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10.02.2019 - Ausgabe Nr. 1523

Wahl-Mostviertlerin fertigt nach Slow Fashion-Prinzip nachhaltige Mode



Ob Damenmode, Agender-Mode, Accessoires oder auch Kindermode - Gertraud Gerst legt Wert darauf, Kleidung nachhaltig zu produzieren. Sie arbeitet nach den Grundprinzipien von Slow Fashion - solides Handwerk, nachhaltige Material-Beschaffung und regionale Wertschöpfungsketten. Für ihr Slow Fashion-Konzept, das auf bewussteren Konsum setzt, ist Gerst im Vorjahr von der NÖ Wirtschaftskammer mit dem großen Preis des Handwerks „kreativ in die Zukunft“ ausgezeichnet worden.

Dabei ist es erst zwei Jahre her, dass die gebürtige Tirolerin, die seit sieben Jahren mit ihrer Familie in Steinriegl in der Marktgemeinde St. Andrä-Wördern lebt, die Befähigungsprüfung zur Damenkleidermacherin abgelegt hat. Die 47jährige studierte Übersetzungswissenschafterin arbeitete viele Jahre als Journalistin in verschiedenen Verlagshäusern in London und Wien. „Da ich mir schon immer meine eigene Mode genäht habe - zuerst im DIY-Stil, dann mit richtigen Schnittkonstruktionen - habe ich nach der Auflösung des Redaktionsteams vor drei Jahren beschlossen, mich mit meinem eigenen Modelabel und einer Schneiderwerkstatt selbständig zu machen“, berichtet Gertraud Gerst dem NÖ Wirtschaftspressedienst.

In ihrer Schneiderwerkstatt entsteht artisanale Mode, die klares Design mit traditionellen Referenzen versetzt und sich gern am Grat zwischen feminin und maskulin bewegt. „Artisanal heißt, die Mode wird nach traditionellen handwerklichen Arbeitsvorgängen gefertigt,“ erklärt Gertraud Gerst. „Einige Arbeitsschritte werden von Hand gemacht, wie etwa Knöpfe annähen, Fäden vernähen oder säumen.“ In ihrer aktuellen Edition ist unter anderem eine Agender-Latzhose aus Leinendenim von Fölser Naturfaser, dessen Flachs rund 200 Kilometer entfernt von Gersts Schneiderwerkstatt angebaut wird. Gesponnen wird er im benachbarten Tschechien, gewoben im Mühlviertel. „Die Produzenten, ein pensioniertes Ehepaar, kenne ich persönlich. Bei einer regionalen Produktionskette wie dieser können Fairness und Nachhaltigkeit tatsächlich garantiert werden,“ sagt Gerst überzeugt. „Außerdem unterstützt man damit regionale Kreislaufwirtschaft sowie kleine Strukturen, die für Diversität in der Wirtschaft sorgen.“

Von den Modellen ihrer Edition fertigt die Wahlmostviertlerin nur sehr kleine Konfektionsserien, von manchen gibt es gar nur Einzelstücke. „Zudem mache ich Maßanfertigungen und setze Spezialwünsche meiner Kunden um, die die Einzigartigkeit, die Passform und auch die Möglichkeit schätzen, die Herstellung des Kleidungsstückes mitzubestimmen.“ Verwendet werden reine Naturmaterialien, hauptsächlich Leinen, Wolle und Seide, bevorzugt aus regionaler Produktion und regionalen Webereien.

„Obwohl meine Kleidungsstücke um einiges teurer sind, zählt meine Kundschaft größtenteils nicht zu den Besserbetuchten, sondern es sind einfach Menschen, die lieber zweimal im Jahr etwas Hochwertiges kaufen, statt jeden Monat ein neues Stück von der Stange. Ein Umdenken in Richtung eines bewussteren Konsumverhaltens bei Kleidung findet jedenfalls schon statt.“ Und damit handwerkliches Wissen erhalten bleibt und es „künftig wieder mehr Job-Diversität in dieser Branche gibt“, wünscht sich Gerst „mehr Unterstützung für regional produzierende Textilunternehmen“ und dass „auf internationaler Ebene endlich am Steuervorteil für multinationale Konzerne geschraubt wird.“

Und welche Ziele hat die Damenkleidermacherin für die Zukunft? „Ich würde mir einen kleinen Betrieb mit zwei bis drei Mitarbeitern wünschen und die Möglichkeit, in Zukunft auch Lehrlinge auszubilden und das vereinte Wissen von traditionellem Handwerk und zeitgemäßem Design weiterzugeben.“ (dsh)

http://www.gerst.at

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