NÖ Wirtschaftspressedienst - Ausgabe Nr. 1553 vom 6.09.2019

6.09.2019
Schremserin fertigt Schmuck aus Waldviertler Mineralien

Ob Achate aus Langschwarza, Opale und Chalcedone aus Waldkirchen, Bänderamethyst aus Maissau, versteinertes Holz aus Führwald sowie Schremser-Granit oder Waldviertler Marmor – Nadine Schmid versteht es, daraus einzigartige Schmuckstücke zu fertigen. Die schon immer schmuckaffine 31-jährige Einzelhandelskauffrau und Buchhaltungsassistentin hat vor einem Jahr die Firma ihres Lebensgefährten Christian Tollar, die Tollar Schmuck Manufaktur, übernommen. Am Standort Eichelbergstraße 6 in Schrems entstehen Ketten, Armbänder, Anhänger, Ohrschmuck, Schlüsselanhänger und Trachtenschmuck.

„Mein künftiger Mann ist seit seiner Kindheit ein begeisterter Mineraliensammler und hat mich mit seiner Leidenschaft angesteckt“, berichtet Nadine Schmid dem NÖ Wirtschaftspressedienst. „Vor drei Jahren hat Christian Tollar Mineralien gegründet. Schmuck aus Waldviertler Eigenfunden herzustellen, ist die Idee dahinter gewesen. Im Vorjahr habe ich das Geschäft übernommen. Der Vater meines Lebensgefährten war Glasschleifer in einer Firma in Alt-Nagelberg und lehrte ihn das Schleifen, und beide lehrten es schließlich mich“, so Nadine Schmid.

Sie hat die breite Schmuck-Produktpalette erweitert

• mit Muttermilchschmuck, wo eigene Muttermilch zu einem unvergesslichen Schmuckstück verarbeitet und konserviert wird, und

• mit Erinnerungsschmuck, der aus Eingüssen von Haaren, Zähnen, Blüten oder Asche besteht.

„Mir ist es wichtig“, sagt die gebürtige Kirchbergerin, „ganz persönliche Momente, wie das Stillen, eine Blüte aus dem Brautstrauß oder den ersten Zahn des Nachwuchses für die Ewigkeit in Form eines individuellen Schmuckstückes festzuhalten. Zudem möchte ich den Menschen zeigen, welche Schätze es eigentlich vor der eigenen Haustür zu finden gibt. Das Waldviertel ist reich an wunderschönen Mineralien. Man muss sie nicht zwingend importieren.“

So stammen die zu verarbeitenden Waldviertler Mineralien ausschließlich aus Funden von Nadine Schmid und Christian Tollar. „Man wird verstehen, dass ich auf keine Details zu den Fundstellen eingehe“, so die Schmuckherstellerin schmunzelnd. „Ausländische Mineralien, wie etwa Bernstein, finden wir entweder selbst oder wir kaufen sie im Rohzustand ein.“

Gefertigt werden die Schmuckstücke momentan noch in den eigenen vier Wänden. Da die Nachfrage groß ist - der Vertrieb läuft derzeit ausschließlich über den eigenen Internetshop - möchte Nadine Schmid die Produktion bald außerhaus in eine eigene Werkstatt verlegen. „Wir haben nicht nur Kunden in Österreich, sondern auch in Deutschland und der Schweiz. Dazu zählen Brautpaare, Mineraliensammler und Oktoberfest-Fans genauso wie stillende Mütter oder ganz einfach Leute, die ein handgearbeitetes und einzigartiges Schmuckstück aus dem Waldviertel haben möchten.“

Für die Fertigung des Muttermilchschmucks benötigt Nadine Schmid an die vier Wochen. Die Milch durchläuft mehrere Verfahren, mit denen sie aufbereitet wird, und sie zuletzt als Schmuckstück verarbeitet werden kann. Das Schleifen und Zusammensetzen von Mineralschmuck dauert zwar nicht so lange, ist aber nicht weniger aufwendig. Der jeweilige Stein wird zuerst mit einer Diamantsteinsäge zugeschnitten. Danach sind mehrere Schleifdurchgänge notwendig. Dabei beginnt man mit einem Diamanten der Körnung 80 und arbeitet sich bis Korn 3.000 hinauf. Poliert wird schließlich mit Filz und Diamantpaste, bis der gewünschte Glanz entsteht. Zum Schluss wird der geschliffene Stein noch gebohrt. Bis dahin kann man jedoch auch mit einigen Stunden Anfertigungszeit rechnen. Gefasst werden die Schmuckstücke schließlich in Silber und Edelstahl, auf Wunsch auch in Gold.

Da die Erzeugnisse der Tollar Schmuck Manufaktur derzeit entweder nur auf der firmeneigenen Homepage oder in einem Schauraum bei Nadine Schmid und Christian Tollar daheim betrachtet werden können, plant das Paar, im Februar ein Geschäft am Schremser Hauptplatz 9 zu eröffnen. „Wir freuen uns selbst schon sehr darauf, weil wir wissen, dass Schmuck aus Mineralien zurzeit sehr gefragt ist.“ (dsh)

http://www.tollarmineralien.at