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8.02.2020 - Ausgabe Nr. 1574

Österreichs Sommer-Tourismus kann vom Klimawandel profitieren



„Die Temperaturen biegen nach oben ab. Seit 20 Jahren liegen die Jahreswerte in Österreich nicht mehr unterhalb des Durchschnitts, sondern immer darüber. Wir können die Erderwärmung nicht stoppen, nur verhindern, dass das Weltklima überhaupt kippt“, sagt der Meteorologe Marcus Wadsak, Chef der ORF-Wetterredaktion. Dieser Tage diskutierte er mit Vertretern der NÖ Industriellenvereinigung und der NÖ Wirtschaftskammer über das Wetter und über den Klimawandel, über Veränderungen in den Prognosen und die Verstärkung der Wetterextreme.

Weil sich das Wetter an physikalische Gesetze hält und die Messmethoden immer bessere Informationen bieten, könne man heute schon 15-Tage-Trends voraussagen. „Die Trefferquote für drei Tage liegt jetzt bei 90 Prozent“, so Wadsak.

Vernünftig sei es, sich rechtzeitig auf den unvermeidlichen Klimawandel vorzubereiten, lautet sein Appell. In Österreich werden sich auch bei entsprechender Reduktion der CO2-Emissionen die Durchschnitts-Temperaturen sicher deutlich mehr als die globalen Werte mit 2 Grad erhöhen. Generell sei die Nord-Halbkugel der Erde stärker von der Erwärmung betroffen, weil sich dort mehr Landmasse befindet als auf der Süd-Halbkugel.

Für Österreichs Wirtschaft werde sich das wohl unterschiedlich auswirken, meint Wadsak. Der Sommer-Tourismus kann profitieren. „Wenn es bei uns heiße und trockene Sommer gibt, werden wohl weniger Menschen in den Süden reisen“, sagt er. In der Landwirtschaft werde man sich rechtzeitig um neue Sorten umsehen müssen, die hitzeresistent sind, ebenso in der Weinwirtschaft, wo schon jetzt interessante neue Rebsorten - insbesondere Rotweine - zum Einsatz kommen.

Für die Industrie sieht Wadsak durchaus Chancen, mit innovativer umweltfreundlicher Technologie gute Geschäfte zu machen. Auch der Winter-Tourismus werde nicht zum Erliegen kommen, wohl aber teurer werden (müssen). „In 30 Jahren wird die Hälfte unserer Gletscher weg sein“, prognostiziert der Meteorologe - „und auch früher Schneefall wird immer öfter ausbleiben.“ Weiße Weihnachten könnten dann für junge Menschen nur noch auf alten Fotos der Großeltern zu sehen sein. (rz)

http://wetter.orf.at/oes

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