NÖ Wirtschaftspressedienst - Ausgabe Nr. 1489 vom 8.06.2018

8.06.2018
Die wirtschaftliche Bedeutung der Pferde sorgt für Milliardenumsatz

Die Militärakademie Wiener Neustadt ist als Ausbildungsstandort jener Pferde geplant, die in Wien für den Polizeieinsatz vorgesehen sind. Da sind zunächst 14 Pferde. Dass das der Bedeutung des Pferdes nicht gerecht wird und auch nicht dazu beiträgt, bei den Reitställen einen wirtschaftlichen Aufschwung auszulösen, ist ein Urteil, in dem sich Franz Ecker, Branchensprecher in der Wirtschaftskammer Niederösterreich, und Gerold Dautzenberg, Vorstand im Niederösterreichischen Pferdesportverband, einig sind, auch wenn sie sonst manch unterschiedliche Ansichten haben.

Dautzenberg, der selbst aus der Landwirtschaft stammt, hebt die Bedeutung des Pferdes für die Landwirtschaft hervor. „Pferde werden mit Heu aus der Region und nicht wie Schweine mit Soja aus Brasilien gefüttert", sagt er. Der berittenen Polizei kann er viel Positives abgewinnen. „Aus anderen Ländern wissen wir, wenn Pferde bei Demos eingesetzt werden, dass diese friedlicher ablaufen“, so Dautzenberg. In Bremen beispielsweise sei die berittene Polizei nach drei Jahren im Einsatz wieder abgeschafft worden, worauf die Bevölkerung ihre Wiedereinführung verlangt habe.

In einem gesamtwirtschaftlichen Zusammenhang sieht Ecker das Pferd. „Global gesehen ist das Pferd noch immer ein wichtiger Wirtschaftsfaktor“, meint er. Was hierzulande, vor allem in Niederösterreich, abnehme, sei die Bedeutung des Hobbypferdes. „Immer weniger Leute nehmen sich Zeit und auch das Geld in die Hand, um sich dem Pferdesport zu widmen", so Ecker. Familien kommen vom Freitag am Abend bis Sonntag in die Reitställe, was Pferden nicht behagt, „da sie ständig und gleichmäßig bewegt werden müssen.“

Das Hauptthema sieht Ecker in den politischen Rahmenbedingungen, die den Pferdesport und die Reitställe einschränken. Beispielsweise ist ein Verfahren zum Betreiben eines Pferdestalles sehr aufwendig, und ob das dann in einem angemessenen Rahmen auch tatsächlich gelingt, sei von der jeweiligen Bezirkshauptmannschaft abhängig. Auch die Gewerbeordnung sei ein Hemmschuh. Denn: „Reitlehrer müssen selbständig sein, obwohl sie durch ihre regelmäßige Arbeit eigentlich Angestellte sind.“

Ein weiteres Beispiel, mit dem sich die Branche herumschlagen muss, sei das Wasserrecht. Pferdestallbetreiber fühlen sich mit dem, was sie aus ihrem Betrieb abfließen lassen dürfen, schwer benachteiligt gegenüber den Bauern, die zum Teil mit Gift düngen würden und wesentlich geringeren Einschränkungen unterworfen seien.

Die Bedeutung der Pferdewirtschaft ist an den volkswirtschaftlichen Kennzahlen abzulesen. Einschließlich der Zulieferbetriebe, wie etwa Hufschmiede, hat die Branche im Vorjahr 2,2 Milliarden Euro erwirtschaftet. „Allein in Niederösterreich gibt es 160 gewerblich betriebene Reitställe. Das ist in den letzten Jahren in etwa gleich geblieben, tendenziell sogar leicht angestiegen“, erklärt Ecker. (jm)

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