NÖ Wirtschaftspressedienst - Ausgabe Nr. 1620 vom 8.01.2021

8.01.2021
Ledererzeuger in Ybbsitz verzeichnet starke Nachfrage nach Naturgerbung

Auf das maschinelle Lohngerben mit naturnahen Methoden hat sich die Holubovsky Gerberei und Handel GmbH in Ybbsitz, Bezirk Amstetten, spezialisiert. Wie Geschäftsführer Thomas Holubovsky, der den Familienbetrieb in dritter Generation mit fünf Mitarbeitern führt, dem NÖ Wirtschaftspressedienst mitteilte, sei die Nachfrage nach Naturgerbung so stark angestiegen, dass man weiter mit natürlichen Gerbstoffen experimentiere. Stolz ist er darauf, dass man alle Felle gerben könne, die es gibt, darunter auch Exoten wie Zebras und Gnus.

„Spezialisiert haben wir uns auf Felle von Schafen. An unserem Standort ist bereits seit 100 Jahren eine Gerberei in Betrieb“, erzählt Holubovsky. Diese habe aus den Rindshäuten von Tieren aus der Umgebung festes Rindsleder in Lohgerbung erzeugt. Daraus entstanden Riemen, Taschen und noch weitere Artikel zur Verwendung in der Landwirtschaft und im Gewerbe.

Interessiert an Gerbungen sind zum einen Jäger, die Rohfelle von Hirschen, Wildschweinen, Mardern, Füchsen, Hasen und auch Exoten einbringen, zum anderen Landwirte und Züchter von Rindern, Schafen und Kaninchen. Den Schwerpunkt bilden die Schaffelle, die entweder auf Alaun, medizinal oder Pflanzen gegerbt werden. Vorteil der Medizinalgerbung ist die Waschbarkeit. Bei der Pflanzengerbung laufen derzeit Versuche mit der Rinde der Rosskastanie in der Absicht, auch diesen heimischen Rohstoff verwerten zu können.

Jährlich werden hier etwa 10.000 unterschiedliche Felle gegerbt, die entweder eingesalzen, getrocknet, gefroren oder roh eingeliefert und entsprechend gekennzeichnet werden, damit es zu keiner Verwechslung kommt. Bis man sein fertiges Fell in Händen hält, können drei Monate vergehen, da die unterschiedlichen Tierarten immer in einer eigenen Gruppe zur Gerbung zusammengefasst werden. Die Gerbung eines Hasen- oder Kaninchenfells kostet 24 Euro, eines Rehfells ab 40 Euro, sonst wird nach Quadratmetern abgerechnet.

Die Kunden kommen aus ganz Österreich. Etwa zehn Prozent der Produktion werden nach Deutschland exportiert. Weil es Holubovsky wichtig ist, das Geschäft im direkten Kundenkontakt abzuwickeln, bietet er seine Dienstleistung ohne Zwischenhandel an. (hm)

http://felle.at