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29.11.2019 - Ausgabe Nr. 1565

IV-NÖ-Präsident Salzer: „Wir müssen das Klima-Problem lösen“



„Greta, nur konkreter“. Unter diesem Motto diskutierten Manager aus der Industrie im Rahmen des „Industrie Forums NÖ“ der Industriellenvereinigung Niederösterreich (IV NÖ) den Umgang mit dem Klimawandel. Zündstoff für die Debatten lieferten die Impulsvorträge von drei Experten, die das Thema Klima-Strategien jeweils aus der Sicht der Industrie, aus der Sicht der Forschung sowie aus der Sicht der Politik beleuchteten.

Für Niederösterreichs Industrie-Präsident Thomas Salzer steht fest: „Wir müssen das Problem lösen, in einer Balance zwischen den notwendigen Veränderungen und der Gefährdung des Wohlstands.“ Gleichzeitig müsse man sehen, dass die Europäische Union nur für knapp zehn Prozent des globalen CO2-Ausstoßes verantwortlich ist. Es stellt sich daher die Frage: Was nützt es, wenn Europa 2050 die Klimaziele erreicht hat? Ist dann die Klimakatastrophe abwendbar?

Herbert Lechner, wissenschaftlicher Leiter der Österreichischen Energieagentur, versuchte eine positive Antwort: „Wenn wir in Europa zeigen, dass es funktioniert, ist das auch exportierbar, dann werden auch in anderen Teilen der Welt entsprechende Investitionen stattfinden.“ Lechner ist sich sicher, dass die Veränderungen, mit denen wir es zu tun haben, „sehr massiv“ sein werden - „und es gibt auch noch die Digitalisierung“, die zu bewältigen sei. Von der Politik fordert er daher weltweit „Change Management und Visionen, wo wir hinwollen und wie die Welt in 30 Jahren aussehen soll.“

Diesen Visionen steht gegenüber, dass vieles davon schon vor 30 Jahren als politische Agenda notiert gewesen war, wie die Attraktivierung des Bahnverkehrs, Förderung des E-Autos und sogar eine CO2-Abgabe. Bis jetzt sei es in Österreich nicht einmal gelungen, in rechtlichen Energie-Fragen eine entsprechende Harmonisierung zwischen dem Bund und den Ländern herbeizuführen.

Einen vorbildlichen politischen Weg zeigt etwa Dänemark auf. Dort gibt es eine All-Parteien-Einigung auf eine Klima-Strategie, die auch mit entsprechenden Budget-Zahlen untermauert ist. Schließlich ist allen Experten und Wirtschaftstreibenden klar: Die Abwendung der Klima-Katastrophe wird teuer.

Dass die EU insgesamt auf einem guten Weg sei, strich Dieter Drexel hervor, der in der Industriellenvereinigung für Ressourcen & Energie sowie Umwelt zuständig ist. Österreich habe noch Aufholbedarf, meinte er mit Blick auf die künftige Regierung. Wenn nämlich Innovationen und Technologie als Treiber für die Energie-Wende gedacht werden, seien die 140 Millionen Euro, mit denen der Bund die Energieforschung auch noch in Richtung Wasserstoff fördert, viel zu wenig. Die IV fordert eine Dotierung mit rund 400 Millionen Euro. „Wir müssen auch groß-skalige Innovationen möglich machen“, so Drexel.

In dieselbe Marschrichtung geht auch Bernhard Gahleitner vom Austrian Institute of Technology (AIT). Dieses Institut ist Dreh- und Angelpunkt eines Forschungsprojekts zur Abkehr von fossilen Energieträgern durch „Technologie made in Austria.“ An diesem Projekt sind rund 100 Partner beteiligt, und es habe sich jetzt schon gezeigt: „Technik allein hilft nicht. Es braucht auch entsprechende Infrastruktur und neue Geschäftsmodelle.“

Gahleitner verweist insbesondere auf zwei Projekte aus Niederösterreich: Bei einem geht es um die Nutzung der Abwärme aus der NÖM zur Energieversorgung der benachbarten Martinek-Kaserne in Baden. In einem zweiten Projekt wird an Hochtemperatur-Wärmepumpen gearbeitet sowie eine entsprechende Speichertechnik entwickelt, weil Energie-Angebot und Energie-Bedarf oft auseinanderklaffen und klimaschonend überbrückt werden sollen. (rz)

http://www.iv-niederoesterreich.at

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