NÖ Wirtschaftspressedienst - Ausgabe Nr. 1481 vom 13.04.2018

13.04.2018
Niederösterreichs Figaros kommt der Nachwuchs abhanden

Obwohl es in Niederösterreich derzeit um 57 Friseurbetriebe mehr gibt als im Vorjahr, sinken die Zahlen der Beschäftigten und Lehrlinge kontinuierlich. „Freude habe ich mit dieser Entwicklung ehrlich gesagt nicht“, stellt Wolfgang Dorner, Innungsmeister-Stellvertreter der NÖ Friseure, gegenüber dem NÖ Wirtschaftspressedienst fest. „Denn 2017 hatten wir noch 3.382 Mitarbeiter gegenüber 3.363 heute, und 564 Lehrlinge gegenüber 486 derzeit. Auch der EPU-Anteil steigt in unserer Branche ständig an. Von den zurzeit 1.620 aktiven heimischen Friseuren sind rund 1.000 Ein-Personen-Unternehmen.“

Dorner sieht in den sinkenden Beschäftigungs- und Lehrlingszahlen ein Gesellschaftsproblem: „Irgendwie ist es paradox, denn gerade der Beruf des Friseurs ist ein überaus kreativer, wo man aktiv gestalten und sich tatsächlich verwirklichen kann und noch dazu von den Kunden immer positives Feedback bekommt, das wiederum motiviert. Aber offenbar sehen das nicht alle so. Natürlich ist es erschreckend, dass die Lehrlingszahlen stetig sinken, aber erschreckend ist auch, wie wenige Lehrlinge es gibt, die sich darüber hinaus engagieren, wie etwa beim heurigen Landeslehrlingswettbewerb. Da hatten wir nur drei Lehrlinge, die im ersten Lehrjahr angetreten sind. Früher hatten wir in dieser Kategorie bis zu 25 Teilnehmer. Ich war ehrlich gesagt fassungslos“, so Wolfgang Dorner. „Ich verstehe einfach nicht, dass so wenig Bereitschaft besteht, Zeit für seinen Beruf zu investieren. Bei dieser Gelegenheit muss aber auch gesagt werden, dass alle, die sich an Bewerben beteiligen, wirklich Spitzenklasse sind. Nur, uns bricht allmählich die Basis weg, und das dürfen wir nicht zulassen.“

Aber nicht nur der fehlende Nachwuchs, sondern auch die per 25. Mai in Kraft tretende EU-Datenschutz-Grundverordnung lässt den Friseuren die Haare zu Berge stehen. „Im vergangenen Jahr war es die Registrierkassenpflicht, mit der unsere Mitglieder unglücklich waren. Nun werden die Vorgaben zum Datenschutz deutlich verschärft und der administrative Aufwand enorm erhöht. Jeden einzelnen Kunden müssen wir unterschreiben lassen, dass wir ihre Daten beispielsweise für Newsletter-Aussendungen oder Geburtstagsgrüße sammeln und speichern. Da kommen in manchen Betrieben schon einige Hundert Blatt Papier zusammen. Auch die weitere Dokumentation, wie man die Daten sichert, ist enorm aufwendig. Diese ständigen Hiobsbotschaften sind nur mehr schwierig an den Friseur zu bringen“, so Dorner. „Da werden immer wieder Sachen eingeführt, von Leuten, die gar nicht wissen, wie schwer sie damit anderen das Arbeitsleben machen.“ (dsh)

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