NÖ Wirtschaftspressedienst - Ausgabe Nr. 1523 vom 10.02.2019

10.02.2019
Niederösterreicher pfuschen heuer um 2,8 Milliarden Euro

Rund 2,8 Milliarden Euro wird heuer das Gesamtvolumen der Schattenwirtschaft - der sogenannte „Pfusch“ - in Niederösterreich erreichen. Diese Zahl entnimmt der NÖ Wirtschaftspressedienst den Berechnungen, die Prof. Friedrich Schneider vom Institut für Volkswirtschaftslehre der Johannes Kepler Universität Linz durchgeführt hat. Damit wird die regionale Wertschöpfung der Schwarzarbeit in Niederösterreich im Vergleich zum Vorjahr um 170 Millionen Euro oder 5,7 Prozent zurückgehen. 2018 ist in Niederösterreich noch um 2,97 Milliarden Euro gepfuscht worden.

Als Gründe für die rückläufige Schattenwirtschaft im Land ortet Schneider das starke Wirtschaftswachstum sowie die gesunkene Zahl an Arbeitslosen. Die geplante Steuerreform werde die Schwarzarbeit ebenfalls bremsen. Ein wirksames Mittel zur Pfuschbekämpfung wäre auch die baldige Abschaffung der „Kalten Progression“, meint der Uni-Professor.

In Niederösterreich am meisten schwarz gearbeitet wird traditionell am Bau und im Baunebengewerbe. Laut Schneider macht dieser größte Brocken heuer landesweit 1,1 Milliarden Euro aus. Kräftig gepfuscht wird auch im Friseurgewerbe und bei den sogenannten haushaltsnahen Dienstleistungen, wie Babysitten oder Nachhilfestunden, auf die in Niederösterreich zusammengerechnet 481 Millionen Euro entfallen. Auf jeweils 452 Millionen Euro kommt die Schattenwirtschaft in Niederösterreich bei Gewerbe- und Industriebetrieben sowie in Hotels und Gaststätten. (mm)

http://www.econ.jku.at/schneider



10.02.2019
OMV mit der Raffinerie Schwechat in Vollauslastung

Die verstärkte Nachfrage nach Rohölprodukten hat der OMV-Raffinerie Schwechat 2018 eine fast hundertprozentige Auslastung beschert. So wurde im letzten Jahr die Rekordmenge von 400.000 Tonnen Propylen an die benachbarte Borealis geliefert.

Wie OMV-Vorstand Manfred Leitner im Rahmen der Bilanzpressekonferenz auf Anfrage des NÖ Wirtschaftspressedienstes bekannt gab, läuft derzeit in Schwechat ein Projekt zur Rückgewinnung von synthetischem Rohöl aus Altkunststoff. 2020 soll eine ReOil-Anlage mit der Kapazität von 20.000 Tonnen pro Jahr in Testbetrieb gehen. Damit will man die Grundlage zur industriellen Rückgewinnung des Wertstoffs Altkunststoff in großem Umfang schaffen.

Weit vorangeschritten ist auch die Kampagne zur Erschließung neuer Erdöl- und Erdgasquellen im Marchfeld, Weinviertel und Wiener Becken. Hier werden laut OMV-Vorstand Johann Pleininger mit dem ersten Quartal 2019 die ersten Ergebnisse erwartet. Derzeit beträgt die Förderquote der OMV in Österreich 24.000 bis 25.000 Barrel pro Tag.

Das Jahr 2018 ist für die OMV ein Rekordjahr gewesen. Der Umsatz stieg um 13 Prozent auf fast 23 Milliarden Euro, das operative Ergebnis vor Sondereffekten sogar um 23 Prozent auf 3,6 Milliarden Euro. Weltweit beschäftigt die OMV 20.721 Mitarbeiter (hm)

http://www.omv.com



10.02.2019
ReisebĂĽros erzielen mit FrĂĽhbuchervorteilen groĂźes Buchungsaufkommen

Das vergangene Geschäftsjahr ist für die heimischen Reisebüros sehr positiv verlaufen. Davon zeichnet sich heuer eine Verlängerung ab. „Die Kunden schätzen die kompetente Beratung sowie die Absicherung durch die Reisebüros. Deshalb können wir uns auch heuer wieder über ein großes Buchungsaufkommen freuen. Dazu tragen mit Sicherheit aber auch die attraktiven Frühbucherangebote bei.“ Das gab Sabine Riedl, Fachgruppenobfrau der Niederösterreichischen Reisebüros in der NÖ Wirtschaftskammer, dem NÖ Wirtschaftspressedienst bekannt.

Voll im Trend liegen auch heuer die Kreuzfahrten. Bei den Mittelstrecken haben Griechenland, Spanien. Portugal, die Türkei und Italien eindeutig die Nase vorn, bei den Langstrecken Südafrika, Tansania und Sansibar, die Malediven, Mauritius, Thailand sowie die Vereinigten Arabischen Emirate. Aber auch Städtereisen sind wieder en vogue, da sind vor allem Marrakesch, Lissabon und Valencia die Favoriten. Pro Kopf sind die Niederösterreicher bereit, für den Sommerurlaub durchschnittlich 1.000 Euro auszugeben.

Dennoch gibt es einen Wermutstropfen, der die Reisebranche beschäftigt. „Auch bei uns herrscht zurzeit leider akuter Lehrlingsmangel“, verrät die Fachgruppenobfrau. Den Grund sieht sie in erster Linie in einer Gesetzesbestimmung, die es Schülern in bestimmten berufsbildenden Schulen ermöglicht, statt drei Lehrjahren nur eines zu absolvieren. „Das in der Reisebranche erforderliche umfangreiche Fachwissen lässt sich in einem Jahr nicht vermitteln und erzeugt bei den jungen Leuten Frustration. „Wir unternehmen daher viel,“ sagt sie, „wie etwa Messeauftritte und Lehrlings-Castings, um mehr Lehrlinge zu gewinnen.“

Aktuell hat die Branche mit Fluglinien-Insolvenzen und Streiks zu kämpfen. Fluglinien müssen im Gegensatz zu Pauschalreiseveranstaltern und zu Vermittlern verbundener Reiseleistungen keine Insolvenzabsicherung abschließen. „Diese Lücke muss rasch geschlossen werden,“ fordert Riedl. „Generell machen es uns die gesetzlichen Neuerungen, wie Pauschalreisegesetz und -verordnung sowie die Margensteuerregelung nicht einfach. Die neue Margensteuerregelung - Besteuerung von Reiseleistungen - soll mit 1. Mai 2020 in Kraft treten. Problematisch für die Reisebürobranche ist, dass diese Regelung nun auch für den B2B-Bereich gelten soll und Gesamt- und Gruppenmargen, also Pauschalierungen bei der Bemessungsgrundlage, verboten sind. Hier müssen Lösungen gefunden werden. Bei all unseren Branchenanliegen würden wir uns eine entsprechende Unterstützung von der Bundesregierung erwarten.“

Derzeit gibt es in Niederösterreich 256 Reisebüros, die 1.015 Mitarbeiter beschäftigen. Elf Betriebe bilden 20 Lehrlinge aus. (dsh)

http://wko.at/noe/reisebueros



10.02.2019
Neugründungen bestätigen Bezirk Baden als prosperierenden Standort

Mit 615 Neugründungen 2018 zeigt der Bezirk Baden einmal mehr, dass er ein beliebter Wirtschaftsstandort ist. „Die hohe Standortqualität des Bezirkes ergibt sich aus seinem ausgezeichneten Branchen- und Größenmix der Betriebe sowie seiner Nähe zu Wien“, erklärte Jarko Ribarski, Obmann der Bezirksstelle Baden der NÖ Wirtschaftskammer, beim traditionellen Neujahrsempfang dem NÖ Wirtschaftspressedienst.

Auf die noch immer leerstehende Martinek Kaserne in Baden angesprochen, plädiert er für einen neuen Anlauf, um dieses Areal endlich wieder einer Nutzung zuzuführen. Egal welche, jede sinnvolle nämlich würde die regionale Wirtschaft zusätzlich beleben.

Einen Schwerpunkt im Aufgabenbereich der Wirtschaftskammer sieht der Bezirksstellenobmann in der Motivation junger Menschen, um sie für eine duale Ausbildung zu gewinnen. „Man muss sich darüber im klaren sein“, sagt er, „dass ein weiterer reiner Schulbesuch die Berufswahl nur aufschiebt.“ Seit sieben Jahren schon besuche man die dritten und vierten Klassen sowie die polytechnischen Lehrgänge. Ribarski selbst hat jedes Jahr 40 Klassen auf seiner Besuchsliste, um für die Lehre zu werben. Im Bezirk Baden werden derzeit 1.648 junge Menschen in 351 Lehrbetrieben ausgebildet.

Im Jahr 2018 sind im Bezirk Baden 9.328 Kammermitglieder an 10.011 Betriebsstandorten aktiv gewesen. Die stärkste Gruppe unter den Sparten mit mehr als 10.000 Mitliedern ist die Sparte Gewerbe und Handwerk mit 4.671 Mitgliedern, gefolgt vom Handel mit 3.078 und Information und Consulting mit 1.903. Die Quote der Einpersonen-Unternehmen beläuft sich auf 60 Prozent. Das gemeinsame Finanzamt Baden/Mödling hat Steuereinnahmen von mehr als 1,5 Milliarden Euro verbucht. (hm)

http://wko.at/noe/baden



10.02.2019
Ă–tscher Berufskleidung ist auch in Japan und Amerika begehrt

Das niederösterreichische Familienunternehmen Ötscher Berufskleidung in Amstetten hat mehr als 3.300 Artikel im Programm, wovon der Großteil Öko-Tex 100 zertifiziert ist. Damit werden mehr als 7.000 Kunden weltweit beliefert. Der Exportanteil liegt bei 41 Prozent. Ötscher exportiert in Fernmärkte wie USA, Japan und den Nahen Osten ebenso wie innerhalb Europas, wo Deutschland, Spanien und die Schweiz die Hauptmärkte sind.

„Primär sind wir der Spezialist für custom made-Berufskleidung. Das sind Sonderanfertigungen nach Vorgaben des Kunden“, teilt Geschäftsführer Thiemo Götzl dem NÖ Wirtschaftspressedienst mit. Entwerfen, Entwickeln und Produzieren erfolgen im Betrieb aus einer Hand.

Neben der Produktion tritt das Unternehmen, das 95 Mitarbeiter, davon 90 Prozent Frauen beschäftigt, auch als Händler von Qualitätsprodukten für gewerbliche Zwecke auf. Diese reichen von der Seidenkrawatte, waschbaren Business Outfits, Shirts und Sweaters in 25 Farben bis zu wattierten Jacken. Alle Stücke können mit Logo individualisiert werden.

High-Tech Schutzbekleidung ist einer der Schwerpunkte für die kommenden Jahre. Textiltechnische Innovationen ermöglichen nämlich neue Verarbeitungstechniken und Anwendungsgebiete. „Die wichtigsten Trends versuchen wir als langjähriger Spezialist für unsere Kunden umzusetzen“, sagt Thiemo Götzl. Als Beispiel nennt er die sprichwörtlich „brandneue“ Multi-Norm Kleidung mit GORE® PYRAD® Technologie verarbeitet - eine der leichtesten Allwetterschutzkleidungen am Markt, mit Schutz gegen Störlichtbogen, Hitze und Flammen. Sie kombiniert dauerhafte Wasserdichtheit mit einem hervorragenden Schutz vor Hitze und Flammen. „Doch hier geht noch mehr“, so Götzl. „Aktuell sind wir kurz vor der Fertigstellung einer weiteren zertifizierten Multi-Norm Garnitur mit der nächsten Generation der Gore-Tex Technologie.“

Als Ziele für 2019 nennt er konstante Erträge und Neukunden, die er mit innovativen Produkten und individuellem Service - Logistik- und Lagerlösungen sowie Kundenwebshop - gewinnen will. „Was uns hemmt und das ganze Unternehmen belastet, ist der akute Personalmangel“, erklärt Götzl. „Wir finden kaum Mitarbeiter mit Vorwissen aus der Textilbranche. Die Branche ist europaweit so stark geschrumpft, dass es nur noch wenige Ausbildungsstätten gibt. Wir sind an langfristigen Arbeitsverhältnissen interessiert und freuten uns daher im letzten Jahr über die Ehrung von 16 langjährigen Mitarbeiterinnen. Manche ist bereits seit Jugendjahren bei uns.“

Was die steuerliche Entlastung betrifft, gehe Österreich zurzeit in die richtige Richtung. Wo noch Luft nach oben ist, nennt Thiemo Götzl Reglementierungen und die Digitalisierungsunterstützung traditioneller Klein- und Mittelbetriebe. Als besonders ärgerlich empfindet er, dass Großaufträge und Ausschreibungen der öffentlichen Hand manchmal zeitlich nicht machbar sind: „Angebotsabgaben inklusive Mustererstellungen für Sonderanfertigungen werden nicht selten innerhalb weniger Wochen gefordert. Wenn der Stoff dann, wie so oft, keine Standardware ist, dauert allein schon die Herstellung und Produktion von Stoffen länger.“ (dsh)

http://www.oetscher.com



10.02.2019
Ă–sterreich importiert weniger Strom aus Tschechien

Leicht zurückgegangen ist die Menge elektrischer Energie, die aus Tschechien über die Grenze in die österreichischen Hochspannungsleitungen fließt. Das geht aus der Jahresbilanz des Verbandes Europäischer Übertragungsnetzbetreiber (ENTSO-E) hervor, die dem NÖ Wirtschaftspressedienst vorliegt. In den Importzahlen enthalten ist nicht nur die Strommenge, die in den Atom- und Kohlekraftwerken des Nachbarlandes erzeugt wird, sondern auch jene aus dänischer und norddeutscher Windkraftproduktion an der Nord- und Ostsee, von wo beträchtliche Elektrizitätsmengen an Ökostrom über Polen und Tschechien nach Österreich gelangen.

Wie ENTSO-E meldet, hat Ă–sterreich im Vorjahr 10.825 Gigawattstunden (GWh) Strom aus Tschechien importiert. Das ist ein RĂĽckgang um 1,6 Prozent gegenĂĽber dem Vergleichszeitraum 2017. Besonders stark geglĂĽht haben die Leitungen nach Angaben von ENTSO-E in den fĂĽnf Monaten August bis Dezember mit Einfuhrmengen von jeweils mehr als 1.000 GWh.

Vergleichsweise dürftig hingegen tröpfelt der Stromfluss in die Gegenrichtung: 2018 hat Österreich 112 GWh elektrische Energie nach Tschechien exportiert. 2017 sind es 62 GWh gewesen.

Große Strommengen aus Tschechien strömen insbesondere über das Umspannwerk Slavetice nach Österreich. Dieser Netzknoten, der auch die Nuklearenergie aus dem nahe gelegenen Atomkraftwerk Dukovany verteilt, ist über eine 380-Kilovolt-Leitung durch das westliche Weinviertel mit Dürnrohr im Tullner Feld verbunden. Wie der staatliche Energiekonzern CEZ in seiner Jahresbilanz bekanntgibt, hat der Meiler Dukovany 2018 eine Leistung von fast 14,25 Terawattstunden erzeugt. Das war rund ein Fünftel mehr als 2017 und das sechstbeste Ergebnis in der Geschichte des Atomkraftwerks seit seinem Betriebsbeginn 1985. (mm)

http://www.entsoe.eu/data/statistics/Pages/power _flows.aspx



10.02.2019
Schigebiet Unterberg an der Kapazitätsgrenze

Nach den starken Schneefällen mit tiefen Temperaturen hat sich das Naturschnee-Schigebiet Unterberg in Pernitz, Bezirk Wiener Neustadt, als besonders attraktiv erwiesen. Laut dem Geschäftsführer der Skilift Unterberg GmbH Erich Panzenböck sind besonders an den Wochenenden die Kapazitätsgrenzen mit 2.500 Besuchern täglich erreicht worden.

„Bei uns gibt es echten Schnee, und Schifahren auf Naturschnee ist ein besonderes Erlebnis. Gerade Familien zieht dieses Schigebiet an, da es leicht als Tagesausflug erreichbar ist“, betont Panzenböck gegenüber dem NÖ Wirtschaftspressedienst. Zum Monatswechsel betrug die Schneehöhe am Berg über zwei Meter und im Tal 30 Zentimeter.

Sehr gut angenommen wird die Kooperation mit dem Schigebiet KitzbĂĽhel. Damit kann man die Schisaison in Tirol ausdehnen, da Unterberg-Saisonkartenbesitzer dort zehn Prozent Rabatt erhalten. (hm)

http://www.schigebiet-unterberg.at



10.02.2019
Scheibbser Keramikwerkstatt beliefert auch Trachtenfirma in Salzburg

Seit die Niederösterreichische Lebenshilfe in Scheibbs im Jahr 1987 die Scheibbser Keramikwerkstatt übernommen hat, wird hier nach alter Tradition gearbeitet. „Bei uns gibt es keine neuen Maschinen, keine neuen Geräte und auch keine modernen Keramiken. Wir produzieren im großen Stil nur Gebrauchskeramik“, erklärt Werkstättenleiter Johann Kreimel dem NÖ Wirtschaftspressedienst.

Fünfzehn Mitarbeiter mit Handykap und sieben Angestellte erzeugen Teller, Schüsseln und Schalen, die im eigenen Laden erfolgreich verkauft werden. Als bekannte Kunden nennt der Werkstättenleiter einen Landwirte-Verband und das Trachtenmodegeschäft Tostmann in Salzburg. „Die Firma Trachtenmode Tostmann bestellte Keramik-Geschirr, weil es farblich gut zu ihren Trachten passt. Und für den Rinderzucht-Verband haben wir vor kurzem vierzehn große Keramikteller als Geschenke für ausgezeichnete Züchter hergestellt“, berichtet Johann Kreimel. Trotz seinem Verkaufserfolg erwirtschaftet das Scheibbser Unternehmen als Teil einer gemeinnützigen Organisation keinen finanziellen Gewinn.

Für Menschen mit besonderen Bedürfnissen bietet die Keramikwerkstatt einen fixen Arbeitsplatz mit Beschäftigungstherapie. „Die meisten Mitarbeiter werden nach Abschluss der Sonderschule im Alter von 16 bis 17 Jahren bei uns aufgenommen. Dann bemühen wir uns, die Anfänger für den ersten Arbeitsmarkt fit zu machen, um sie dort unterzubringen. Leider gelingt uns das aber nur selten. Manche bleiben sogar bis zur ihrer Pension bei uns“, so Johann Kreimel.

Besonders erfreut sind die Keramiker über die steigende Zahl von Besuchern, die bereits mit Busunternehmen kommen. Der Besuch mit Führung durch die Werkstatt wird immer öfter ein Ausflugsziel. Dass die Gäste nicht nur beim Fertigen der Keramiken zuschauen, sondern meist auch etwas kaufen, rundet die Freude über die Besuche ab. (km)

http://www.noe.lebenshilfe.at



10.02.2019
Bauhilfsgewerbe kämpft trotz positivem Geschäftsjahr an mehreren Fronten

Für das Niederösterreichische Bauhilfsgewerbe ist das Geschäftsjahr 2018 durchwegs positiv, wegen der guten Auftragslage teilweise sogar an der Grenze der Belastbarkeit der Unternehmen und ihrer Mitarbeiter verlaufen. „Ich hoffe, dass diese Entwicklung auch heuer in gleichem Ausmaß weitergeht“, erklärte Irene Wedl-Kogler, Bundes- und Landesinnungsmeisterin in der Wirtschaftskammer, dem NÖ Wirtschaftspressedienst.

Ein großes Problem der Branche hingegen sieht sie in den extremen Schwankungen der Auftragsvergabe. „So gut es auch derzeit aussieht, eine kontinuierliche Auftragsvergabe ist weiterhin nicht gewährleistet“, sagt sie. Irene Wedl-Kogler fordert daher mit Nachdruck, dass öffentliche und gemeinnützige Aufträge nicht nur in der Saison vergeben werden. „Diese Auftragsvergabe muss ausgewogen gesteuert werden, um das Entstehen von Auftragslücken zu vermeiden.“

Auch den anhaltenden Konkurrenzdruck aus den ehemaligen Oststaaten zu ungleichen Bedingungen nennt sie ein Problem. „Es müssten rigorose Kontrollen der Arbeitsmarktbehelfe, des Arbeitnehmerschutzes sowie der Bestimmungen der Gewerbeordnung durchgeführt werden“, mahnt die Innungsmeisterin. „Zudem macht sich der Fachkräftemangel bemerkbar, und er wird uns in den nächsten Jahren immer mehr beschäftigen. Dem entgegen zu wirken, ist eine wichtige Aufgabe für die Zukunft. Und auch die Senkung der Lohnnebenkosten bleibt eine aktuelle Forderung.“

Von der Bundesregierung erwartet sie, dass KMU, die immerhin 90 Prozent der Betriebe ausmachen und 70 Prozent der Arbeitnehmer beschäftigen, bei den Aufträgen vermehrt zum Zug kommen. Veränderungen will sie „mit Bedacht und Vorausschau herbeigeführt“ wissen und Maßnahmen so gesetzt, „dass sie länger als bis zur nächsten Wahl Bestand haben.“

Beim Thema Digitalisierung mahnt Irene Wedl-Kogler zur Vorsicht: „Die Digitalisierung muss als Chance für Verbesserungen gesehen werden und nicht als Ersatz für unsere Arbeitsplätze, insbesondere nicht für Arbeitsplätze von Menschen, die anderwärtig nicht mehr einsetzbar sind.“

Die Fachgruppe des NÖ Bauhilfsgewerbes besteht aus 23 Berufsgruppen. Dazu gehören Tiefbohrunternehmer, Gerüstverleiher, Stukkateure und Trockenausbauer ebenso wie Betonwarenerzeuger, Pflasterer, Steinbildhauer, Sand-, Kies- und Schottererzeuger. Zurzeit beschäftigen 2.326 aktive Mitgliedsbetriebe an 2.477 Betriebsstandorten 7.095 Mitarbeiter mit 72 in Ausbildung stehenden Lehrlingen. (dsh)

http://wko.at/noe/bauhilfsgewerbe



10.02.2019
Waldviertler Uhrmachermeister punktet mit Holzuhren

Erst vor kurzem hat der Waldviertler Uhrmachermeister Gerhard Harrer als Einpersonenunternehmer (EPU) in Karlstein an der Thaya damit begonnen, Armband- und Schwersternuhren auch aus Holz zu produzieren. Wie er dem NĂ– Wirtschaftspressedienst berichtet, habe sich bereits eine groĂźe Nachfrage nach diesen exklusiven Waldviertler Holzuhren entwickelt.

„Das Ganze ist aus einer ausgefallenen Idee heraus entstanden“, sagt er. „Nach einigen Prototypen kann ich jetzt Armband- oder Schwesternuhren ganz nach den Vorstellungen meiner Kunden fertigen. Ihr Gehäuse und das Ziffernblatt bestehen aus Holz, das Uhrwerk und die Zeiger aus Metall und die Bänder aus Leder.“ Harrers Uhren sind ab 99 Euro erhältlich. Wählen kann man aus fünf Holzsorten, darunter Birne und Eiche, und beim Ziffernblatt aus sechs Furnieren. Auf Anfrage sind aber auch spezielle Hölzer und Logos auf dem Ziffernblatt möglich. Es gibt auch Holzuhren für spezielle Anlässe, wie Geburtstage oder Jubiläen, die etwa die Größe eines Weckers haben.

Gerhard Harrer ist aber auch ein Meister, der serviciert und repariert. Von kleinen Ringuhren, Armband- und Taschenuhren bis zu großen Standuhren. „Auch eine Uhr braucht ein Service, nicht nur das Auto. Bei einer Standuhr sollte man es alle zehn bis 15 Jahre machen lassen und bei einer Armbanduhr alle drei bis sieben Jahre“, betont er. Das sei dann ein Komplettservice, wo die Uhr total auseinander genommen und alles gereinigt und natürlich auch wieder zusammengebaut wird. Der Uhrmachermeister sieht die Freude an seinem Beruf auch darin, dass er alte Uhren wieder zum Laufen bringen kann.

Die Kunden kommen, wie Harrer sagt, „derzeit noch aus Österreich.“ Zur Hälfte sind es Privatkunden und zur anderen Firmen und Geschäfte, die keinen eigenen Uhrmacher mehr beschäftigen, sondern etwaige Reparaturen und Services an ihn auslagern. (hm)

http://www.harreraustria.at



10.02.2019
Wahl-Mostviertlerin fertigt nach Slow Fashion-Prinzip nachhaltige Mode

Ob Damenmode, Agender-Mode, Accessoires oder auch Kindermode - Gertraud Gerst legt Wert darauf, Kleidung nachhaltig zu produzieren. Sie arbeitet nach den Grundprinzipien von Slow Fashion - solides Handwerk, nachhaltige Material-Beschaffung und regionale Wertschöpfungsketten. Für ihr Slow Fashion-Konzept, das auf bewussteren Konsum setzt, ist Gerst im Vorjahr von der NÖ Wirtschaftskammer mit dem großen Preis des Handwerks „kreativ in die Zukunft“ ausgezeichnet worden.

Dabei ist es erst zwei Jahre her, dass die gebürtige Tirolerin, die seit sieben Jahren mit ihrer Familie in Steinriegl in der Marktgemeinde St. Andrä-Wördern lebt, die Befähigungsprüfung zur Damenkleidermacherin abgelegt hat. Die 47jährige studierte Übersetzungswissenschafterin arbeitete viele Jahre als Journalistin in verschiedenen Verlagshäusern in London und Wien. „Da ich mir schon immer meine eigene Mode genäht habe - zuerst im DIY-Stil, dann mit richtigen Schnittkonstruktionen - habe ich nach der Auflösung des Redaktionsteams vor drei Jahren beschlossen, mich mit meinem eigenen Modelabel und einer Schneiderwerkstatt selbständig zu machen“, berichtet Gertraud Gerst dem NÖ Wirtschaftspressedienst.

In ihrer Schneiderwerkstatt entsteht artisanale Mode, die klares Design mit traditionellen Referenzen versetzt und sich gern am Grat zwischen feminin und maskulin bewegt. „Artisanal heißt, die Mode wird nach traditionellen handwerklichen Arbeitsvorgängen gefertigt,“ erklärt Gertraud Gerst. „Einige Arbeitsschritte werden von Hand gemacht, wie etwa Knöpfe annähen, Fäden vernähen oder säumen.“ In ihrer aktuellen Edition ist unter anderem eine Agender-Latzhose aus Leinendenim von Fölser Naturfaser, dessen Flachs rund 200 Kilometer entfernt von Gersts Schneiderwerkstatt angebaut wird. Gesponnen wird er im benachbarten Tschechien, gewoben im Mühlviertel. „Die Produzenten, ein pensioniertes Ehepaar, kenne ich persönlich. Bei einer regionalen Produktionskette wie dieser können Fairness und Nachhaltigkeit tatsächlich garantiert werden,“ sagt Gerst überzeugt. „Außerdem unterstützt man damit regionale Kreislaufwirtschaft sowie kleine Strukturen, die für Diversität in der Wirtschaft sorgen.“

Von den Modellen ihrer Edition fertigt die Wahlmostviertlerin nur sehr kleine Konfektionsserien, von manchen gibt es gar nur Einzelstücke. „Zudem mache ich Maßanfertigungen und setze Spezialwünsche meiner Kunden um, die die Einzigartigkeit, die Passform und auch die Möglichkeit schätzen, die Herstellung des Kleidungsstückes mitzubestimmen.“ Verwendet werden reine Naturmaterialien, hauptsächlich Leinen, Wolle und Seide, bevorzugt aus regionaler Produktion und regionalen Webereien.

„Obwohl meine Kleidungsstücke um einiges teurer sind, zählt meine Kundschaft größtenteils nicht zu den Besserbetuchten, sondern es sind einfach Menschen, die lieber zweimal im Jahr etwas Hochwertiges kaufen, statt jeden Monat ein neues Stück von der Stange. Ein Umdenken in Richtung eines bewussteren Konsumverhaltens bei Kleidung findet jedenfalls schon statt.“ Und damit handwerkliches Wissen erhalten bleibt und es „künftig wieder mehr Job-Diversität in dieser Branche gibt“, wünscht sich Gerst „mehr Unterstützung für regional produzierende Textilunternehmen“ und dass „auf internationaler Ebene endlich am Steuervorteil für multinationale Konzerne geschraubt wird.“

Und welche Ziele hat die Damenkleidermacherin für die Zukunft? „Ich würde mir einen kleinen Betrieb mit zwei bis drei Mitarbeitern wünschen und die Möglichkeit, in Zukunft auch Lehrlinge auszubilden und das vereinte Wissen von traditionellem Handwerk und zeitgemäßem Design weiterzugeben.“ (dsh)

http://www.gerst.at