NÖ Wirtschaftspressedienst - Ausgabe Nr. 1519 vom 11.01.2019

11.01.2019
ï»żNÖ Handel will krasse Wettbewerbsverzerrungen im Online-GeschĂ€ft beenden

Niederösterreichs Handel steht zwar der Digitalisierung in Form des Online-Handels durchaus positiv gegenĂŒber, kritisiert aber die krassen Wettbewerbsverzerrungen, die es in diesem GeschĂ€ftsfeld gibt. „Tatsache ist, dass mehr als die HĂ€lfte des Gelds beim Online-Shopping ins Ausland abfließt“, stellt Franz Kirnbauer, Obmann der Sparte Handel in der NÖ Wirtschaftskammer, fest. Besonders schmerzlich sei, dass die großen Anbieter de facto keine Ertragssteuern zahlen.

„Hier ist die EU gefordert“, sagt Kirnbauer. Es könne nicht sein, dass man den heimischen Betrieben laufend neue Vorschriften und Auflagen aufbĂŒrdet, wĂ€hrend man bei den internationalen Anbietern beteuert, man könne gegen die Wettbewerbsverzerrungen wegen der KomplexitĂ€t des Steuersystems nichts unternehmen.

Das Steuer-Thema mache sich darĂŒber hinaus in vielen Ausformungen bemerkbar, erklĂ€rt der SpartengeschĂ€ftsfĂŒhrer des Handels Karl UngersbĂ€ck und fĂŒhrt ein Beispiel an: Pakete aus DrittlĂ€ndern sind unter 22 Euro von der EU mehrwertsteuerbefreit und haben eine Zollfreigrenze von unter 150 Euro. SchĂ€tzungen zufolge ĂŒberschwemmt China die EU mit tĂ€glich rund 40.000 Paketen, die unter dieser 22-Euro-Umsatzsteuergrenze deklariert werden. „Da liegt die Vermutung nahe, dass da in großem Stil getrickst wird“, meint Spartenobmann Kirnbauer. Da die EU diese Steuerbefreiung zwar 2021 abschaffen will, „sollte Österreich diese klare Wettbewerbsverzerrung sofort abschaffen“, betont er.

In Niederösterreich gibt es derzeit 15.340 Handelsunternehmen, die 115.660 Mitarbeiter beschĂ€ftigen. Die Branchen-Konjunktur hat zuletzt eine leichte AbschwĂ€chung gezeigt, und auch 2019/20 wird eine Entwicklung „eher seitwĂ€rts“ erwartet. Schon im WeihnachtsgeschĂ€ft 2018 hat es nach vorlĂ€ufigen SchĂ€tzungen ein leichtes Minus um 0,5 Prozent gegeben. Im Detail heißt das: minus ein Prozent beim stationĂ€ren Handel und plus fĂŒnf Prozent beim Online-Handel.

Über 98 Prozent aller Handelsbetriebe im Land sind Klein- und Kleinstunternehmen mit weniger als 50 BeschĂ€ftigten. Von den insgesamt 49,4 Milliarden Euro Jahresumsatz entfallen 59 Prozent auf den Großhandel und nur 25 Prozent auf den Einzelhandel.

28 Prozent aller Unternehmen in Niederösterreich sind Handelsunternehmen. Derselbe Prozentsatz gilt auch fĂŒr die NeugrĂŒndungen in Niederösterreich. 26 Prozent aller unselbstĂ€ndig BeschĂ€ftigten in Niederösterreich sind im Handel tĂ€tig, die 39 Prozent des Umsatzvolumens der NÖ Wirtschaft erzielen. (rz)

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