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23.11.2018 - Ausgabe Nr. 1512

Instrumentenbauer bringt Streich- und Zupfinstrumente wieder zum Klingen



Kindergärtner war sein erstes Berufsziel in Wien, Instrumentenbauer ist Lorenz Müller in Niederösterreich geworden. Ob Geige, Bratsche, Kontrabass, Cello, akustische Gitarre oder E-Gitarre, Mandoline oder Zither – er kann sie alle reparieren bzw. restaurieren. Bereits von Kindesbeinen an ist der gebürtige Wiener von Musikinstrumenten fasziniert gewesen. Doch bis zur Eröffnung seiner eigenen Werkstatt in Seitenstetten Waidhofnerstraße 5 im März dieses Jahres war es noch ein langer Weg.

Nach dem Besuch der Hauptschule in Wien-Hietzing entschloss sich Lorenz Müller zur Absolvierung der Bundesbildungsanstalt für Kindergartenpädagogik (BAKIP) in Döbling. „Ob ich je Kindergärtner werden wollte, weiß ich bis heute nicht so recht“, berichtet der Wahlmostviertler dem NÖ Wirtschaftspressedienst. „Aber der Werkunterricht in der BAKIP hat mich erstmals mit dem Instrumentenbau, auch wenn es sich dabei um Klanghölzer, Rasseln und Bambusflöten handelte, konfrontiert.“

Erst nach dem Präsenzdienst erfuhr Müller von der Höheren Technischen Bundeslehranstalt in Hallstatt, wo er ab dem Jahr 2000 die Fachschule für Streich- und Saiteninstrumentenbau besuchte. Nach der Lehrabschlussprüfung folgte eine mehrjährige Tätigkeit bei einem Wiener Gitarrenbauer. Elf Jahre später legte Lorenz Müller schließlich seine Meisterprüfung ab und meldete im März 2018 sein Gewerbe an.

„Meine Lebensgefährtin und ich haben vor fünf Jahren ein Haus mitten im Ortskern von Seitenstetten erworben, in dem bis Anfang der 1980er Jahre ein Kaufhaus untergebracht war. In diesem hellen 80 m2 großen Raum, der vier Auslagenfenster hat, erkannte ich sofort das Potenzial einer tollen Werkstatt, ich würde eigentlich Atelier sagen.“ Der Weg zur Selbständigkeit war somit vorgegeben. „Als Instrumentenbauer ist es schwer, eine Anstellung zu finden. Zumal ich mit dem Wohnsitz in Seitenstetten relativ ortsgebunden bin und nicht mehr nach Wien pendeln wollte, war dieser Schritt logisch.“

Seit seiner Zeit in Hallstatt hat Lorenz Müller unter anderem Konzertgitarren in spanischer Bauweise, Stahlsaitengitarren und Geigen, Gamben sowie eine Renaissancelaute gebaut. Als Meisterstück entschied er sich für einen Nachbau einer Kontragitarre von Johann Anton Stauffer. „Das Originalinstrument befindet sich in der Sammlung Alter Musikinstrumente des Kunsthistorischen Museums und wurde während eines mehrwöchigen Praktikums von mir restauriert und vermessen. Außerdem habe ich einen Plan angefertigt“, verrät der zweifache Familienvater, der seit seiner Selbständigkeit den Neubau von Instrumenten zugunsten von Reparaturen und Restaurierungen in den Hintergrund treten lässt.

„Auf Anfrage baue ich aber gern Geigen und Gitarren“, sagt er. Die Preise beginnen etwa für ein Schülerinstrument bei rund 600 Euro und sind nach oben offen. Geigen, die ausschließlich in der Werkstatt von Lorenz Müller gefertigt werden, beginnen bei zirka 7.000 Euro. Ähnlich verhält es sich bei Gitarren.

Zu Lorenz Müllers Kunden zählen Musiker, Schüler von Musikschulen und Liebhaber, denen ihr Instrument besonders am Herzen liegt. „Das Verhältnis zwischen Musiker und Instrumentenbauer ist ähnlich dem zwischen Arzt und Patienten“, meint Müller. „Der Instrumentenbauer kann es sich nicht leisten, ein Instrument verpfuscht zu haben. Es ist ein intensives Vertrauensverhältnis, welches durch den kleinsten Fehler, eine Fehleinschätzung oder eine Selbstüberschätzung gestört werden kann.“

Und wie sehen die Pläne des Musikinstrumentenbauers aus? „Musikinstrumente zu bauen und zu restaurieren, ist meine Leidenschaft. Mein Wunsch für die Zukunft ist lediglich der, mit meiner Arbeit mein Leben und das meiner Familie bestreiten zu können.“ (dsh)

http://www.lorenz-instrumentenbau.com

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