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15.03.2019 - Ausgabe Nr. 1528

Brexit: Mit Zollkontrollen droht im Hafen Dover der Verkehrsstillstand



Egal, zu welchem Zeitpunkt Großbritannien aus der Europäischen Union austritt: Vor den drohenden Folgen des Brexit ohne die ausreichend geklärte Frage um künftige Grenz- und Zollkontrollen warnt Thomas Salzer, Präsident der Industriellenvereinigung Niederösterreich. Betriebe, die Waren per Lkw zu Abnehmern auf der Insel liefern, müssten auf zeitraubende Verzögerungen in den französischen und englischen Seehäfen gefasst sein. Vor allem Unternehmen mit straffen Logistikketten könnten Probleme bekommen.

Noch schwerer wiege allerdings die bevorstehende Wiedererrichtung von Zollschranken. „Sowohl den exportierenden Firmen, als auch den Behörden fehlen Spezialisten, die die Formalitäten erledigen“, stellt Salzer in einem Interview mit der Österreichischen Verkehrszeitung (ÖVZ) fest. Auch gebe es keine Infrastruktur für die notwendigen Zollanmeldungen und Zollabfertigungen.

Können sich EU und Großbritannien auf keinen Brexit-Modus einigen und finden nach dem Austrittsdatum tatsächlich Grenzkontrollen statt, erwartet der Hafen Dover – er ist das wichtigste Einfuhrtor für Produkte in das Vereinigte Königreich – den Megastau. Denn in Dover kommen jeden Tag zwischen 6.000 und 7.000 Lkw an, die Waren im Wert von 1,3 Milliarden Euro aus den Staaten der EU nach Großbritannien transportieren.

Zurzeit braucht jeder Laster nur drei Minuten, um das Hafengelände zu verlassen und auf die englische Autobahn aufzufahren. Doch bei der gewaltigen Menge an Fahrzeugen wirkt jede Verzögerung, wie sie z.B. durch das Vorlegen von Frachtpapieren ausgelöst würde, wie ein Stoppel im Flaschenhals. So hatte im Sommer 2015 ein Streik der Hafenarbeiter einen 27 Kilometer langen Lkw-Stau zwischen London und Dover ausgelöst.

Für Niederösterreichs Wirtschaft ist Großbritannien der zwölfwichtigste Exportmarkt. Im ersten Halbjahr 2018 haben niederösterreichische Unternehmen Waren im Wert von 254 Millionen Euro in das Vereinigte Königreich geliefert. Das war um ein Prozent weniger als im Vergleichszeitraum 2017. (mm)

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