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16.11.2018 - Ausgabe Nr. 1511

Galerie Maringer in St. Pölten setzt auf Zuzügler und Kulturhauptstadt



Die seit mehr als 40 Jahren in St. Pölten aktive Galerie Maringer erhofft sich eine Geschäftsbelebung sowohl von den „Zuzüglern“ in Niederösterreichs Landeshauptstadt, als auch von den neuen Impulsen um die Bewerbung St. Pöltens als europäische Kulturhauptstadt 2024. „Leicht ist das alles nicht“, erklärt Galerist Karl-Heinz Maringer dem NÖ Wirtschaftspressedienst. Die Verlagerung des Kunst-Bereichs aus dem NÖ Landesmuseum im Regierungsviertel von St. Pölten nach Krems habe sich nachteilig ausgewirkt. „Es könnte eine viel lebendigere Kunstszene hier in St. Pölten geben“, ist er überzeugt.

Die Galerie kämpft nach wie vor um Kunden gegen die Konkurrenz in Wien. Menschen, die sich für Kunst interessieren seien auch entsprechend mobil. Die jüngere Generation in der Stadt habe vielfach andere Interessen. Zudem sei es sehr schwierig, junge Kunst zu vermitteln. „In dieser niedrigeren Preisklasse kann man keine Galerie erhalten“, erklärt Maringer.

Daher verfolgt er schon seit Jahren eine Strategie des „trading up“, der Verbesserung des Leistungsangebotes. Derzeit hängen etwa Werke von Hermann Nitsch, Adolf Frohner oder auch Otto Muehl in Maringers Schauräumen – unter dem Motto „Phänomen Wiener Aktionismus“. „Zum Glück habe ich langjährige Kontakte zu vielen arrivierten Künstlern bzw. deren Familien“, so Maringer. Das ermögliche es ihm, parallel etablierte Künstler und jüngere zu präsentieren. „Man braucht immer auch Gefälliges als Lockmittel“, betont der Galerist, denn es bestehe nach wie vor eine gewisse Schwellenangst vor dem Eintritt in eine Galerie.

Dabei habe er festgestellt, dass Kulturtouristen, die nach St. Pölten kommen, weniger Schwellenangst hätten als die heimische Bevölkerung. Das ist mit ein Grund, weshalb Maringer das Projekt Kulturhauptstadt 2024 für besonders interessant hält. „Wenn wir dadurch zusätzlich rund 50.000 kulturaffine Besucher erwarten dürfen, ist das natürlich ein wichtiger Impuls.“

Zwar stecke der Kunstmarkt international derzeit in einer sehr intensiven Aufbruchsphase, „aber das spielt sich alles auf einem völlig anderen Preisniveau ab und ist mit der Situation bei uns nicht vergleichbar“, so Maringer. Ähnliches gelte für den gesamten Kunstmarkt in Niederösterreich, also mit den Galerieszenen in Krems, Wiener Neustadt oder Mödling. Auch von dort würden potenzielle Kunden mit Top-Ausstellungen nach Wien gelockt. Außerdem sei in Wien das Kunstverständnis insgesamt weiter verbreitet.

Dass St. Pölten durch rege Wohnbau-Aktivitäten derzeit sehr viele „Zuzügler“ anlockt, sieht Galerist Maringer durchaus positiv. Allerdings werde es aus Datenschutz-Gründen immer schwieriger, diese Leute auch zu erreichen und sie anzusprechen. „Wir suchen da noch nach der passenden Marketing-Strategie“, verrät der Kulturmanager.

Kunst als Geldanlage vielleicht? Das hält er für „problematisch, weil erst einmal die Händlerspanne übersprungen werden muss.“ Das funktioniere in der Regel nur bei klassischen Namen - „wir hatten auch schon Ausstellungen mit Werken von Picasso oder Keith Haring. Meistens ist es aber umgekehrt: Wenn die Aktien Geld bringen, ist auch das Geld vorhanden, Kunstobjekte zu erwerben.“

Als aktuellen Trend in der Kunstwelt macht Maringer aus, „dass rein Abstraktes eher etwas zurückgeht – zugunsten von angedeuteten figürlichen Elementen.“ Zu sehen übrigens in der nächsten Ausstellung der Galerie Maringer, die der deutschen Malerin und Architektin Claudia Geil gewidmet ist. In Vorbereitung sind auch eine Ausstellung mit Grafiken von Karl Goldammer und ab Mitte Jänner 2019 – aus Anlass seines 10. Todestages – eine Retrospektive mit Werken von Alfred Hrdlicka. (rz)

http://www.galerie-maringer.at

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