NÖ Wirtschaftspressedienst - Ausgabe Nr. 1496 vom 3.08.2018

3.08.2018
Mostviertler Landwirte stehen vor extremen Herausforderungen

Das Wirtschaften unter freiem Himmel wird immer schwieriger. Zu diesem Schluss kommt Andreas Pum, Hauptbezirksobmann des Bauernbundes im Bezirk Amstetten. „Unwetter, Trockenheit und Schädlingsbefall sind Folgen des Klimawandels, den die Landwirtschaft direkt und am stärksten zu spüren bekommt“, stellt er fest. Das heurige Jahr zeige sich diesbezüglich von den unterschiedlichsten Seiten, von guten Ernten bis zu 100 Prozent Ertragsausfällen. „Vor allem die Diskussion zum Thema Pflanzenschutz wird heftiger, was sowohl die Bewirtschaftung als auch die Versorgungssicherheit mit Lebensmitteln erschwert“, sagt Pum.

Dabei sei der Bezirk Amstetten von einer Vielfalt an Produktionsformen geprägt. „Veredelungsbetriebe für Milch und Fleisch sind der Schwerpunkt unserer Region. Und die Bioproduktion ist mittlerweile auf 20 Prozent Anteil gewachsen“, stellt Andreas Pum gegenüber dem NÖ Wirtschaftspressedienst fest. „Mit dem Ausbau der Berglandmilch, die eine neue Käserei sowie eine Milchübernahmehalle mit vier Rohmilchannahmespuren errichtet hat, sind auch die Abnahme und der Verkauf der Milchproduktion gesichert.“ Am Rinder- und Schweinesektor sorgen Vermarktungsgenossenschaften im Verkauf für mehr Stärke. Hingegen stehen zirka 18.000 Hektar Waldfläche vor einer schwierigen Entwicklung. Denn der Borkenkäferbefall, das Eschensterben und die Trockenheit setzen den Wäldern enorm zu.

Im Zunehmen im Bezirk sind die Alternativkulturen, wie etwa der häufiger angebaute Kürbis. Auch der Anbau von Soja erweise sich als Alternative mit Zukunft. Die Hauptkulturen bleiben dennoch Getreide und Mais mit rund 25.000 Hektar, obwohl die Anbauflächen im Vergleich zum Vorjahr heuer wieder reduziert worden sind. Vor allem der Rübenanbau – im Bezirk rund 800 Hektar – steht vor großen Herausforderungen. Erschwert wird die Zukunft des Anbaus durch den Druck vom Zuckermarkt, das Neonikotinoid-Verbot und die Klimaschwankungen.

Laut Andreas Pum wird das Investitionsförderprogramm im Bezirk Amstetten derzeit stärker genutzt als vorher. Investitionen, die in den letzten Jahren nicht erfolgt sind, werden jetzt nachgeholt. „Leider jedoch bewegt sich der Preisanstieg, der für eine angemessene Einkommensentwicklung notwendig wäre, noch immer hinter den Erwartungen“, stellt der Bauernbund-Obmann fest. Preise wie vor 40 Jahren würden die negative Entwicklung dokumentieren. „Die Erhöhung der Einheitswerte und der Sozialversicherungsbeiträge trägt auch nicht gerade zu einer Entspannung bei“, so Pum.

Was die Jungbauern betrifft, würden diese zwar in der Ausbildung und mit Förderungen unterstützt werden, aber trotzdem sei die Übernahme eines Hofes keine Selbstverständlichkeit, meint der Bauernbund-Obmann. Viele Faktoren würden für die Zukunft des Betriebes entscheidend sein. Sie reichen vom Mehraufwand für mehr Bürokratie, mehr Kontrollen und Auflagen in der Tierproduktion bis zur jeweiligen Situation in der Familie.

Akuten Handlungsbedarf sieht Pum bei der Kennzeichnungspflicht von Lebensmitteln nach deren Herkunft, die er für unabdingbar erklärt. Als wünschenswert nennt er ein Verbot von Schleuderpreisen für Lebensmittel in Handelsketten sowie einfache unbürokratische Ausgleichszahlungen für sämtliche Umwelt- und Tierschutzauflagen. Sein Schlusspunkt: „Eine faire Einkommensentwicklung unserer Landwirte, angepasst an die allgemeine gute Wirtschaftsentwicklung, sowie der Anspruch auf ein Privatleben mit Freizeit wären im 21. Jahrhundert allmählich selbstverständlich.“ (dsh)

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