NÖ Wirtschaftspressedienst - Ausgabe Nr. 1476 vom 9.03.2018

9.03.2018
NÖ Anrufsammeltaxis verzeichnen schon 135.000 Fahrten

Gut entwickelt sich in Niederösterreich das Anrufsammeltaxi (AST). Mittlerweile ist das 2002 in Betrieb gegangene öffentliche Verkehrsnetz auf 24 Anrufsammeltaxis angewachsen. Im Vorjahr sind das AST Mitterndorf an der Fischa und das AST Leithaberge dazugekommen sowie das AST Wiener Neustadt auf das gesamte Stadtgebiet ausgedehnt worden. Laut dem BĂŒro von Verkehrslandesrat Karl Wilfing haben 2017 rund 135.000 Personen Anrufsammeltaxis in Anspruch genommen. Die meisten FahrgĂ€ste beförderte das ISTmobil Korneuburg, gefolgt von den AST St. Pölten und Amstetten sowie GĂ€nserndorf und Klosterneuburg.

Das AST-System soll weiter ausgebaut werden. Konkrete Planungen gibt es bereits im Gebiet Furth, Mautern und Bergern und in Frankenfels. Überlegt wird die Erweiterung des AST Bad Fischau um die Gemeinden Wöllersdorf und Piesting. Diese Projekte sollen noch im Sommer oder in der zweiten JahreshĂ€lfte realisiert werden. Wie das BĂŒro Wilfing dem NÖ Wirtschaftspressedienst mitteilt, geht die Initiative fĂŒr ein AST immer von der Gemeinde aus. Das Land „verordne“ die Inbetriebnahme nicht, sondern unterstĂŒtze und fördere die Gemeinden dabei, MobilitĂ€t abseits des Linienverkehrs zu organisieren.

Besonders interessant fĂŒr viele Gemeinden ist das regionale ISTmobil im Bezirk Korneuburg, weil es gemeindeĂŒbergreifend funktioniert und auch große Verkehrsknotenpunkte außerhalb des Bezirkes ansteuert. „Dazu erhalten wir derzeit viele Anfragen“, erklĂ€rt Verkehrslandesrat Karl Wilfing. „Wir bieten daher viel Beratungsarbeit an, sowohl direkt vom Land bei Informationsveranstaltungen und Diskussionen mit Gemeindevertretern, als auch ĂŒber das niederösterreichische MobilitĂ€tsmanagement. Wir wollen damit kĂŒnftig in vielen neu dazugekommenen Gemeinden MobilitĂ€t gewĂ€hrleisten und die Gemeinden bei der Umsetzung bestmöglich unterstĂŒtzen.“

Rund 100 Gemeinden beschĂ€ftigen sich derzeit mit dem Thema AST. Oft werden Vorstudien initiiert, die einen ersten Überblick schaffen, wie solche großflĂ€chigen Systeme funktionieren könnten. Entspricht dies den WĂŒnschen der Gemeinden, werden Detailplanungen beauftragt.

Fakt ist, sowohl bei den neuen AST, als auch beim ISTmobil steigen die Zahlen der FahrgĂ€ste kontinuierlich. Je nach Bedarf der Zielgruppe werden die AST zu bestimmten Zeiten und Tagen genutzt. Angebote, die fĂŒr Ă€ltere Menschen eingerichtet wurden, damit sie Alltagswege weiterhin selbstĂ€ndig durchfĂŒhren können, werden eher am Vormittag genutzt – etwa fĂŒr Wege zum Arzt oder zum Einkaufen. Angebote, die eher auf Jugendliche ausgerichtet sind, und Freizeitwege werden eher in den Nachmittags- und Abendstunden sowie am Wochenende genutzt. Pendler nutzen die Zubringerdienste zu den höherrangigen Verkehrsmitteln Bahn und Bus hauptsĂ€chlich in den frĂŒhen Morgenstunden.

GeschĂ€tzt wird von allen FahrgĂ€sten, dass die AST-Fahrzeuge Pkw sind, die andere Routen fahren und auch flexibler halten können als große Linienbusse. Das Sammelstellennetz kann daher auch dichter angelegt werden als das Haltestellennetz von Linienbussen. Die AST haben als Endpunkt der Fahrt meist auch eine individuelle Adresse. Ältere FahrgĂ€ste schĂ€tzen ihre wiedergewonnene SelbstĂ€ndigkeit und mobilitĂ€tseingeschrĂ€nkte Personen die kurzen Gehwege.

Ein Vorteil zum Beispiel ist auch die Verringerung des Bring- und Holverkehrs durch Eltern, da das AST ein sicheres Verkehrsmittel fĂŒr Kinder ist. Pendlerinnen schĂ€tzen die Fahrtmöglichkeiten zu Tagesrandzeiten, wenn aufgrund der geringen Fahrgastfrequenz kein öffentliches Verkehrsmittel zur VerfĂŒgung steht.

Welches AST auch immer man als Fahrgast nutzen möchte, eines gilt immer: Anrufsammeltaxis fahren nach Fahrplan, jedoch nur dann, wenn mindestens ein Fahrgast fĂŒr die jeweilige Fahrt angemeldet ist. Wer mitfahren möchte, muss sich je nach AST-System 30 Minuten oder eine Stunde vor der gewĂŒnschten Fahrt bei der AST-Landeszentrale unter 0810-810278 anmelden. Von dort wird der Auftrag an das zustĂ€ndige Taxi- oder Mietwagenunternehmen weitergeleitet. (dsh)

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