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5.04.2019 - Ausgabe Nr. 1531

In der heimischen Musikwirtschaft stürmt das Streaming an die Spitze



Musik-Streaming ist im letzten Jahr erstmals zum größten Umsatzsegment geworden, teilt Christian Wagner, Mitglied der Fachvertretung Film- und Musikwirtschaft in der NÖ Wirtschaftskammer (WKNÖ), dem NÖ Wirtschaftspressedienst mit. „Mit einem neuerlichen kräftigen Umsatzplus von 58,3 Prozent auf 51,6 Millionen Euro ist Streaming zum größten Umsatzgeber am heimischen Musikmarkt aufgestiegen und sorgt nun schon für 46 Prozent des Gesamtumsatzes“, stellt er fest.

Für die heimischen Labels und Verlage sei das aus mehreren Gründen eine Herausforderung. Zum einen seien es völlig neue Marketing- und Vertriebswege erforderlich, um potentielle Konsumenten des eigenen Repertoires zu erreichen. Klassische Werbung und der Vertrieb im Plattengeschäft seien längst nicht mehr zeitgemäß. Und zum anderen habe insbesondere für kleine Labels die Abwicklung der Streamings mit den einzelnen Musikgruppen einen riesigen Aufwand zur Folge. Eine Monatsrechnung hat nun hundert- oder tausendmal mehr Zeilen als vorher. „Da kommen in kurzer Zeit Datenmengen zusammen, die bestehende Abrechnungssysteme in die Knie zwingen können“, betont Wagner. Das Workshop-Angebot der WKNÖ werde sich daher, meint Christian Wagner, künftig verstärkt dem Thema Streaming widmen.

Als nächste große Herausforderung der heimischen Musikwirtschaft nennt Christian Wagner die Durchsetzung des Europäischen Urheberrechts: „Durch Facebook, Instagram und Youtube wird die Gratiskultur nicht nur verstärkt, sondern es werden zunehmend Inhalte ohne Zustimmung der Urheber veröffentlicht, bearbeitet oder gar kommerziell genutzt. Das führt im Extremfall dazu, dass man Geld mit fremden Werken verdient, ohne dass die tatsächlichen Urheber davon Kenntnis haben und etwas dagegen unternehmen können.“ Jedenfalls würden die Zugriffe auf die entsprechende Plattform steigen. Die Copyright Directive soll hier Abhilfe schaffen und das Urheberrecht in Europa moderner und für die Onlinewelt fit machen sowie faire Entgelte für Kreative sicherstellen, wenn ihre Werke im Netz verfügbar gemacht und genutzt werden.

Zuletzt war eine massive Lobbying-Schlacht zu beobachten und speziell die Internetriesen Google/YouTube/Facebook & Co. fuhren eine beispiellose Kampagne, um diese für ihre satten Gewinne so gefährliche EU-Richtlinie zu verhindern. Diese Kampagnen haben leider gefruchtet. Viele Nutzer und Konsumenten der Sozialen Medien verstehen nicht, warum es demnächst einen Uploadfilter gibt oder man das private Video nicht mehr mit dem Lieblingssong untermalt hochladen darf. Es wird gar schon von Zensur und dem Ende der Meinungsfreiheit gesprochen. Es müsste daher rasch eine Gegenkampagne geben, die den Sinn und die Notwendigkeit eines starken Urheberrechts vermittelt.“

153,3 Millionen Euro sind am österreichischen Musikmarkt im Jahr 2018 erwirtschaftet worden. Das waren um 5,5 Prozent mehr als im Jahr 2017. Erstmals liegen in Österreich die Umsätze der Online-Musikangebote vor den physischen Tonträgern. Die Musikwirtschaft in Niederösterreich besteht zurzeit aus 207 Betrieben, wovon etwa 80 Prozent Ein-Personen-Unternehmen sind. (dsh)

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