NÖ Wirtschaftspressedienst - Ausgabe Nr. 1454 vom 6.10.2017

6.10.2017
Firmen-Teams probten den richtigen Umgang mit Hacker-Attacken

Sieben Firmen-Teams und ein Team der NÖ Wirtschaftskammer probten dieser Tage den Umgang mit einem plötzlichen Hacker-Angriff. Ort des Cyber-Security-Planspiels war das WIFI St. Pölten. Die gewieften „Angreifer“ kamen von der Polizei bzw. aus dem Innenministerium. Schließlich war das Planspiel in St. Pölten die Premiere für die gemeinsame österreichweite Aktion „Gemeinsam.sicher mit der Wirtschaft“ der Wirtschaftskammern und des Bundesministeriums für Inneres.

„Für die Gefahren, die im Netz lauern, wollen wir sensibilisieren und den teilnehmenden Unternehmen einen Wissens- und Erfahrungsvorsprung für den Ernstfall vermitteln“, so Niederösterreichs Landespolizeidirektor Konrad Kogler. Er betonte am Rande der Veranstaltung, dass die IT-Ausbildung bei der Polizei an Bedeutung zunehme. Das entsprechende Know-how werde dort in mehreren Stufen weiter gegeben. Schließlich sei es auch wichtig, dass die Polizei im Fall des Falles auch EDV-Daten entsprechend sichern kann - „und zwar so, dass sie auch gerichtlich verwertbar sind“.

Auch für WKNÖ-Vizepräsident Christian Moser ist die Cyber-Security ein „extrem wichtiges Thema, das für unsere Betriebe zunehmend an Bedeutung gewinnt“. Er freue sich über diese „wertvolle Zusammenarbeit mit der Polizei“, so Moser. Es sei wohl noch nie so viel geballtes IT-Know-how im WIFI anzutreffen gewesen wie rund um dieses Security-Planspiel.

Dabei wurde eine Krise im Unternehmen simuliert – ein Hacker-Angriff auf sensible Firmendaten, der Passwort-Klau im großen Stil oder auch ungewollte Geld-Transaktionen von Firmen-Konten in die Taschen von Cyber-Kriminellen. Diese Form der Kriminalität sei ein „absoluter Wachstumsmarkt“, betonte Kogler. Die Polizei rechnet heuer mit einer Steigerung um rund 25 Prozent und rund 15.000 bis 17.000 Delikten in ganz Österreich. Der Schaden lasse sich wohl nur in Milliarden-Beträgen beziffern, meint Kogler und verweist auf eine vermutlich hohe „Dunkelziffer“, weil betroffene Unternehmen sich oft scheuen, zur Polizei zu gehen.

„Solche Planspiele sind auch deswegen wichtig, weil sie an den Schnittstellen zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Polizei angesiedelt sind“, so Kogler. Sie seien ein Test dafür, was die in einem Unternehmen „hoffentlich vorhandenen“ Notfallpläne im Ernstfall leisten können und wie die Schnittstellen zwischen einem Unternehmen und dem Support sowie der Polizei funktionieren. „Dabei ist vor allem auch wichtig, dass die Kommunikation gut klappt“, erklärt Niederösterreichs oberster Polizist. Das Planspiel soll daher auch helfen, das Vertrauen zur Polizei aufzubauen.

Im „Spiel“ selbst setzten sich die Firmen-Teams aus je vier Experten aus den Bereichen Informationstechnologie (IT), Recht, Öffentlichkeitsarbeit und Krisenmanagement zusammen. Zum Training ihrer Handlungskompetenzen, die sie im Ernstfall rasch abrufen können, gehörte auch die Inanspruchnahme externer Hilfe, die von einem Nachbarteam geleistet wurde.

„Es gibt keine einzelnen Sieger. Es ist wichtig, dass Sie einander auch helfen“, hieß es schon beim Vorab-Briefing durch die „Schiedsrichter“. Diese haben die Teams während des Tages beobachtet und ihnen Feedback gegeben. Und weil alles möglichst praxisnah ablaufen sollte, kam auch ein „Störfaktor“ zum Einsatz: ein frei laufender Polizeihund, der für Ablenkung sorgte.

Die Wirtschaftskammer hat für alle Unternehmen auch im Internet viele Infos und Hilfestellungen zum Thema bereitgestellt – zu finden unter www.it-safe.at (rz)