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29.06.2018 - Ausgabe Nr. 1492

NÖ Gewerbe und Handwerk will Strafen auch im Ausland vollstreckt sehen



57.365 aktive Betriebe in Niederösterreich sind derzeit Mitglied der Sparte Gewerbe und Handwerk der Wirtschaftskammer. Unterteilt sind sie in 28 Fachgruppen mit insgesamt 343 Berufsgruppen. Sie beschäftigen 114.681 Mitarbeiter, davon 7.256 in Ausbildung stehende Lehrlinge. Damit sind die heimischen Gewerbe- und Handwerksbetriebe Niederösterreichs größter Arbeitgeber, vor dem Handel und der Industrie. Wie Spartenobmann Wolfgang Ecker dem NÖ Wirtschaftspressdienst berichtet, ist die Zahl der Beschäftigten im NÖ Gewerbe und Handwerk von 2005 bis 2017 um 14,4 Prozent und die Zahl der Arbeitgeberunternehmen um 12,3 Prozent gestiegen.

Ein Trend lässt sich jedoch erkennen: Von den 57.365 Betrieben sind 40.890 Ein-Personen-Unternehmen (EPU). Die größte Gruppe darin bilden 18.893 aktive EPU in der Personenberatung und Personenbetreuung, insbesondere 24 Stunden-Pflege.

Laut KMU Forschung Austria haben die NÖ Gewerbe- und Handwerksbetriebe im Jahr 2017 ihren Umsatz um 1, 5 Prozent auf 14, 3 Milliarden Euro erhöht. Die Exportquote des NÖ Gewerbes lag im Vorjahr bei sieben Prozent. Im Durchschnitt investierten die Betriebe 3.700 Euro je Beschäftigten.

Trotz dieser positiven Zahlen stehen die NÖ Gewerbe- und Handwerksbetriebe in einem Abwehrkampf gegen das Preisdumping aus dem Ausland. „Österreich verfügt zwar mit dem Lohn- und Sozialdumpingbekämpfungsgesetz über eine klare Richtlinie und die schärfste Gesetzgebung gegen Unterentlohnung in der EU“, erklärt Wolfgang Ecker. Dies treffe aber vor allem inländische Unternehmen, weil Strafen gegenüber ausländischen Unternehmen im Ausland kaum vollstreckbar seien. „Wir benötigen daher eine bessere Vollziehung mit einer leichteren Vollstreckung der Strafen im Ausland, eine verbesserte Kooperation mit den ausländischen Behörden sowie die Bekämpfung von Scheinfirmen bereits im Herkunftsland“, betont der Spartenobmann. In diesem Zusammenhang plädiert er für ein „europaweit geltendes Verwaltungsübereinkommen, welches den Austausch der Sozialversicherungsdaten und eine entsprechende Vollstreckung der Strafen sicherstellt.“

Auch Fachkräftemangel und Lehrlingsmangel sind ein Thema. „Beides geht Hand in Hand,“ so Ecker. „Der Stellenwert der dualen Berufsausbildung in unserem Bildungssystem und in der Gesellschaft ist zwar besser geworden, hat aber noch nicht das Niveau erreicht, das wir uns wünschen: nämlich auf Augenhöhe mit den schulischen Berufsausbildungsformen. Denn gerade im Gewerbe und Handwerk hängen Befähigungsnachweise und duale Berufsausbildung eng zusammen. Der Weg, Wissen vom Meister auf den Lehrling zu übertragen, funktioniert und hat sich jahrhundertelang bewährt. Er ist ein Erfolgsmodell, das funktioniert und international große Beachtung findet. Nicht umsonst spielen unsere Lehrlinge und Facharbeiter bei internationalen Wettbewerben in der Weltliga höchst erfolgreich mit. Qualität fußt eben auf Qualifikation. Diese muss auch in Zukunft gewährleistet sein.“

Von der neuen Bundesregierung wünschen sich die NÖ Gewerbe- und Handwerksbetriebe, dass der eingeschlagene Weg der Deregulierung und Rücknahme von „Golden Plating –Bestimmungen“ konsequent fortgesetzt wird. Das heurige Jahr sieht Wolfgang Ecker für seine Mitgliedsbetriebe durchwegs positiv. „Der Optimismus unserer Betriebe in der Erwartung ihrer Geschäftsentwicklung ist sowohl im ersten als auch im zweiten Quartal 2018 gestiegen. 27 Prozent unserer Betriebe planen den Personalstand um durchschnittlich 47,5 Prozent zu erhöhen und 69 Prozent beabsichtigen, den Personalstand konstant zu halten.“ (dsh)

http://wko.at/noe/gewerbe

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