit für ihre Kunden, die mittlerweile aus der Steiermark, Wien, Linz, Wels, Graz und dem Waldviertel nach Petzenkirchen in die Pfotenoase kommen.

„Erst kürzlich habe ich Aufträge aus Frankreich und Amerika bekommen“, erzählt die sympathische Tierfriseurin. Verwunderlich ist dies nicht, denn Anbieter in diesem Bereich sind rar. „Außerdem kratzt Hundewolle nicht und wärmt bis zu 80 Prozent mehr“, klärt Julia Hollaus auf. „Und stricke ich aus der Wolle Kleidung, habe ich ein Erinnerungsstück an mein geliebtes Haustier, auch wenn es einmal nicht mehr da sein sollte.“ (dsh)

www.pfotenoase.at

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