NÖ Wirtschaftspressedienst - Ausgabe Nr. 1446 vom 11.08.2017

11.08.2017
Weinviertel will am Boom um die Liechtenstein-Schlösser mitnaschen

Mehr als 400.000 Besucher haben 2016 das im neugotischen Stil erbaute südmährische Schloss Lednice (Eisgrub) unweit der tschechisch-österreichischen Grenze besichtigt. 125.000 waren es im noch näher zum Weinviertel gelegenen Barockschloss Valtice (Feldsberg), von dem man über den „Fürstenweg“ rasch und bequem in die Nachbargemeinde Schrattenberg im Bezirk Mistelbach gelangt. Zusammen mit der Prager Burg auf dem Hradschin und der Schiele-Stadt Krumau in Südböhmen zählen die beiden Paläste, deren Errichtung vom Adelsgeschlecht der Liechtensteiner in Auftrag gegeben worden war, zu den meistbesuchten Kulturdenkmälern in Tschechien. Der Landschaftspark Lednice-Valtice ist mit seinen Teichen, Kanälen, kleinen Inseln, Alleen mit kostbaren Bäumen sowie romantischen Bauwerken eine der größten künstlich angelegten Gartenanlagen Europas und seit 1996 UNESCO-Weltkulturerbe.

Weil diese einmaligen Sehenswürdigkeiten dem nördlichen Weinviertel sozusagen vor der Haustür liegen, „wollen wir ausloten, welche Möglichkeiten grenzüberschreitender Zusammenarbeit sich mit dem bei uns vorhandenen Gästeangebot ergeben“, sagt Hannes Weitschacher, Geschäftsführer der Weinviertel Tourismus GmbH., im Gespräch mit dem NÖ Wirtschaftspressedienst. Dazu sei es freilich zunächst einmal erforderlich, Details über die Besucher-Struktur der Liechtenstein-Schlösser (woher kommen die Gäste?, mit welchen Verkehrsmitteln reisen sie an?, wie lange beträgt die Aufenthaltsdauer?) zu erfahren. „Wir wollen das auf wissenschaftlicher Basis erheben lassen und werden daher bei der IMC Fachhochschule Krems oder bei der Fachhochschule Wien für Tourismus-Management eine Bachelor-Arbeit ausschreiben, die uns alle relevanten Basisdaten zum Thema liefern soll“, kündigt Weitschacher an.

Potenzial zur Kooperation ist jedenfalls zur Genüge vorhanden: Mit Mitteln aus dem EU-Strukturfonds aufwändig renoviert, ziehen Lednice und Valtice Jahr für Jahr mehr Besucher an, die auf dem weitläufigen Areal auch viel österreichisches Erbe vorfinden. So hat Johann Bernhard Fischer von Erlach – erster Planer von Schloss Schönbrunn – im Park von Lednice ein Reitstallgebäude errichtet und der Wiener Architekt Joseph Hardtmuth – Erfinder des Bleistifts und der Marke „Koh-I-noor“ – ebenda im See das 60 Meter hohe Minarett. Das Barockschloss Valtice wiederum punktet seit heuer mit dem Schlosstheater, das man nach jahrelanger Schließzeit und umfangreichen Sanierungsarbeiten wieder für das Publikum öffnen konnte. Hier hat 1768 das damals zwölfjährige Wunderkind Wolfgang Amadeus Mozart das „Feldsberger Menuett“ komponiert. (mm)

www.zamek-lednice.info/de

www.zamek-valtice.cz/de

www.weinviertel.at