NÖ Wirtschaftspressedienst - Ausgabe Nr. 1615 vom 27.11.2020

27.11.2020
Niederösterreichs Bäckereien sind auch während des Lockdowns geöffnet

Seit kurzem sollten es alle Niederösterreicher und Niederösterreicherinnen eigentlich wissen: Bäckereien gehören zur Grundversorgung und sind daher geöffnet. „Die unklare Kommunikation der Politik hat leider dazu geführt, dass viele Menschen nicht wissen, dass wir Bäcker auch jetzt im Lockdown geöffnet haben“, erklärt Innungsmeister Johann Ehrenberger dem NÖ Wirtschaftspressedienst. Dass in der veröffentlichten Meinung nur von geöffneten Waffengeschäften gesprochen wird, empfindet er als „überaus ärgerlich“.

Um gegen diese Verunsicherung vorzugehen, hat die NÖ Wirtschaftskammer eine Informationskampagne gestartet. „Viele gehen in den Supermarkt, um ihren Bedarf an Backwaren zu decken. Dort aber gibt es oft nur Teiglinge oder Backwaren, die von weither kommen“, so Ehrenberger. „Unsere Bäckereien zeichnet aus, dass sie vor Ort vieles selber erzeugen, angefangen von Brot, und auch dass sie die Zutaten zumeist aus der Region beziehen. Die Landwirte sind oft unsere Kooperationspartner.“

Auch den ökologischen Fußabdruck hebt der Innungsmeister hervor: „Bei manchen Kollegen ist der Weg zwischen der Backstube und dem Verkauf nur zehn Meter lang. Jedenfalls seien auch Bäcker von der aktuellen Corona-Wirtschaftskrise betroffen. Manche Kollegen seien mehr von Tourismus und von der Gastronomie abhängig, andere weniger. Landesweit wird der Verlust wohl bei 25 Prozent im Durchschnitt liegen“, sagt der Innungsmeister.

Schon in den letzten Jahren hatten es Bäcker nicht besonders leicht. Das hängt damit zusammen, dass die Lohnkosten mit mehr als der Hälfte des Umsatzes sehr hoch sind. „Andere Kosten sind dabei noch nicht eingerechnet“, sagt Ehrenberger. „Dazu kommt, dass es kaum Personal gibt. Keiner möchte sich mehr die Nachtarbeit antun.“

Die Mitarbeiter, die es gibt, kommen zumeist aus dem umliegenden Ausland. Die wenigen, die sich als Lehrlinge bewerben, können kaum lesen und schreiben, was aber notwendig ist, um eine Lehre zu starten und auch beenden zu können. All das führt dazu, dass die vorhandenen Mitarbeiter viele Überstunden machen müssen und dass die Bäcker kaum Möglichkeiten vorfinden, neu zu investieren.

„Unsere Erträge liegen bei rund zwei bis vier Prozent. Das ist ein wesentlicher Grund, weshalb viele Kollegen keinen Betriebsnachfolger finden. Da hilft auch der durchaus begrüßenswerte Trend wenig, dass mehr und mehr Menschen Lebensmittel aus der Region konsumieren möchten und dies auch tun.“ (jm)

http://www.echtgutbaecker.at