NÖ Wirtschaftspressedienst - Ausgabe Nr. 1493 vom 6.07.2018

6.07.2018
NÖ Maler fordern europäische Sozialkarte zur Bekämpfung von Schwarzarbeit

Analog zur zunehmenden Bautätigkeit meldet auch die Branche der heimischen Maler und Tapezierer in Niederösterreich eine wachsende Auftragslage. „Im Vergleich zum letzten Jahr haben wir 1.028 Betriebe und damit um 21 mehr“, berichtet Landesinnungsmeister Helmut Schulz dem NÖ Wirtschaftspressedienst. „Auch die Zahl der Mitarbeiter ist von 4.064 auf 4.257 gestiegen. Bei den Lehrlingen hingegen haben wir um sieben weniger und damit zurzeit 275. Davon sind 208 Burschen und 67 Mädchen. Unsere ganze Branche könnte aber mehr Personal vertragen. Vor allem, weil man momentan oft an die eigenen Grenzen stößt und mangels Mitarbeitern Aufträge nicht annehmen kann.“

Die Qualifizierung der Facharbeiter sollte besser sein, so der Innungsmeister. Er bemängelt sowohl die geringe Zahl der Lehrlinge, als auch in vielen Fällen deren Vorbildung. „Immer mehr macht sich bemerkbar“, sagt er, „dass Schulabgänger nicht nur erhebliche Mängel im Schreiben und Lesen haben, sondern dass es ihnen auch an sozialer Kompetenz und nötigen Umgangsformen fehlt. Eine bedenkliche Situation, die die gesamte Gesellschaft – beginnend mit dem Elternhaus – fordert.“

Das seien die Gründe, die die Branche zwingen, auf Leiharbeitskräfte sowie Facharbeiter aus den Nachbarländern zurückzugreifen. „Eigentlich ein Schwachsinn. Denn nach wie vor wäre es am besten, wenn man sein Fachpersonal von morgen selber ausbilden kann. Wenn aber die Grundeignung dazu nicht vorhanden ist, tut man sich schwer“, so Schulz.

Ein weiteres Manko für die heimischen Maler und Tapezierer sei insbesondere in den Grenzregionen der Mitbewerb aus den Nachbarländern. „Da haben wir die Schmerzgrenze bereits erreicht. Ein Mithalten in Sachen Preis ist hier schier unmöglich. Denn nach wie vor hat in vielen Fällen einer Auftragserteilung der Preis Vorrang vor der Qualität“, stellt der Innungsmeister fest. Deshalb fordert er die Einführung einer europäischen Sozialkarte zur Bekämpfung von Schwarzarbeit, illegaler Beschäftigung sowie zur Kontrolle von Dumpingpreisen. Diese Karte sollte über alle Kriterien der handelnden Person Auskunft geben, neben Namen, Adresse und Status in der Firma auch über die vorgeschriebene Anmeldung bei der Krankenkasse.

Darüber hinaus spricht sich Schulz dafür aus, dass die Gemeinden die Möglichkeit der regionalen Auftragsvergabe im Unterschwellenbereich mehr nutzen. Von der Bundesregierung wünscht er sich effektive Kontrollen der Arbeitnehmerentsendung und die bundesweite Wiedereinführung des Handwerkerbonus. (dsh)

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