NÖ Wirtschaftspressedienst - Ausgabe Nr. 1430 vom 14.04.2017

14.04.2017
Forstwirtschaft: Drei Lkw-Ladungen Holz sichern einen Arbeitsplatz

Der Waldwirtschaft geht es gut. Das gilt auch für Niederösterreich. Während 2014 hier 3,4 Millionen Festmeter Holz und 2015 4 Millionen geerntet wurden, sind es im Vorjahr 5,2 Millionen gewesen. „Immer mehr Waldbesitzer erkennen, dass es sinnvoll ist, den Wald zu bewirtschaften, nicht nur um diesen zu erhalten, sondern vielleicht auch um davon seinen Lebensunterhalt zu bestreiten“, stellt Felix Montecuccoli, Präsident der Land&Forst Betriebe Österreich, gegenüber dem NÖ Wirtschaftspressedienst fest.

Die industrielle Verarbeitung erfolgt vor allem durch Sägewerke und Plattenbetriebe. „Die Nachfrage nach Holz ist hoch. Holz wird etwa im Bau überall dort verwendet, wo es möglich ist. Der Aufzug z.B. ist aus Stahl, die Zwischendecke aus Holz“, erklärt Montecuccoli. Möbel aus Holz seien nicht das Ende der Holzverarbeitung. Im Trend der Nachhaltigkeit stünden auch Verbundstoffe. So etwa versucht die Autoindustrie, Holz in Autotüren einzubauen.

In der Branche gibt es aber offenbar noch einen Lernbedarf. Denn nicht alle Holzarten sind beliebt, wie der Präsident erklärt: „Die Kiefer ist unterbewertet, vor allem als Bauholz wird sie kaum verwendet. Für Außenfassaden hat sich die Lärche bewährt, und für innen die Fichte, dabei wäre die Kiefer besonders witterungsbeständig.“ Dass die Kiefer hierzulande wenig begehrt ist, sei insofern problematisch, als früher viel davon nach Nordafrika exportiert werden konnte, was derzeit aber aus politischen und wirtschaftlichen Gründen nicht mehr möglich sei. Diesen Ausfall könne der Export nach Deutschland nicht wettmachen.

„In Niederösterreich steht die Forstwirtschaft nicht nur vor der Herausforderung der Trockenheit, sondern immer mehr auch davor, dass nach Trockenperioden intensive Niederschläge folgen. Mit diesen können Laubbäume besser umgehen als Nadelhölzer. Der Laubholzanteil steigt und entspricht damit mehr den natürlichen Gegebenheiten Niederösterreichs. Mit seinem geringen Hochgebirgsanteil ist es für Laubwälder oder Mischwälder bestens geeignet“, so Montecuccoli.

Leider können sich auch Laubbäume nicht gegen Schädlinge wehren, wie dies aktuell bei der Esche passiert sei. Im Gegensatz etwa zur Eiche oder Buche kann die Esche nicht durch eine andere bekannte Baumart ersetzt werden. In dieser Situation wandern andere Baumarten ein oder werden bewusst in den Wäldern heimisch gemacht. So gibt es vermehrt die Schwarznuss und den Götterbaum.

„Ob neue Baumarten bleiben dürfen oder nicht, das wird in Studien wissenschaftlich untersucht, die wir als Land- und Forstwirtschaft unterstützen“, erklärt Montecuccoli. „Also jene, die sagen, der Götterbaum muss wieder ausgerottet werden, und jene, die sagen, der Götterbaum soll bleiben und unter welchen Bedingungen dies möglich sein darf, nehmen hier gegensätzliche Positionen ein. Die Migration von Bäumen wird auch hier von unterschiedlichen politischen Richtungen unterschiedlich bewertet. Wie auch immer diese Studien ausgehen: Wichtig ist, dass der Wald bewirtschaftet wird: 100 Festmeter heimisches Holz, das sind etwa drei Lkw-Ladungen, sichern einen Arbeitsplatz.“ (jm)

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