N÷ Wirtschaftspressedienst - Ausgabe Nr. 1493 vom 6.07.2018

6.07.2018
K√ľrschnerpaar verwandelt alte Pelze in Designerst√ľcke

Aus alten Pelzen neue Designerst√ľcke zu fertigen, ist die auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Gesch√§ftsidee des jungen K√ľrschnerpaars Patrick Adam und Georgia Richter in Tulln. Seit knapp zwei Jahren verwandeln die beiden 28j√§hrigen Jungunternehmer mit ihrer Meisterk√ľrschnerei AR Refurried unter dem Motto ‚ÄěWarum Vorhandenes nicht nutzen?‚Äú alten Fuchs, Nerz & Co in upcyclet Modest√ľcke, wie Westen und Jacken, oder fertigen daraus Rucks√§cke oder Espadrilles.

‚ÄěNach langj√§hrigem Erfahrungen-Sammeln im Wiener Pelzhaus LISKA haben wir beschlossen, nur mehr unseren eigenen Ideen zu folgen‚Äú, berichten sie dem N√Ė Wirtschaftspressedienst. Er ist Meisterk√ľrschner, sie Designerin und Schnitt-Directrice.

Patrick Adam begann nach dem Modekolleg in Graz das K√ľrschnerhandwerk im Pelzhaus LISKA zu erlernen. Nach der mit Auszeichnung absolvierten Lehre erlangte er vor zwei Jahren den Meistertitel. Georgia Richter hat ihre Ausbildung an der Modeschule ESMOD in M√ľnchen erworben, arbeitete drei Jahre als Schnittzeichnerin f√ľr Ma√ü- und Modellschnitte bei der Firma LISKA in Wien, was ihr zweites Fachgebiet verst√§rkte - das Konstruieren von Schnitten f√ľr Pelze nach Ma√ü.

Neue Felle finden in der Werkstatt in der Rudolf-Buchinger-Stra√üe 6 keine Verwendung. ‚ÄěEs gibt so viele hochwertige Pelzm√§ntel aus vergangenen Zeiten, aus denen man traumhafte neue Designs k√ľrschnern kann. Mit Schnittkunst, Fantasie und Raffinesse ist alles m√∂glich. Au√üerdem stecken in jedem Pelz Geschichten und Erinnerungen. Warum sollen diese nicht weiterleben?‚Äú so Adam. Das ist auch der Grund, weshalb das AR Refurried-Team nur genau ausgew√§hlte Vintage-Pelze √ľberwiegend vom Wiener Dorotheum ankauft. Die meisten St√ľcke bringen die Kunden ‚Äď die j√ľngste Kundin ist 16 Jahre, die √§lteste 89 Jahre alt ‚Äď selber vorbei und lassen sich veraltete Designs aus den 1950er und 1960er Jahren an ihren K√∂rper umschneidern.

Zuerst wird das Vintage-St√ľck begutachtet und besprochen, welche Umarbeiten m√∂glich sind. Danach wird nach Ma√ü ein Schnitt erstellt und ein Probest√ľck aus Baumwollstoff gefertigt. Das erleichtert dem Kunden die bildliche Vorstellung von den geplanten √Ąnderungen und allf√§llig auch noch von zus√§tzlichen. Erst dann wird der alte Pelz gereinigt, komplett in seine Bestandteile zerlegt und zu einem neuen St√ľck ummodelliert. Je nach Modell sind bis zu 35 Arbeitsstunden erforderlich. ‚ÄěDie Umwandlung in eine modische Jacke kostet in etwa an die 1.500 Euro‚Äú, erkl√§rt Patrick Adam.

Das Interesse auf Kundenseite sei gro√ü. Die Folge: ‚ÄěBis September k√∂nnen wir keinen Auftrag mehr annehmen. Deshalb suchen wir dringend nach Mitarbeitern, zumal es uns auch ein Anliegen ist, die Arbeit nicht outzusourcen, sondern weiterhin zu 100 Prozent in √Ėsterreich zu produzieren.‚Äú Eigentlich h√§tte der K√ľrschnermeister schon im letzten Winter jemanden zus√§tzlich gebraucht. Aber es sei gar nicht so einfach, Personal zu finden, das die Pelzverarbeitung heutzutage noch beherrscht. Au√üerdem absolviert Ko-Gesch√§ftsf√ľhrerin Georgia Richter seit dem Vorjahr die Ausbildung zur K√ľrschnermeisterin.

‚ÄěMit unserem Konzept - Aus hochwertigem Alt mach¬ī stylisches Neu - haben wir offensichtlich eine Marktl√ľcke entdeckt‚Äú, sagt Patrick Adam. Zudem zeichne sich eindeutig wieder ein Trend zum Pelztragen ab. Das hebe auch die Wertsch√§tzung und das Ansehen des K√ľrschnerhandwerks, sowohl die Wertsch√§tzung der vorhandenen Ressourcen, als auch des Handwerks an sich. Mit dem entscheidenden und f√ľr uns wichtigsten Unterschied, dass bei uns Tiere deswegen nicht get√∂tet werden m√ľssen. Wir sind √ľberzeugt davon, dass sich in vielen Kleiderschr√§nken Pelze befinden, die einfach nicht mehr getragen werden, weil sie dem Zeitgeist l√§ngst nicht mehr entsprechen. Wir machen sie gerne wieder tragf√§hig.‚Äú (dsh)

www.refurried.com