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29.03.2019 - Ausgabe Nr. 1530

Weinviertler Glasätzer kämpft um das Überleben seines Handwerks



„Immer mehr alte Ätz-Fenstergläser werden durch normale Glasscheiben ersetzt. Wenn das so weitergeht, gibt es bald keine Ätzkünstler mehr“, stellt Werner Goll, der in Österreich als noch einziger die Kunst des Glas- und Spiegelätzens beherrscht, im Gespräch mit dem NÖ Wirtschaftspressedienst bedauernd fest. Wie der Kunst-Handwerker aus Großnondorf betont, sei auch in traditionellen Häusern, wie Museen, kein Geld für die Erneuerung alter Ätz-Fenster oder Spiegel vorhanden.

Dessen ungeachtet kann sich Werner Goll süber zu wenig Arbeit nicht beklagen. Erst kürzlich erhielt er von einer italienischen Familie den Auftrag, die gesamte Glasgestaltung ihres Wiener Palais zu übernehmen. „Es handelt sich dabei um einen großen Auftrag über rund 20.000 Euro. Für mich gibt es immer wieder Arbeit. Aber leider gibt es keinen Nachwuchs, der diesen schwierigen Beruf erlernen will“, erklärt Ätzmeister Goll.

Dabei hat der Weinviertler Künstler seine Berufslaufbahn 1975 nicht als Ätzer-Lehrling sondern als Buchdrucker gestartet. Erst 1983 lernte erl bei einem Ätzmeister verschiedene Kunstarten, von Radierung, Öl- und Lackmalerei bis zur Skulptur- und Glaskunst. Seit 1991 ist Goll freischaffender Ätzmeister, der einfaches Glas in künstlerische Objekte verwandelt. Die Aufträge bekommt er vor allem über das Internet von Privatkunden, aber auch von Firmen, wie Glasereien, Tischlern und Architekten.

Derzeit arbeitet Werner Goll an Objekten für eine große Ausstellung im Herbst. Dabei will er seine Werke noch künstlerischer gestalten: „Ich werde das Glas nicht mehr in Rahmen präsentieren, sondern in Ketten, Eisenreifen oder alten Wagenrädern. Zudem wird das Glas in verschiedenen Ebenen geschmolzen und erst dann geätzt.“

Trotz aller Probleme sieht Ätzmeister Goll positiv in die Zukunft. Einer seiner drei Söhne interessiert sich nämlich für die Ätzkunst und hat, nach Aussage seines Vater, auch das Talent dazu. „Er könnte mein Nachfolger werden. Ich hoffe nur, dass er genügend Aufträge bekommt, um von seinem Beruf auch leben zu können“, wünscht sich Papa Goll. (km)

http://www.goll-glasdesign.at

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