NÖ Wirtschaftspressedienst - Ausgabe Nr. 1509 vom 2.11.2018

2.11.2018
Um drei Prozent mehr Betriebsstandorte im Bezirk Scheibbs

Wie Erika Pruckner, Obfrau der Bezirksstelle Scheibbs der Wirtschaftskammer Niederösterreich (WKNÖ), dem NÖ Wirtschaftspressedienst berichtet, ist die Zahl der aktiven Betriebsstandorte im Bezirk gegenüber dem Vorjahr um mehr als drei Prozent gestiegen. „Wir haben derzeit knapp über 2.500 Wirtschaftskammer-Mitglieder“, berichtet sie. Weil auch die Zahl der Mitarbeiter von 17.177 auf 17.350 zugenommen habe und in 170 Betrieben an die 510 Lehrlinge ausgebildet werden, sei „die Scheibbser Wirtschaft gut aufgestellt.“

Die Wirtschaftskammer-Obfrau nennt auch konkrete Beispiele einer sehr guten Entwicklung, die sie optimistisch stimmen. „Der Neubau des Hotels in der Stadt Scheibbs schreitet voran. Die Umfahrung Wieselburg verschafft vielen lokalen Unternehmen Aufträge, und die Firma Welser wird demnächst in Gresten eine der modernsten Lehrwerkstätten Österreichs errichten. Und in Wolfpassing geht noch in diesem Herbst mit der Erlauftaler Käsewölfe GmbH wieder eine Käserei in Betrieb. Somit haben wir in allen Branchen eine gute Auslastung und erhoffen uns auch im Tourismus eine erfolgreiche Wintersaison in unseren Skigebieten.“

Erika Pruckners Bilanz enthält allerdings auch Wünsche der Scheibbser Wirtschaft an die Bundesregierung. „Das Programm der Regierung beinhaltet zwar auch Forderungen der Wirtschaft, wie eine Deregulierungsoffensive. Diese Offensive wird aber nur dann wirklich erfolgreich sein können, wenn das Kumulationsprinzip abgeschafft und der Grundsatz Beraten statt Strafen gelebt wird“, sagt sie. Für eine weitere Entbürokratisierung sieht sie „noch die sprichwörtliche Luft nach oben.“

Die Obfrau thematisiert auch den weiteren Ausbau des Breitbands im Bezirk Scheibbs: „Letztlich ist der Zugang zu schnelleren Breitbandanschlüssen für Unternehmen im 21. Jahrhundert überlebenswichtig! Die Explosion der Datenmengen sowie die zunehmende Verlagerung von Geschäftsprozessen in das Internet finden mittlerweile in allen Branchen statt. Für die Standortqualität einer Region wie das Mostviertel ist daher der Ausbau des Glasfasernetzes entscheidend.“

Kopfzerbrechen bereitet der WKNÖ-Obfrau auch der Fachkräftemangel, der sich auch im Bezirk Scheibbs immer stärker bemerkbar mache. „Viele Betriebe finden kein geeignetes Personal,“ sagt sie. Gesucht werden vor allem Maurer, Elektroinstallateure, Bautischler, Schlosser, Industriefacharbeiter sowie Mitarbeiter in der Gastronomie und im Handel.“ Aber auch in anderen Dienstleistungsbranchen, wie etwa bei den Friseuren, gäbe es offene Stellen. „Wenn man bedenkt, dass laut dem Fachkräftemonitor der WKNÖ in ganz Niederösterreich schon derzeit 14.000 qualifizierte Fachkräfte fehlen und diese Zahl bis 2030 auf 66.000 anzusteigen droht, muss rasch gehandelt werden“, betont Erika Pruckner.

Lob kommt von ihr für den gemeinsam mit dem Land Niederösterreich entwickelten Begabungskompass, der seit 2011 der Schuljugend angeboten wird. Hier gilt es, die individuellen Trends rechtzeitig zu entdecken und das jeweilige Potential der Jugendlichen, mittlerweile 65.000, zu heben, damit sie den für sie passenden Berufsweg einschlagen können.

Insgesamt gehe es darum, „die in den letzten Jahren spürbar gewordenen Fehlentwicklungen auf dem Arbeitsmarkt zu korrigieren. Wir brauchen einfach mehr Meister statt Master. Die Lehre war, was das gesellschaftliche Ansehen betrifft, in den letzten Jahren krass unterbewertet“, so die Wirtschaftskammer-Obfrau. „Das Positive ist, dass unsere Aktivitäten langsam aber sicher zu greifen beginnen. So steigen etwa die Lehrlingszahlen bei den ersten Lehrjahrgängen seit zwei Jahren wieder deutlich an, was eine echte Trendwende ist.“ Als wichtig unterstreicht Erika Pruckner, nicht nur die Jugendlichen, sondern auch die Eltern davon zu überzeugen, dass die Lehre keine Einbahnstraße oder sogar Sackgasse ist, sondern ein sehr gesundes Fundament für ein erfolgreiches Berufsleben darstellt. (dsh)

http://wko.at/noe/scheibbs