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12.04.2019 - Ausgabe Nr. 1532

Heimische Figaros suchen mit Nachdruck gut ausgebildete Fachkräfte



Viele niederösterreichische Friseure klagen über mangelnde Fachkräfte. „Obwohl es uns gelungen ist, die Lehrlingszahl von 486 im Vorjahr auf 532 zu steigern, fehlen uns gut ausgebildete Friseure“, teilte die Landesinnungsmeisterin in der NÖ Wirtschaftskammer Silvia Maria Rupp dem NÖ Wirtschaftspressedienst mit. Vor allem im ländlichen Raum sowie in den Speckgürteln der großen Städte sei der Mangel an geeigneten Bewerbern zu spüren. Gründe dafür gebe es viele. „Viele Betriebe, die jahrelang gute Ausbildung geleistet haben, sind nicht mehr bereit, diese wirklich fordernde Aufgabe fortzusetzen“, erklärt die Innungsmeisterin. Der Trend zum Besuch einer Höheren Schule drücke die Zahl der für das Friseurgewerbe geeigneten Jugendlichen ebenso wie die geburtenschwachen Jahrgänge, noch dazu mit dem Image einer niedrigen Entlohnung, obwohl in den letzten Jahren die Lehrlingsentlohnung stark angehoben worden sei. So habe es 2016 eine Erhöhung um 16,4 Prozent und heuer eine weitere um durchschnittlich 7,3 Prozent gegeben.

Derzeit beschäftigen in Niederösterreich 1.642 Friseurbetriebe 3.372 Mitarbeiter. Fakt sei, so Silvia Maria Rupp, dass auch Altersteilzeit und Pflegekarenz für die Branche immer mehr zum Thema werden. „Das sind natürlich Herausforderungen, mit denen wir uns bisher kaum beschäftigen mussten“, sagt sie. Kritik übt sie auch an den Reglementierungen ihres Gewerbes, weil es neue Unternehmer gäbe, die diese Bestimmungen umgehen, Gewerbeberechtigungen erhalten und mit Teilgewerben den Geschäftsalltag anderer Kollegen mit ihrer Preispolitik erschweren. „Da wünschen wir uns von den politisch Verantwortlichen sowie der Sozialversicherung mehr Unterstützung und Kontrolle“, so die Innungsmeisterin.

In den letzten Jahren seien auch immer mehr Klein- und Mittelbetriebe, die zwei bis sechs Mitarbeiter beschäftigt haben, verschwunden. „Ihren Platz nehmen Filialbetriebe großer Ketten sowie Ein-Personen-Unternehmen ein“, so Rupp. Viele gute Mitarbeiter haben sich auf Grund ihrer Familiensituation oder aus Gründen der Unabhängigkeit als EPU selbständig gemacht. Ihr Anteil macht mittlerweile 50 Prozent aus.

All diese Umwälzungen haben der Branche im vergangenen Jahr einen Umsatzverlust von 1,5 Prozent beschert. Für heuer wird ein gleichbleibendes Ergebnis erwartet. „Klar ist, dass wir uns all diesen Aufgaben zu stellen haben. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir diese auch bewältigen werden“, betont Silvia Maria Rupp. „Unser Beruf ist einer der schönsten und kreativsten, die es gibt. Uns durch Maschinen ersetzen, wird kaum möglich sein. Und weil sich Qualität immer bezahlt macht, schaue ich zuversichtlich in die Zukunft.“ (dsh)

http://wko.at/noe/friseure

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