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9.08.2019 - Ausgabe Nr. 1549

Der Golfsport verlangt den Umstieg auf ein neues Fördersystem



Der Golfsport stagniert seit einigen Jahren. „Der Wettbewerb durch kurzzeitige Trendsportarten ist groß, und das gilt weltweit“, teilt Leopold Lechner, Branchensprecher der Fachgruppe der Golf- und Sportbetriebe in der NÖ Wirtschaftskammer, dem NÖ Wirtschaftspressedienst mit. Die Branche sei jedenfalls bemüht, alles zu unternehmen, um die Abgänge zu stoppen und Neuzugänge bestens zu bewerben. In Niederösterreich gibt es derzeit rund 30.000 Golfer. Bereits ab 220,- Euro Jahresgebühr kann gespielt werden. Die durchschnittliche Jahresgebühr beläuft sich auf 800,- bis 1.200,- Euro.

Als wesentlicher Grund des Stagnierens wird das Fördersystem genannt. Die Förderungen der Golfanlagen seien auf die Erhaltung der Qualität und den Qualitätsausbau ausgerichtet sowie auf die Bewerbung des Golfsports. Gerade in den entlegenen ländlichen Gebieten kommt aber noch eines hinzu, gibt Leopold Lechner zu bedenken: „Golfbetriebe sorgen für Arbeitsplätze - nicht nur am Platz selbst, sondern auch in der regionalen Hotellerie und Nahversorgung. Golfer geben pro Jahr bis zu 3.500 Euro aus“.

„Dass ein Golfplatz dem regionalen Umfeld wirtschaftlich guttut, kann ich für meinen eigenen Betrieb in Zöbern in der Buckligen Welt nur bestätigen. Daher scheint es mir besonders wichtig zu sein, wo keine oder nur eine sehr schwache Infrastruktur vorhanden ist, Golfbetriebe zu erhalten und zu unterstützen“, sagt Lechner. Konkret spricht er die Politik an, die aus seiner Sicht Ausbauten und Neubauten vor allem dort unterstütze, wo ein Golfplatz bereits vorhanden sei. „Dies sorgt nur für einen Verdrängungswettbewerb. Solche Standorte sollten keinesfalls Förderungen bekommen“, so der Golfexperte, der konkretisiert: „Förderungen gibt es leider insbesondere in stadtnahen Gebieten, wo die Infrastruktur ohnedies gut ausgebaut ist. Das hat wenig mit Dezentralisierung zu tun, sondern geht vom Land in die Stadt sogar in die falsche Richtung.“

Aber nicht nur für die ländliche Entwicklung leistet der Golfsport einen wichtigen Beitrag. Auch gesundheitlich sei er bedeutungsvoll. „Sehr oft entdecken übergewichtige Leute oder solche, die noch nie oder nur sehr wenig Sport betrieben haben, den Gesundheitswert dieser Sportart“, betont Lechner. Dass diese durchaus herausfordernd sei, belegte er mit Kennzahlen: Der Golfball kann bis zu 270km/h Geschwindigkeit und eine geschlagene Länge von mehr als 320 Metern erreichen. Aber selbst bei kurzen Distanzen, etwa am Green, bedarf es höchster Konzentration und Geschicklichkeit, um den Ball ins Loch zu befördern. Bei einer 18-Loch-Runde Golf legt man durchschnittlich 8.000 bis 10.000 Meter zurück. Dabei werden in etwa vier bis fünf Stunden sanfte regelmäßige Bewegung in hügeliger Landschaft zwischen 700 und 2.500 kcal verbrannt. Das Herz, die Muskeln und der Kreislauf werden gestärkt, der Stress reduziert und das Körpergewicht abgebaut. (jm)

http://wko.at/noe/freizeit

http://www.golf1.at

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