NÖ Wirtschaftspressedienst - Ausgabe Nr. 1430 vom 14.04.2017

14.04.2017
Niederösterreichs Friseure finden die wuchernde Bürokratie zum Haareraufen

Zwischen hoch jauchzend und tief betrübt bewegt sich das Gewerbe der heimischen Friseure. Ihnen setzt die Administrationsflut besonders arg zu. „Trotz einiger Versprechen ist diese Flut nicht weniger geworden. Die Zettel sind noch immer dieselben“, berichtet Wolfgang Dorner, Innungsmeister-Stellvertreter der NÖ Friseure dem NÖ Wirtschaftspressedienst.

„Allein die Umrüstung der Registrierkassen ergibt einen erheblichen Aufwand. Will man das selber machen“, meint er, „muss man sich in dieser Richtung ausbilden, viele Beschreibungen lesen und dann noch mehr Zeit investieren, bis endlich alle Anforderungen erfüllt sind. Wer keine Kreditkarte besitzt, bekommt von A-Trust keinen Kartenleser und keine Registrierkassen Chipkarte. Also, heißt es eine Kreditkarte bei irgendwem ausborgen oder die Firma löst sich eine. Nun braucht man noch ein Smartphone um den QR Barcode überprüfen zu können. Diese Sachen muss doch schließlich jeder haben. Oder der Unternehmer nimmt doch einiges an Geld in die Hand und lässt sich die Kassa von den diversen Firmen umstellen.“

Als bedenkliches Zeichen wertet Dorner, dass mit derzeit 1.563 Friseurbetrieben in Niederösterreich zwar ein neuer Höchststand erreicht wurde, die Zahl der Mitarbeiter allerdings mit 3.382 nahezu gleich geblieben ist. „Diese Zahlen belegen, dass es immer mehr EPU oder Kleinstbetriebe gibt“, sagt er. Auch die Kettenbetriebe werden mehr. „Der normale Mittelbetrieb ist im Sterben begriffen. Sollte es seitens des Gesetzgebers kein Umdenken geben, werden in Zukunft nur mehr diese zwei Betriebsformen übrig bleiben“, meint Wolfgang Dorner.

Schon lange sei ein Friseurbetrieb kein Selbstläufer mehr. Ständige Weiterbildung und das Umsetzen von neuen Ideen seien unumgänglich, um weiterhin erfolgreich zu sein. „Doch mit dem sehr guten Ausbildungsstand unserer Lehrlinge bin ich für 2017 und die weitere Zukunft guter Dinge“, betont Dorner. „Letztes Jahr hat erfreulich gute Ergebnisse in der Jugendarbeit gebracht. Wer sich die Zeit nimmt und die Landeslehrlingswettbewerbe besucht, kann ganz tolle Arbeiten unserer Jugend bewundern. Auch bei der Staatsmeisterschaft sind wunderbare Leistungen erbracht worden. Und international konnten ebenfalls schöne Erfolge verbucht werden.“

Zurzeit werden in Niederösterreich 564 Lehrlinge ausgebildet. Schon seit Jahren allerdings sind die Lehrlingszahlen im Sinken. 2015 sind immerhin noch 601 Lehrlinge ausgebildet worden. „Die Erhöhung der Lehrlingsentschädigung um 17,8 Prozent im Vorjahr konnte den Negativ-Trend leider nicht stoppen“, resümiert Dorner. „Außerdem gibt es nur wenig geeignete Jugendliche, aber auch die Ausbildungsbetriebe werden immer weniger. Die neue Idee der Politik, gegen sinkende Lehrlingszahlen mit einer längeren Berufsschulzeit anzukämpfen, ist meiner Meinung nach der falsche Weg. Für die Kosten im dualen Ausbildungssystem darf natürlich der Betrieb allein aufkommen. So wird man aber garantiert keine Trendumkehr schaffen, sondern eher das Gegenteil bewirken, dass noch weniger Betriebe bereit sein werden, Lehrlinge auszubilden.“ (dsh)

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