NÖ Wirtschaftspressedienst - Ausgabe Nr. 1626 vom 19.02.2021

19.02.2021
Neue Tür oder neues Arbeitszimmer: Corona bringt Tischlern Zusatzumsätze

Im Laufe des Jahres 2020 sind Haus und Heim wichtiger geworden. Schließlich verbringen mehr Menschen dank Homeoffice und Ausgangsbeschränkungen krisenbedingt mehr Stunden als sonst in den eigenen vier Wänden. „Derzeit erhält der Großteil der 1.800 niederösterreichischen Tischler mehr Aufträge als in den letzten Jahren. Es gibt viel zu tun. Das vergangene Jahr 2020 haben wir branchenweit mit einem klaren Plus gegenüber 2019 abgeschlossen“, teilt Stefan Zamecnik, Vize-Landesinnungsmeister der Tischler und Holzgestalter in der NÖ Wirtschaftskammer, dem NÖ Wirtschaftspressedienst mit.

„Profitiert haben vor allem jene, die für gute Leistung und gute Qualität bekannt sind und die sich schon in den Jahren vor der Krise mit Serviceleistungen für ihre Kunden ausgezeichnet haben“, sagt Zamecnik. Allerdings weist er darauf hin, dass dies in erster Linie für die privaten Aufträge gilt. Der Minderheit der niederösterreichischen Tischler hingegen, die auf den Objektbereich mit Gastronomie, Hotels und Messen spezialisiert seien, würden die Umsätze fehlen.

„Die anderen Kollegen haben Zusatzumsätze erwirtschaften können“, betont Zamecnik. „Die Leute lassen alles Mögliche sanieren und neu gestalten – egal ob es sich nur um einen Tisch handelt, um das Arbeitszimmer oder um den gesamten Dachinnenausbau.“ Als Trend ist erkennbar, dass die Zeit genutzt wird, die alt gewordene Ersteinrichtung auszutauschen und zu modernisieren. Besonders gefragt waren neue Innentüren, die jetzt in hellen Hölzern gehalten sind. Ebenso liegen Lackoberflächen sowohl im Hochglanz als auch mit mattierten Effekten im Trend.

Was die Branche auszeichne seien individuelle Planung, individuelle Fertigung und das Eingehen auf die persönlichen Wünsche. Der Landesinnungsmeister-Stellvertreter berichtet von einer Kundin, die in einem Möbelhaus einen Kasten bestellt hat und mit ihren vielen Paketen überfordert war: „Sie hat bei uns angerufen. Es war ihr klar, dass sie für den Zusammenbau unseren Stundensatz zahlen muss, aber sie wusste, das wird gut und rasch erledigt.“

Nicht zufrieden ist die gesamte Branche mit dem Entwicklungsstand der Lehrlingsausbildung. „Das fängt mit den rechtlichen Rahmenbedingungen an, die wir bisher als Berufsvertretung nicht verändern konnten. Für die Ausbildung ist es unerlässlich, Maschinen zu bedienen. Das darf man erst ab 18 Jahren. Da die Jugendlichen einen Großteil der Arbeiten laut Gesetz nicht machen dürfen, sind viele Lehrlinge zu teuer. Gleichzeitig haben wir zu wenig junge Menschen, die sich für den Tischler-Beruf interessieren, oder aber solche, die zwar die Ausbildung machen, aber dann woanders hingehen, wo sie mehr Geld verdienen, oder in die Schichtarbeit wechseln können.“

Und noch etwas macht Stefan Zamecnik Sorge. „Wir sind zwar jetzt im Aufschwung, und das ist gut. Ich gehe aber davon aus, dass uns in den nächsten ein bis zwei Jahren die Krise auch noch treffen wird. Weil noch immer viele in Kurzarbeit sind und zu wenig Geld haben. Jene, die ausreichend Geld haben und umgestalten wollen, tun dies soeben oder haben dies schon in den letzten Monaten getan.“ (jm)

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