NÖ Wirtschaftspressedienst - Ausgabe Nr. 1580 vom 20.03.2020

20.03.2020
Fitnessstudios wehren sich gegen „Nacht- und Nebelgesetz vom 15. März“

Werner Weissenböck, Branchensprecher der Fitnessbetriebe in der NÖ Wirtschaftskammer, findet aus unternehmerischer Sicht klare Worte zu der Situation, die durch Corona ausgelöst wurde. „Unternehmer bitte wehrt euch“, sagt er, „so wie wir in der Tourismus- und Freizeitwirtschaft gegen das Nacht- und Nebel-Gesetz vom 15. März 2020, das uns das Recht auf Umsatzentschädigung aberkennt, nachzulesen in § 4 Abs. 2. Im Epidemie-Gesetz 1950 war die Entschädigung noch vorhanden. Wir Unternehmen bleiben nun auf unseren Kosten sitzen und werden zu Almosenempfängern und können uns nur noch weitere Kredite bei den Banken lösen. Ich sehe das als eine Art Bankenfinanzierung.“

Dabei ist Weissenböck als Betreiber von Fitnessstudios in einer bisher durchaus boomenden Branche unterwegs, die sich allerdings in Veränderung befinde. „Die jetzt zu Ende gehende Wintersaison ist schwächer ausgefallen. Zuletzt hatten wir ein Rekordwachstum weit über der Inflation. Aktuell sind wir noch im Normbereich“, teilt der Branchensprecher dem NÖ Wirtschaftspressedienst mit. Die schwächelnde Situation in den Fitnessstudios führt Weissenböck auf den milden Winter zurück. „Wenn es warm wird, gehen die Leute draußen radfahren, wandern oder laufen. Dazu kommt, dass es immer mehr Diskontbetriebe gibt und auch dort der Umsatz geringer ist.“

Diese Entwicklung beunruhigt ihn allerdings weniger als die sogenannten „Schwarzen Schafe“ in der Branche. „Das sind diejenigen“, so Weissenböck, „die ihren Betrieb nicht gewerberechtlich anmelden, sondern auf Vereinsbasis arbeiten. In Niederösterreich sind das etwa 50 Betriebe von rund 300. Uns als Wirtschaftskammer Niederösterreich ist es gelungen, diese Betriebe ausfindig zu machen und in Zusammenarbeit mit der Gewerbebehörde auf entsprechende Betriebsanmeldungen zu pochen. Dies ist im Sinne des Fairplay notwendig“, so der Branchensprecher.

Im Unterschied zu einem Verein müsse ein Unternehmen beispielsweise 20 Prozent Mehrwertsteuer zahlen und Mitarbeiter anmelden mit allen dazu gehörenden Rechten und Pflichten. Unterschiedlich behandelt würde auch das Thema Hygiene. Im Fitnessgewerbe sei das Desinfizieren schon seit Jahren eine bindende Vorschrift. „Als Verein muss ich das nicht leisten“, so Weissenböck. „Da gibt es Strafen oder auch nur Strafandrohungen, wenn das rasch repariert wird.“

Schon seit Jahren ein großes Anliegen ist Werner Weissenböck auch die Position seines Gewerbes in der Gesellschaft - dass die gewerblichen Fitnessbetriebe in der Öffentlichkeit als Gesundheitsanbieter wahrgenommen und anerkannt werden. „Wir wollen eine erste Säule für langfristige Gesundheit sein“, sagt er. „Dafür bringen wir die notwendigen Voraussetzungen mit, nämlich körperliches Training und mentale Entspannung als Präventionsleistungen für Fitness und körperliche Tüchtigkeit.“ Dabei denkt er auch an die direkte Verbindung zwischen Fitnessstudio und Fortsetzung daheim. „Vor Ort haben wir Therapeuten, die anleiten, zu Hause können die Patienten die Übungen machen“, meint Weissenböck. Und er fügt hinzu: „Ein steuerlicher Freibetrag wäre ebenso ein Ziel. Dies spornt den Einzelnen an, körperlich aktiv zu werden und zu bleiben.“ Und dass „85 Prozent der Bevölkerung nicht ins Fitnessstudio gehen“, wertet Weissenböck optimistisch als großes Potenzial. (jm)

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