//
16.10.2020 - Ausgabe Nr. 1609

Konjunkturbarometer dokumentiert den Kampf unserer Industrieunternehmen



„In den kommenden Wochen gilt es, sehr umsichtig miteinander umzugehen, um möglichst viele Ansteckungen und einen neuerlichen Lockdown zu verhindern“. Diese Schlussfolgerung zieht der Präsident der NÖ Industriellenvereinigung Thomas Salzer aus dem jüngsten Konjunkturbarometer, das sich seit dem zweiten Quartal zwar von -14,6 auf -6,0 deutlich verbessert habe, aber nach wie vor im negativen Bereich liege. Das hat zur Folge, dass unter den niederösterreichischen Industriebetrieben bei der Einschätzung ihrer Geschäftsentwicklung die Skepsis überwiegt.

Die Detailergebnisse der Konjunkturumfrage zeigen, dass die Unternehmen in den nächsten Monaten beim Personalstand werden Anpassungen vornehmen müssen, da die Krise länger als ursprünglich erwartet andauern könnte. Während 58 Prozent der Betriebe von einem gleich bleibenden Beschäftigtenstand ausgehen, rechnen 42 Prozent mit einem geringeren in den nächsten drei Monaten.

Lob spendete Thomas Salzer den Kurzarbeitsbeihilfen, mit denen man einen dramatischen Anstieg der Arbeitslosigkeit verhindert habe. Trotzdem dürfe diese Art von Kurzarbeit keine Dauer-Einrichtung werden. Wichtiger hingegen wäre es, die Investitionsprämie für Investitionen auszudehnen, die Wachstum generieren und neue Arbeitsplätze schaffen.

Was bei einzelnen Zahlen des Konjunkturbarometers auffällt ist, dass die Gegenwart optimistischer gesehen wird als die nächsten drei bis sechs Monate. Demnach hat sich die aktuelle Geschäftslage klar verbessert. 40 Prozent der befragten Unternehmern bewerten diese als gut, 32 Prozent als durchschnittlich, zusammen 72 Punkte, und 28 Prozent als schlecht. Damit stieg der Bewertungssaldo von -3 auf +12 Prozentpunkte.

Die Prognosen für den Winter fallen laut Umfrage eher pessimistisch aus. Die Bewertung der Produktionstätigkeit in drei Monaten ist seit dem zweiten Quartal von -12 auf -31 Prozentpunkte gesunken. 36 Prozent der Unternehmen bewerten ihre Produktionstätigkeit weiterhin als schlecht, sechs Prozent gehen von einer Verbesserung in den nächsten drei Monaten aus. 37 Prozent rechnen mit einer geringeren Produktionskapazität, acht Prozent mit einer Steigerung. Der Bewertungssaldo fiel von -12 auf -20 Prozentpunkte.

Gestiegen ist das Barometer von +2 auf +16 Punkte beim aktuellen Auftragsstand. „Derzeit leben die Unternehmen vor allem von Inlandsaufträgen, während die Exportmärkte nach wie vor schwächer und die Fernmärkte noch immer nur schwer erreichbar sind“, so Salzer. „In den Fernmärkten“, sagt er, „fehlen unseren Betrieben neben Neuaufträgen auch Folge- und Montageaufträge. Dazu kommt eine hohe Planungsunsicherheit, wenn große Projekte, die bereits zugesagt wurden, auf Grund der Covid-Situation doch nicht umgesetzt oder aufgeschoben werden oder Pönale-Zahlungen drohen, da Projekte durch Reisebeschränkungen nicht fristgerecht realisiert werden.“

Gering gebessert hat sich die derzeitige Ertragssituation mit einem Anstieg von -24 Prozentpunkten auf -10 Prozentpunkte. Kritischer ist aber der Ausblick in die nahe Zukunft. 33 Prozent der befragten Betriebe gehen von einer schlechteren Ertragslage aus und nur 24 Prozent von einer steigenden. (mü)

http://www.niederoesterreich.iv.at

Artikel teilen:

© 2020 - www.wirtschaftspressedienst.at
Donau Media Wirtschaftsverlag 1984 GmbH | Bahnstraße 6 | 2104 Spillern