NÖ Wirtschaftspressedienst - Ausgabe Nr. 1493 vom 6.07.2018

6.07.2018
Konsumenten achten beim Lebensmitteleinkauf auf Qualität

Ein Umdenken der Kunden beim Einkauf stellt der Landesinnungsmeister des Lebensmittelgewerbes in der NÖ Wirtschaftskammer, Johann Ehrenberger, fest. „Mehr Bewusstsein für heimische Qualität hat ein gezielteres Einkaufen zur Folge“, erklärt er dem NÖ Wirtschaftspressedienst. Was hinter den jeweiligen Erzeugnissen stecke, liege voll im Trend. „Zu wissen, woher was kommt, wird für immer mehr Menschen ein Entscheidungsgrund, um zum gewerblichen Bäcker, Konditor und Fleischer einkaufen zu gehen“, betont der Bäcker- und Konditormeister aus Gars am Kamp.

Deshalb sei das Geschäftsjahr 2017 von vielen Betrieben des Lebensmittelgewerbes als zufriedenstellend gesehen worden. Allerdings stehe der Gewinn oft in keiner Relation zum Aufwand. Es gebe Betriebe, so der Landesinnungsmeister, deren Mitarbeiterkosten über 50 Prozent des Umsatzes lägen. Auch die Energie sei ein enormer Kostenfaktor.

Vor allem Bäcker, die zu 90 Prozent handwerklich produzieren, stehen im Wettbewerb mit Betrieben, die viele Arbeitsabläufe automatisiert und dadurch günstigere Produktionskosten haben. Da könne man letztlich nur mit Qualität überzeugen. „Dennoch haben einige Betriebe aufgrund der niedrigen Zinsen im Vorjahr größere Investitionen durchgeführt“, so Ehrenberger.

Auch die Bäcker beklagen, dass sie zu wenig qualifizierte Mitarbeiter bekommen. Derzeit gibt es im NÖ Lebensmittelgewerbe 317 Bäcker, 267 Konditoren, 287 Fleischer, 58 Müller und Mischfuttererzeuger sowie 409 Betriebe des Nahrungs- und Genussmittelgewerbes. Die gesamte Branche beschäftigt 12.414 Mitarbeiter, davon 394 Lehrlinge in Ausbildung.

„Wir alle sind gern bereit, Lehrlinge auszubilden. Jedoch jene, die wirklich geeignet sind, später eine Führungsposition zu übernehmen, sind eine Seltenheit“, sagt der Landesinnungsmeister. „Ich denke, es ist daher wichtig, dass wir noch mehr als bisher vermitteln, dass gerade das Lebensmittelgewerbe eine entscheidende Aufgabe hat, nämlich Nahrungsmittel zu erzeugen. Dies kann nur mit persönlichem Engagement geschehen.“

Auf die Frage, was er sich von der türkis-blauen Bundesregierung wünsche, meint er: „Die neue Regierung hat schon viel erreicht und befindet sich auf einem guten Weg für Österreich. Besonders Leistung muss sich wieder auszahlen – für Arbeitnehmer ebenso wie für Selbständige. Ich wünsche mir, dass die Verwaltungsreform rascher umgesetzt wird, denn der unnötige Verwaltungsaufwand trifft fast alles in Österreich und damit leider auch die Wirtschaft.“ (dsh)

http://www.wko.at/noe/lebensmittelgewerbe