//
8.02.2020 - Ausgabe Nr. 1574

Tiroler Gemeinde demonstriert, wie man tote Gebäude zu neuem Leben erweckt



Einen interessanten Weg, wie leer stehende Gewerbeimmobilien wieder sinnvoll genutzt werden können, hat die Tiroler Gemeinde Fließ im Bezirk Landeck gefunden. Das Modell findet mittlerweile auch in anderen Kommunen Beachtung, die ebenfalls innerhalb ihrer Gemeindegrenzen solche Gebäude wieder zum Leben erwecken wollen. Nach Schätzungen der Österreichischen Hagelversicherung stehen in Österreich rund 40.000 Hektar Industriehallen, Wohn- und Geschäftsimmobilien leer, was fast der Fläche des Wiener Stadtgebiets entspricht.

In Fließ hatte eine große Halle keinen Verwendungszweck mehr und war deshalb jahrelang leer gestanden, worauf sich die Tiroler Gemeinde entschloss, selber zur Tat zu schreiten. „Wir haben sie gekauft mit der Idee, sie jungen Leuten zu vermieten, die sich selbständig machen wollten, sich aber wegen des finanziellen Risikos nicht getraut haben“, erklärt der Fließer Bürgermeister Hans-Peter Bock in einem Interview mit dem Gemeindemagazin „public“.

Mit einer Miete von nur drei Euro pro Quadratmeter Hallenfläche im ersten Betriebsjahr habe man die nachvollziehbare Zurückhaltung der Firmenchefs in spe in unternehmerischen Mut verwandelt. „Wer für 300 Quadratmeter Hallenfläche nicht einmal 1.000 Euro pro Jahr zahlen muss, kann sich auf das Wesentliche konzentrieren und muss nicht viel investieren“, rechnete Bock vor.

Das Konzept ist voll aufgegangen. Denn entgegen der anfänglichen Vermutung der Gemeindeführung, dass 30 Prozent der Firmengründer Pleite gehen würden, scheiterte kein einziger. Der Mechaniker, der Spengler, der Elektriker, der Verputzer, der Steinmetz, der Installateur und die Firma Organoid, die sich in der Halle angesiedelt haben, haben so erfolgreich agiert, dass das ehemals leblose Gebäude bald aus den Nähten zu platzen drohte.

Ende 2018 hat deshalb die Gemeinde eine weitere leer gewordene Halle in unmittelbarer Nähe erworben. Und auch diese Immobilie soll jetzt nach dem bewährten Erfolgsmodell wiederbelebt werden. In der ersten Halle sind 50 neue Arbeitsplätze entstanden, in der zweiten rechnet man mit rund 20. (mm)

http://www.fliess.tirol.gv.at

http://www.gemeindemagazin.at

Artikel teilen:

© 2020 - www.wirtschaftspressedienst.at
Donau Media Wirtschaftsverlag 1984 GmbH | Bahnstraße 6 | 2104 Spillern