NÖ Wirtschaftspressedienst - Ausgabe Nr. 1561 vom 1.11.2019

1.11.2019
Trauerredner sein, ist ein abwechslungsreicher und einfĂĽhlsamer Job

Ein Trauerredner wird engagiert, wenn es darum geht, den persönlichen Abschied von einem lieben Menschen nach einer genauen Regie individuell professionell zu gestalten. Weitgehend besteht die Annahme, dass Trauerredner mehr und mehr gefragt werden. Schließlich ist der religiöse Bezug oft nicht mehr in der innigen Form wie in früheren Zeiten gegeben.

Dem widerspricht allerdings Elfriede Stockmeier, Inhaberin der gleichnamigen Agentur in Geigelberg in der Region Wienerwald, die auf Vermittlung von Trauerrednern spezialisiert ist. „Der Kriegsgeneration sind Trauerredner besonders wichtig gewesen, aber davon gibt es immer weniger. Jetzt kommen andere nach, Menschen, die zwar keiner Religion angehören, aber auf eine Abschiedszeremonie nicht verzichten möchten“, erklärt sie dem NÖ Wirtschaftspressedienst.

Das Wichtigste am Beruf des Trauerredners sind die persönlichen Gespräche mit den Angehörigen. Oder wie Elfriede Stockmeier sagt: „Die hauptsächliche Aufgabe meiner Mitarbeiter, nämlich das Leben, das Wirken und die Persönlichkeit der Verstorbenen zu würdigen, hat zur Folge, dass wir Geschichten vom Menschsein erzählen. In der Lebensgeschichte jedes Menschen spiegeln sich die zentralen Lebensfragen wider, denen jeder Mensch begegnen muss, wenn er nach dem guten Leben fragt. Und nach dem guten Leben fragen wir besonders dann, wenn uns bewusst wird, dass wir sterblich endlich sind.

Im Detail geht es dann um Fragen wie: Was bleibt und was zählt? Wofür lohnt es sich zu leben? Was erfüllt mich mit Freude und Stolz? Woraus schöpfe ich Kraft und Freude für mein Leben? Worin finde ich Sinnerfüllung in meinem Leben? Worin liegt ein erfülltes, ein gelungenes Leben? Was liegt in meiner Hand, was nicht? All das wird im Vorfeld mit den Angehörigen besprochen.

Wir hören Menschen aufmerksam zu, und begleiten sie einfühlsam auf diesem oft schweren Gang zum Grab. Trauerredner zu sein heißt, Dienst am Menschen zu leisten. Aufmerksam, unaufdringlich, zuverlässig und mit einem psychologisch exzellent geschulten Auge“, so die Agenturleiterin.

Stockmeier, die seit 1975 diesen Beruf ausübt, meint, dass sich an dieser Grundhaltung nichts wirklich geändert habe. Nur bemerkt sie, dass die Individualisierung in Lebensführung und Lebensstil zunimmt. Dieser Entwicklung müsse auch im Trauerfall Rechnung getragen werden oder wie die Expertin sagt: „Das oberste Stilkriterium für jede Trauerfeier ist Angemessenheit: Was ist in dieser konkreten, einzigartigen Abschiedssituation angemessen und stimmig in Sachen Feiergestalt, Musik oder Rede?“

Trauerredner werden in der Regel von den Bestattungsunternehmen gebucht. Diese wenden sich allgemein an die Agentur, oder sie wollen einen bestimmten Redner oder eine Rednerin. Dass man sich auf die Bestatter verlassen kann, ist für die Niederösterreicher sehr wichtig.

Vom Market-Institut präsentierte Zahlen zeigen, dass die Niederösterreicher sich in den durchschnittlichen Erfahrungen und Erwartungen im Land wiederfinden. Allerdings ist gerade die Frage „Full Service“ beziehungsweise „Alles aus einer Hand“ den Niederösterreichern signifikant mehr wert als dem Rest der Österreicher. Ein Trauerredner darf also schon bei der Beauftragung eines Begräbnisses dabei sein. Faktum ist, dass viele Menschen in Niederösterreich bereits Erfahrungen mit Bestattungen gemacht haben, womit sei über dem Österreich-Schnitt liegen. Katharina Strack-Dewanger, Landesinnungsmeisterin in der NÖ Wirtschaftskammer: „Nahezu alle der Befragten waren bereits zumindest einmal bei einem Begräbnis, drei Viertel davon innerhalb der letzten drei Jahre.“ (jm)

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