NÖ Wirtschaftspressedienst - Ausgabe Nr. 1476 vom 9.03.2018

9.03.2018
NAFES will die Digitalisierung ins Boot holen

Die NAFES-Aktion zur Förderung des Einkaufs in Orts- und Stadtzentren, die vor 20 Jahren gegründet wurde, ist bis 2020 prolongiert worden. Für den Zeitraum von 2018 bis 2020 stellen das Land Niederösterreich und die NÖ Wirtschaftskammer weitere 3,6 Millionen Euro zur Unterstützung von NAFES-Projekten zur Verfügung, 1,2 Millionen Euro pro Jahr. Seit Beginn der Aktion im Jahr 1998 sind mehr als 920 Einzelprojekte mit rund 18 Millionen Euro unterstützt worden. Ausgelöst wurde damit ein Investitionsvolumen von rund 105 Millionen Euro.

Die NAFES dient drei konkreten Schwerpunkten:

* der Verbesserung der Infrastruktur, um die Ortskerne für mobilen Einkauf attraktiver zu machen, 

* der Unterstützung von Investitionen von Gemeinden bzw. gemeindeeigener Gesellschaften zur Sicherung der Nahversorgung, und

* der Förderung von Marketing-Aktivitäten für den Einkauf in den Orts- und Stadtkernen, wie sie etwa von Werbegemeinschaften bzw. Wirtschaftsvereinen gesetzt werden.

Standen früher das Parken oder die Errichtung von Leitsystemen im Vordergrund, gewinnt mittlerweile die Digitalisierung immer mehr an Bedeutung. „Da geht es um den Einsatz von Internet, Facebook und Apps ebenso wie um das Angebot von Gratis-WLAN“, erklärt NAFES-Leiter Wolfgang Fuchs.

Wie aktuell das Thema ist, zeigt das für 23. März in Tulln geplante Vernetzungstreffen der NÖ Regional GmbH unter dem Titel „Digitale Einkaufsstadt – Wie viel Digitalisierung braucht das Zentrum?“ Dort sollen nicht nur neue Geschäftsmodelle und die Entwicklung von "Mehr-Kanal-Strategien" für den Handel vorgestellt und diskutiert werden, sondern auch erste Schritte im Ausbau einer digitalen Präsenz für Nahversorger sowie Tipps, „wie man mit relativ einfachen Mitteln auch gegen Amazon, Google und Facebook rocken kann“. Dazu kommen Berichte aus Gemeinden über ihre Erfahrung mit den digitalen Werkzeugen. 

Während sich im Zuge einer Evaluierung der NAFES-Förderung herausgestellt hat, dass speziell der Online-Handel ein Bedrohungspotenzial für die Belebung der Ortskerne und die Nahversorgung darstellt, hat man schon vor geraumer Zeit neue „Verbündete“ gefunden, nämlich die Kulturschaffenden. Wirtschaftskammer-Präsidentin Sonja Zwazl ermuntert deshalb die NAFES-Aktivisten, über den Tellerrand zu schauen, Aktivitäten zu kombinieren und sich gemeinsam gegen Leerstände bzw. für höhere Frequenzen in den Ortskernen einzusetzen. Auch Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner rät dazu, Veranstaltungszeiten mit Öffnungszeiten zu koppeln.

Insgesamt aber sei Niederösterreich bei der Nahversorgung auf einem guten Weg, betonen Mikl-Leitner und Zwazl unisono. Mehr als 90 Prozent der Gemeinden im Land haben einen Nahversorger, womit Niederösterreich deutlich über dem Bundes-Durchschnitt von 81 Prozent rangiert. 

Aktuelle NAFES-Projekte sorgen für Rückenwind, wie ein soeben angelaufenes Nahversorger-Projekt in Bergern im Dunkelsteiner Wald zeigt. In Rastenfeld im Waldviertel wurde der Spatenstich für ein Nahversorgerzentrum gesetzt, und in Zeillern wird mit einem Umbau die Nahversorgung auf den neuesten Stand gebracht. Dazu kommen Projekte in Göpfritz, Japons oder Windigsteig.

„Nahversorger müssen heute mehr leisten als früher und ihre Angebote erweitern“, sagt Wolfgang Fuchs. Diesbezüglich sei man auf einem guten Weg, weil Zusatzangebote auch zusätzliche Frequenz bringen. Neben der Funktion als Postpartner sind das beispielsweise Extras, wie Hauszustellung oder Partyservice, eine Kaffee-Ecke im Kaufhaus oder die Präsentation von regionalen Spezialitäten und vieles mehr. (rz)

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