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25.09.2020 - Ausgabe Nr. 1606

Rückkehr zum Biedermeier bringt vielen Gärtnern gute Geschäfte



„Im Grunde genommen geht es den meisten unserer Branche gut. Vor allem jenen, die ein breites Sortiment haben, also Gemüsepflanzen, Topfpflanzen und Schnittblumen. Sie alle haben davon profitiert, dass viele Menschen ihr Zuhause aktuell gern verschönern und in Wohnung, Haus und Garten investieren“, erklärt Thomas Kaltenböck, Innungsmeister der NÖ Gärtner und Floristen in der NÖ Wirtschaftskammer, dem NÖ Wirtschaftspressedienst. „Aber es gibt auch etwa ein Drittel der rund 400 niederösterreichischen Gärtner und Floristen, die sich auf Hochzeiten und Dekos bei Events spezialisiert haben. Diese kämpfen derzeit massiv ums Überleben.“

Das heiße für alle in der Branche, kreativ sein und auch neue Lösungen finden. Kaltenböck erläutert das am Beispiel seines eigenen Betriebes in Gmünd im Waldviertel: „In den letzten Jahren hatte ich ungefähr 70 Prozent meines Umsatzes mit Schnittblumen gemacht und 30 Prozent mit Pflanzen und Gartenartikeln. Heuer ist es genau umgekehrt.“ Kaltenböck hat genügend Lagermöglichkeiten, kann umschichten und auch Neues einkaufen. Diese Möglichkeit fehle gerade jenen, die sich auf Events, Hochzeiten und Dekos für Messen spezialisiert haben. „Wir müssen uns künftig auch breiter im Sortiment aufstellen, denn grundsätzlich ist der Garten gefragt“, betont der Landesinnungsmeister.

Manches Blumengeschäft und insbesondere einige Gärtner hatten in den ersten Wochen nach der Wiederöffnung im Mai und Juni ein gewaltiges Umsatzplus. Einige in der Branche sprechen sogar von einer Verdreifachung. Aber in den Wochen davor hat es gar keinen Umsatz gegeben. „Da es für die gesamte Branche noch keine Zahlen gibt und viele Schwankungen erfolgten, kann ich nur meinen Betrieb hernehmen“, so Kaltenböck. „Aktuell haben wir ein leichtes Plus gegenüber dem Vorjahr.“

Besonders für die Adventzeit gibt er sich optimistisch. „Viele Menschen haben noch Geld übrig, das sie für einen Urlaub eingeplant hatten, der heuer wahrscheinlich nicht stattfinden wird“, sagt er. Einiges davon werde daher wieder in die Verschönung des unmittelbaren Zuhauses investiert werden. „Wir sind fast wie im Biedermeier - der Rückzug ist da und schöne Blumen und der Garten gehören dazu.“

„Unternehmer haben jetzt an Wert gewonnen“, so Kaltenböck, der aber dann doch resignierend meint: „Wir haben zu wenig Lehrlinge. Wir brauchen junge kreative Menschen, die eine aktuell zumeist tatsächlich florierende Branche mitgestalten wollen.“ (jm)

http://wko.at/noe/gaertner-floristen

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