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29.03.2019 - Ausgabe Nr. 1530

Regen kostet die Schausteller die Hälfte ihres Umsatzes



Wenn die Sonne scheint, fahren sie aus, die Schausteller. Auch bei Regen würden sie dies tun, aber da kommt niemand. „Wir sind total wetterabhängig. Wenn andere Branchen darüber reden, dass sie wetterbedingt mit einem Minus von zehn Prozent rechnen, dann können wir dazu leider nur lächeln. Bei uns können das auch 50 Prozent sein“, so Michael Peter Wiesbauer, Branchensprecher der Schausteller in der NÖ Wirtschaftskammer.

Ursache dafür ist aber oft nicht das Wetter selbst, sondern die App am Smartphone. Wenn Regen angesagt wird, bleiben die Leute zu Hause und planen keinen Ausflug ein. Der Schausteller erinnert sich an ein Pfingstwochenende vor ein paar Jahren, als der Pfingstsonntag regnerisch angekündigt worden ist. Dieser war letztlich zwar trocken, doch kaum jemand war da, der Pfingstmontag hingegen wurde gestürmt. „Ein gesamter verlorener Tag ist aber nicht mehr aufzuholen“, erklärt der Branchensprecher dem NÖ Wirtschaftspressedienst.

Grundsätzlich sind Schausteller gefragt – insbesondere auf Volksfesten und auf traditionellen Veranstaltungen. Die meisten Schausteller haben ihre Routen, ihre bestimmten Plätze, ihre Veranstaltungen. „Egal, ob es sich um den seit Jahrhunderten bestehenden Jakobi-Kirtag in Böheimkirchen handelt oder um das heuer gerade einmal 52 Jahre bestehende Rot-Kreuz-Fest in Berndorf – bei solchen alt bekannten Veranstaltungen sind wir gefragt“, so Wiesbauer, der noch ein Detail hinzufügt: „Diese Veranstaltungen sind grundsätzlich kostenlos und daher sind die Leute bereit, den bei uns geforderten Eintritt zu bezahlen. Anders ist dies bei Messen, etwa in Wieselburg, wo für die Messe selbst bereits Eintritt bezahlt werden muss. Da fehlt den Besuchern oft das Verständnis nochmals extra für die Vergnügungsangebote zu bezahlen.“

Dennoch ist nicht alles eitel Wonne in diesem Geschäft. Wiesbauer ist der Ansicht, dass kaum eine andere Branche von dermaßen vielen Bestimmungen betroffen ist wie die der Schausteller. Es sei schon kompliziert genug, dass es in Österreich neun verschiedene Veranstaltungsbewilligungen gibt, obwohl man eigentlich mit einer Berechtigung EU-weit tätig sein dürfe. Dazu kommen aber noch scheinbar branchenfremde Bestimmungen. „Beispielsweise müssen laut den Bestimmungen der IG Luft Fahrzeuge, wie wir sie haben, alle fünf bis sechs Jahre getauscht werden“, sagt Wiesbauer. „Das ist finanziell nicht möglich: Unsere Fahrzeuge müssen 25 bis 30 Jahre halten. In Niederösterreich ist es uns über die Wirtschaftskammer gelungen, eine Ausnahmeregelung für die Schausteller zu erreichen. Dies gilt jedoch nicht für alle Bundesländer.“

Was dem Obmann auch Sorgen macht, sind die immer weniger werdenden Veranstaltungen gibt. „Immer öfter werden Feste abgesagt, weil die Freiwilligen fehlen, die diese Feste organisieren“, stellt er fest. „Das wird uns mittelfristig massiv treffen. Ebenso wie die Tatsache, dass Veranstaltungsplätze zunehmend umgewidmet werden – auch das ist eine Herausforderung für die Zukunft“, resümiert Wiesbauer, der allerdings hinzufügt, dass es der Branche insgesamt noch gut geht. „Vor allem, weil Schausteller zumeist als Familienbetrieb organisiert sind.“ (jm)

https://wko.at/noe/kino_kultur_vergnuegen

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