NÖ Wirtschaftspressedienst - Ausgabe Nr. 1565 vom 29.11.2019

29.11.2019
BOKU-Verkehrsforscher regen „Grüne Spur“ für Fahrgemeinschaften an

Rund 192.000 Personen pendeln jeden Werktag mit dem eigenen Auto aus dem Süden Niederösterreichs zur Arbeit nach Wien und wieder zurück. Aus dem Wald- und Weinviertel sind es 119.000 sowie aus der Region östlich der Bundeshauptstadt knapp 90.000 Personen. Dabei transportieren die Lenker am Steuer auf dem Beifahrersitz und den Rücksitzen zumeist „heiße Luft.“ „In Österreich fahren nämlich im Pendlerverkehr in zehn Pkw durchschnittlich nur elf Insassen“, rechnet Prof. Michael Meschik, stellvertretender Leiter des Instituts für Verkehrswesen an der Universität für Bodenkultur (BOKU), dem NÖ Wirtschaftspressedienst vor. Gelänge es, den extrem niedrigen Besetzungsgrad in den Autos zu erhöhen, könnte man Zeit, Kosten und CO2-Emissionen sparen und die Umwelt spürbar entlasten.

Dabei kommt eine Verkehrsregelung ins Spiel, die sich rund um viele Großstädte in den USA und Kanada schon seit Jahren sehr bewährt: Fahrgemeinschaftsspuren – „High occupancy vehicle lanes“ (HOV-Lanes). Auf solchen Fahrstreifen dürfen zu Spitzenzeiten, an Werktagen morgens und am späten Nachmittag, nur Fahrzeuge mit mindestens zwei Insassen, manchmal auch mindestens drei Personen, verkehren. In Nordamerika, wo die meisten Berufstätigen mit dem eigenen Auto zur Arbeit pendeln, wird die Bildung von Fahrgemeinschaften erfolgreich von HOV-Lanes gefördert.

Derartige „Sonderfahrstreifen für mehrfach besetzte Kfz“ (mbK) kann sich Meschik auch auf ausgewählten Streckenabschnitten im hochrangigen Straßennetz um Wien, wie z.B. auf der vierstreifigen Südautobahn A2 oder der dreistreifigen Donauufer-Autobahn A22, vorstellen. „Bei hoher Verkehrsdichte kommt ein mbK-Fahrstreifen nicht nur Pendler-Fahrgemeinschaften zugute. Davon profitieren auch Buspassagiere, Handwerker-Teams im Firmenwagen oder Familien auf der Rückfahrt vom sonntäglichen Ausflug. Sie alle kommen schneller voran“, so der Mobilitätsexperte.

Das würden auch die BOKU-Beobachtungsergebnisse aus Puchenau bei Linz zeigen, wo es auf einem drei Kilometer langen Abschnitt der Rohrbacher Straße schon seit 1998 Österreichs einzigen mbK-Fahrstreifen gibt. Dort dürfen Pkw mit mindestens drei Insassen die Busspur nutzen, wenn sie stadteinwärts fahren. „Im Pendlerverkehr ist die Fahrzeit um rund 20 Minuten kürzer“, berichtet Meschik. (mm)

http://boku.ac.at/rali/verkehr